PLAYCENTRAL TEST Batman: Arkham City

Batman: Arkham City: Unverzichtbarer Meilenstein oder nur überhypt?

Von Yannick Arnon - Test vom 14.11.2011 08:28 Uhr

Hier ist es also, das ambitionierte Sequel zu einem der besten Lizenzspiele der vergangenen Jahre. Entwickler Rocksteady Studios konnte im Laufe des Jahres einiges an Vorschusslorbeeren einstreichen und die ersten Reviews zu Batman: Arkham City geizten nicht mit Höchstwertungen, was den geneigten Comic-Liebhaber in verzückte Vorfreude versetzte. Aber ist dieses Lob berechtigt oder kann Rocksteady mit dem Sandbox-Action-Adventure keine Catwoman mehr hinter dem Ofen hervorlocken? Findet es raus, in unserem Lagebericht direkt aus dem Herzen von Arkham City.

Arkham City Prison Blues

Zwischen Arkham Asylum und Arkham City ist innerhalb des Spiels mehr als ein Jahr Zeit vergangen. Für diejenigen von euch, die den Prequel-Comic nicht verfolgt haben, gibt es eine kurze Zusammenfassung. Nach den Ereignissen im Asylum, in deren Verlauf Batman einmal mehr die Pläne des Jokers vereitelte, wurde Anstaltsleiter Quincy Sharp zum Bürgermeister von Gotham City gewählt. Um die gesamte Unterwelt von Gotham unschädlich zu machen, wurde unter großem Protest das Projekt "Arkham City" initialisiert, bei dem ein bestimmtes Areal der Stadt zu einem gigantischen Gefängnis umfunktioniert wurde, in dem die Kriminellen tun und lassen können was sie wollen, solange sie keinen Ausbruch versuchen. Was genau hinter Betonmauern und Stacheldraht passiert, das interessiert niemanden so ganz genau. Denn innnerhalb versammeln Superschurken wie Two-Face, der Pinguin und der Joker ihre treuen Anhänger, um ihre dunklen Machenschaften voranzutreiben. Überwacht wird das Geschehen von dem skrupellosen Professor Hugo Strange, der zu allem Überfluss Batmans Geheimidentität in Erfahrung bringen konnte. Es liegt also am Fledermausmann in Arkham City für Recht und Ordnung zu sorgen und in Erfahrung zu bringen, was Stranges Ziele sind und was er mit ihm vorhat.

Das Spiel beginnt überraschenderweise nicht mit Batman, sondern mit Catwoman, zumindest wenn ihr den beigelegten Downloadcode für ihren DLC einlöst. Die Dame im Latexanzug verfügt über eine eigene Story, in der sie es auf die Reichtümer der Insassen von Arkham City abgesehen hat. Dementsprechend unterscheiden sich auch ihre Missionsziele vom Hauptspiel, ebenso im Hinblick auf Ausrüstung und Fortbewegung spielt sie sich anders als unser Hauptcharakter. Es kommt mehrmals zu Überschneidungen mit der Handlung von Batman, der Wechsel wird in der Regel nach Cliffhangern vorgenommen. Ladet ihr euren Spielstand, werdet ihr noch einmal anhand von Comic-Panels mit Screenshots auf den aktuellen Stand der Handlung gebracht. Der Catwoman-Part ist auf vier Episoden aufgeteilt, die euch insgesamt gut eine Stunde beschäftigen werden. Erst nach diesem Prolog beginnt der furiose eigentliche Anfang, auf den wir aus spoilertechnischen Gründen nicht eingehen können, und ihr streift die Kluft von Gothams dunklem Rächer über.

Die Anstalt ist nicht genug

Das Spiel beginnt und wir ziehen uns mit der Greifhakenpistole auf das nächstgelegene Hausdach und der Anblick von oben verschlägt uns sofort die Sprache. Zwar kann Arkham was die Größe angeht nicht mit Sandbox-Metropolen wie Liberty City mithalten, dennoch ist die Weitsicht enorm und die Stadt wirkt sehr lebendig, fast schon erdrückend. Schlägereien auf dem Boden locken weitere Handlanger aus den umliegenden Straßen an, auf den Dächern patroullieren bewaffnete Gegner und schon auf den ersten Metern stolpert ihr bereits über die ersten Riddler-Trophäen, die ihr in diesem Moment noch nicht einsacken könnt. Damit ihr nicht vollkommen die Orientierung verliert, weist euch das Batsignal am Himmel den Weg zur nächsten Hauptmission. Als Fortbewegungsmittel benutzt Bats sein Cape und die Grapnel Gun, was mit ein wenig Übung so gut funktioniert, dass gar kein Bedarf für ein steuerbares Batmobil oder andere Fahrzeuge besteht. Die Bewegungen wirken dabei wie aus einem Guss, Popup ist nicht zu erkennen und wahrnehmbare Ladezeiten gibt es eigentlich nur beim Betreten von Gebäuden. Es steht euch also frei zu entscheiden, ob ihr nun durch die Straßen zieht und jeden einzelnen Gegner ausschaltet oder ob ihr Konflikten aus dem Weg geht und euch den Weg über die Dächer bahnt. Oder wie wäre es mit einer gesunden Mischung aus beidem?

Einen Großteil des Gameplays machen die Kämpfe aus, bei denen ihr nicht selten gegen ein gutes Dutzend Gegner antretet. Es ist zwar nicht notwendig, dass ihr den Vorgänger gespielt habt, doch ihr könnt dadurch von eurer Erfahrung mit dem Freeflow-Kampfsystem profitieren. Es ist keine große Kunst in den Konfrontationen Schläge, Konter und den Gebrauch von Batmans Equipment zu spektakulär anzusehenden Combos zu verbinden, in den freischaltbaren Challenge Maps könnt ihr auf der Jagd nach Medaillen eure Fähigkeiten dem ultimativen Test unterziehen. Die Moves von Fledermausmann und Katzenweib sehen dank doppelt so vieler Bewegungsanimationen wie in Arkham Asylum derart smooth aus, dass selbst Ezio und Altaïr anerkennend nicken würden. Hier hat man bei Rocksteady schwer nachgelegt, eure Charaktere können nun mehrere Attacken gleichzeitig kontern und Items wie das explosive Gel lassen sich per Tastenkombination auch in Handgefechten benutzten. Über das XP-System schaltet ihr nach und nach neue Moves und Upgrades für eure technischen Spielereien frei, die ihr im späteren Spielverlauf bitter nötig haben werdet. Mit einem vollständig aufgelevelten Batman durch die dunklen Straßenkreuzungen zu schreiten, fühlt sich verdammt erhaben an.

Der beste Detektiv des DC-Universums

Natürlich seid ihr nicht die ganze Zeit über mit Kämpfen beschäftigt. In Passagen mit bewaffneten Gegnern sind eure Schleichfertigkeiten gefragt, damit ihr die bösen Jungs unerkannt aus dem Verkehr ziehen könnt. Wichtiges Werkzeug dafür ist der Detective Mode, den man schon aus dem Vorgänger kennt und der euch Informationen über Gegner, ihre Ausstattung und wichtige Objekte in der direkten Umgebung liefert. Da viele Zocker Arkham Asylum mit permanent aktiviertem Detective Mode durchspielten, hat man nun dessen Eigenschaften so eingeschränkt, dass ihr ihn nur kurzzeitig zum Sondieren der Lage einschalten solltet, da ansonsten Zielmarkierungen und andere Mitteilungen nicht mehr angezeigt werden. Auch bei der forensischen Arbeit kommt Bruce Waynes detektivisches Talent zum Einsatz, so scannt ihr beispielsweise einen Tatort, um von einem dortigen Einschussloch die Position des Scharfschützen zurückzuverfolgen. Zu guter Letzt hat der Riddler auch in Arkham City sein Lager aufgeschlagen und deckt euch mit Rätseln und versteckten Trophäen ein, durch die ihr Challenge Maps, Konzeptgrafiken und Sammelfiguren freischaltet. Und solltet ihr euch an einer Herausforderung die Zähne ausbeißen, so könnt ihr einen von Riddlers Handlangern verhören und die Informationen aus ihm herausquetschen, woraufhin die Lösungen auf der Übersichtskarte markiert werden.

Im Kampf gegen das Verbrechen vertraut Batman nicht nur auf Verstand und Fäuste, sondern führt wieder ein beeindruckendes Arsenal an Gerätschaften mit sich herum. Zu Spielbeginn hat der dunkle Rächer einen großzügigen Anteil seines Equipments aus Arkham Asylum bei sich, welches zum Teil mit neuen Funktionen ausgestattet wurde. So lassen sich mit der Batclaw nun Gegner entwaffnen und ihr könnt mit dem Cryptographic Sequencer Radiosignale empfangen und zurückverfolgen. Hinzu kommen neue Gadgets wie die Rauchbomben, mit denen ihr vor bewaffneten Schergen fliehen könnt und Frostbomben, die wie ein umgekehrter Molotov-Cocktail funktionieren. Es ist bemerkenswert, wie gut diese Neuerungen ineinander greifen und das im ersten Teil etablierte Gameplay sinnvoll erweitern, ein überlegter Umgang mit eurer Ausrüstung ist für euer Vorankommen notwendig. Backtracking steht auch wieder an, die meisten Locations werdet ihr mehrmals besuchen und dank neu erworbener Upgrades weiter erkunden können. Oftmals erreicht ihr eine ehemalige Sackgasse und denkt euch:"Moment, hier könnte ich doch…"

Präsentationstechnische Punktlandung

Grafisch ist Batman: Arkham City dank Unreal 3-Engine ein wahrer Augenschmaus, minimal getrübt wird dieser Eindruck nur von gelegentlich unschönen Texturen und ein paar schlecht ausgeleuchteten Ecken. Die packende Story, die zum Großteil von Emmy-Preisträger Paul Dini stammt, wird mit erstklassigen Zwischensequenzen in Szene gesetzt und fesselt euch von Anfang bis Ende ans Pad. Nahezu alles, was in Gotham City Rang und Namen hat, wurde in die Handlung eingeflochten und auch in den Subplots der Nebenmissionen kommen zahlreiche bekannte Gesichter vor, die euren Weg kreuzen werden. Getragen wird die Geschichte von einer guten deutschen Sprachausgabe, die jedoch der ebenfalls auf der Disc enthaltenen englischen Synchro nicht das Wasser reichen kann. Besonders dabei hervorzuheben ist Mark Hamill, der mit dem Joker eine atemberaubende Performance darbietet. Nie hat sich der Clownprinz des Verbrechens besser angehört, ihn und Batmans ebenso talentierten Sprecher, Kevin Conroy, kennt man noch aus den Batman-Cartoons der 90er. Selbst eine Gruppe Handlanger von einem Dach aus zu belauschen ist sehr stimmig.

Zusammenfassend darf man sagen, dass die Rocksteady Studios mit ihrem Werk zufrieden sein können. Plot und Präsentation sind sehr ansprechend und der Ausbau der Sandbox-Elemente hat sich bezahlt gemacht. Das Gameplay ist abwechslungsreich und man hat genau dort angesetzt, wo der Vorgänger aufhörte. Die Kampagne beschäftigt euch inklusive des Catwoman-DLCs etwa zehn bis elf Stunden, nehmt ihr noch die Nebenmissionen, Riddler-Herausforderungen und alle restlichen Geheimnisse hinzu, seid ihr bei locker 25 Stunden. Batman: Arkham City bietet sehr viel qualitativ hochwertiges Spiel fürs Geld, vor allem wenn man bedenkt, dass man bis vor wenigen Jahren um Titel aus dieser Sparte einen großen Bogen machen musste. Es ist wahr, dass der Überraschungseffekt von Batman: Arkham Asylum gänzlich verschwunden ist. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass wir es hier mit dem eindeutig besten Lizenspiel zu tun haben, das zur Zeit auf dem Markt erhältlich ist.

92
Batman: Arkham City im Test

Fazit und Wertung von Yannick Arnon

Fazit:

Zwar weist das Batsignal unmissverständlich in die andere Richtung, trotzdem ist mein Erkundungsdrang größer als das Bedürfnis der aktuellen Mission zu folgen. Zu viele Geheimnisse gibt es zu entdecken, zu viele Details und Anspielungen auf das Batman-Universum und vor allem zu viele Gelegenheiten sich mit den beiden Protagonisten in der Stadt auszutoben. Man muss kein großer Freund des DC-Superhelden sein, um mit diesem Spiel seinen Spaß zu haben. Technik und Gameplay sind auf dem höchsten Niveau, Umfang und spielerische Abwechslung werden ebenso geboten. Das Ziel eines Superheldentitels sollte es nun einmal sein, dem Spieler das Gefühl zu vermitteln, dass man sich in der Haut dieses Helden befindet. Und die Rocksteady Studios haben in dieser Hinsicht derart exzellente Arbeit verrichtet, dass man dieses Gefühl beim Spielen in drei Wörtern zusammenfassen kann: Ich bin Batman.

Pro

+frei begehbare Stadt mit vielen Geheimnissen zu erkunden
+starker, packender Plot mit überraschenden Wendungen
+viele Boni zum Freischalten
+zwei spielbare Charaktere
+unvergleichliches Batman-Feeling
+tadellose Technik
+gute Synchro (deutsch und englisch)
+abwechslungsreiches Gameplay

Contra

-an einigen Stellen zu dunkel
-manche Texturen sehen aus der Nähe verwaschen aus
-Catwoman-Inhalte nur als DLC, den Gebrauchtkäufer neu erwerben müssen

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