Unter dem Namen „Cyberleek“ wurden in den vergangenen Tagen zahlreiche mutmaßliche Gameplay-Videos, Kartenausschnitte und eine Zwischensequenz aus „GTA 6“ verbreitet. Wer das Material ursprünglich beschafft hat, ist allerdings weiterhin vollkommen unklar.
Bei Cyberleek handelt es sich bislang lediglich um eine Bezeichnung. Weder eine Person noch eine Gruppe konnte öffentlich zweifelsfrei mit den Leaks in Verbindung gebracht werden. Ebenso wenig ist bekannt, wie das Material erlangt wurde.
Auch eine Verbindung zum großen Hackerangriff auf Rockstar Games im September 2022 ist nicht belegt. Damals bestätigte das Unternehmen offiziell einen Einbruch in seine Netzwerke. Für den aktuellen Vorfall liegt keine vergleichbare Erklärung vor.
Mehrere Konten geben sich als Cyberleek aus
Zusätzliche Verwirrung verursachen mehrere X-Konten, die behaupten, Cyberleek zu repräsentieren. Darunter befinden sich die Profile „MrCyberLeek“ und „cyberleek_ar_io“. Letzteres bezeichnet sich inzwischen als „MrCyberLeek V2“.
An der Echtheit dieser Konten bestehen jedoch erhebliche Zweifel. Wie Dexerto berichtet, soll eines der Profile zwischenzeitlich KI-generierte Bilder als neues Material ausgegeben und später wieder gelöscht haben.
In einem weiteren Video war zudem ein Wasserzeichen mit der Aussage zu sehen, dass Cyberleek keinen Account auf X besitze. Selbst ein Profil mit mehr als 100.000 Followern muss daher nicht der ursprünglichen Quelle gehören.
Das ist eine wichtige Unterscheidung: Ein Nutzer kann echtes Material erneut veröffentlichen, ohne es selbst beschafft zu haben. Copyright-Beschwerden gegen einzelne Videos sagen ebenfalls nichts darüber aus, ob das verbreitende Konto tatsächlich hinter dem ursprünglichen Leak steht.
Cyberleek präsentiert ein Manifest
Die Person oder Gruppe hinter der Bezeichnung erklärt die Veröffentlichung mit einem angeblichen Einsatz für Verbraucherrechte. In einem „Cyberleek Edict“ genannten Manifest werden drei zentrale Forderungen gestellt:
- keine Vorbestellungen rein digitaler Spiele
- keine kostenpflichtigen Freischaltungen bereits vorhandener Einzelspieler-Inhalte
- ein Offline-Modus, sobald die Serverunterstützung für Einzelspieler-Inhalte endet
Als negatives Beispiel wird „The Crew“ genannt. Ubisoft schaltete die Server des Rennspiels im März 2024 ab, wodurch es auch für Besitzer nicht mehr spielbar war.
Cyberleek fordert von betroffenen Publishern öffentliche Entschuldigungen und konkrete Änderungen. Andernfalls sollen weitere Leaks folgen. Ob die Verantwortlichen tatsächlich über zusätzliches Material verfügen, lässt sich nicht überprüfen.
Für die Behauptung, dass die kostenpflichtigen Extras von „GTA 6“ lediglich bereits im Hauptspiel enthaltene Inhalte freischalten, gibt es ebenfalls keine öffentlich bekannten Belege.
GTA-6-Leaks werden zur Werbung für einen Memecoin
Besonders kritisch ist die Verbindung zu einer Kryptowährung. Parallel zu den GTA-6-Aufnahmen wirbt Cyberleek für den Solana-Memecoin „CYBERLEEK“. Die entsprechenden Links und QR-Codes wurden direkt an das geleakte Material angehängt.
Der Token existiert tatsächlich und wurde bereits vor der ersten großen Veröffentlichungswelle gehandelt. Das beweist jedoch weder die Identität der Betreiber noch ihre Verbindung zur ursprünglichen Quelle der GTA-6-Dateien.
Cyberleek behauptet, mit den Einnahmen Infrastruktur, Schutzmaßnahmen und ein geheimes Projekt zu finanzieren. Wer die Gelder kontrolliert, wie sie eingesetzt werden und worin das Projekt besteht, wird nicht offengelegt.
Damit liegt zumindest der Verdacht nahe, dass die enorme Aufmerksamkeit rund um „GTA 6“ gezielt zur Bewerbung eines hochspekulativen Memecoins verwendet wird. Ein Beleg für einen Betrug liegt bislang nicht vor. Aufgrund der anonymen Verantwortlichen, der fehlenden Transparenz und der ungeklärten Herkunft des Materials ist jedoch äußerste Vorsicht angebracht.
Stop Killing Games distanziert sich deutlich
Auch die Initiative „Stop Killing Games“ möchte mit der Aktion nichts zu tun haben. Zwar überschneiden sich einzelne Forderungen des Manifests mit den Zielen der Bewegung, die Verantwortlichen lehnen illegale Veröffentlichungen und deren Monetarisierung jedoch ausdrücklich ab.
In einer von PC Gamer aufgegriffenen Stellungnahme fordert die Initiative dazu auf, den Beteiligten kein Geld zu schicken. Illegale Methoden würden nicht zum Erhalt gekaufter Spiele beitragen, sondern vor allem den beteiligten Entwicklern schaden.
Unterm Strich bleibt Cyberleek eine nicht verifizierte Marke. Es ist derzeit unbekannt, ob dahinter eine Einzelperson, eine Gruppe oder mehrere voneinander unabhängige Trittbrettfahrer stehen. Selbst wenn Teile des verbreiteten Materials authentisch sind, bestätigt das weder die Identität der angeblichen Leaker noch das behauptete politische Motiv.
Wir raten deshalb ausdrücklich davon ab, verlinkte QR-Codes aufzurufen, eine Wallet mit entsprechenden Webseiten zu verbinden oder den Memecoin aufgrund der GTA-6-Leaks zu kaufen.

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