GTA 6 soll am 19. November 2026 erscheinen und dürfte zu den größten Spieleveröffentlichungen aller Zeiten gehören. Während Fans über Trailer, Karten und Gameplay-Features diskutieren, wird hinter den Kulissen jedoch über eine ganz andere Zukunft verhandelt.
Die Rockstar Games Workers Union hat sich erstmals mit dem Management von Rockstar Games getroffen. Nach den schweren Vorwürfen der vergangenen Monate könnte damit zumindest eine vorsichtige Annäherung begonnen haben.
Von einer Einigung sind beide Seiten allerdings noch weit entfernt. Rockstar hat die Gewerkschaft bislang nicht offiziell anerkannt.
Rockstar und die Gewerkschaft saßen erstmals an einem Tisch
Die britischen Rockstar-Mitarbeiter beantragten Ende Juni die freiwillige Anerkennung ihrer Gewerkschaft. Dadurch würde die Interessenvertretung das Recht erhalten, im Namen ihrer Mitglieder formell über Arbeitsbedingungen, Gehälter und weitere betriebliche Fragen zu verhandeln.
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Rockstar stimmte der Anerkennung nicht unmittelbar zu, erklärte sich jedoch zu Gesprächen bereit. Das erste Treffen hat inzwischen stattgefunden.
Die Rockstar Games Workers Union bezeichnete den Austausch als einen „Schritt in die richtige Richtung“. Man habe deutlich machen können, warum die Stimmen der Beschäftigten gehört werden müssten und eine Zusammenarbeit beiden Seiten helfen könne.
Als konkretes Ergebnis sei ein Fahrplan für einen schnellen Verhandlungsprozess vereinbart worden.
„Wir konnten darlegen, dass die Stimmen der Beschäftigten gehört werden müssen und dass wir zusammenarbeiten können, um dies zu erreichen.“
Die zurückhaltende Formulierung ist wichtig: Rockstar hat die Gewerkschaft durch das Gespräch noch nicht offiziell anerkannt. Das Treffen eröffnet zunächst lediglich den Weg zu weiteren Verhandlungen.
Diese fünf Forderungen stellen die GTA-6-Entwickler
Die Gewerkschaft hat zugleich deutlich gemacht, welche Veränderungen sie bei Rockstar erreichen möchte. Im Mittelpunkt stehen fünf Forderungen:
- Überstunden sollen grundsätzlich bezahlt werden und Crunch möglichst verhindert werden.
- Gehälter und Vergütungsstrukturen sollen transparenter werden.
- Beschäftigte sollen flexiblere Arbeitsmodelle nutzen können.
- Rockstar soll sich verpflichten, keine Mitarbeiter zu entlassen.
- Arbeitsplätze sollen nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden.
Besonders weitreichend sind die geforderte Zusage gegen Entlassungen und der Schutz vor einer Ersetzung durch KI. Beide Themen beschäftigen derzeit die gesamte Spieleindustrie.
Allein 2026 sollen branchenweit bereits Tausende Arbeitsplätze abgebaut worden sein. Gleichzeitig investieren zahlreiche Publisher und Entwickler verstärkt in generative KI, ohne dass die langfristigen Auswirkungen auf bestehende Tätigkeiten absehbar sind.
Die Rockstar-Gewerkschaft verlangt deshalb nicht nur Regeln für die Fertigstellung von GTA 6, sondern langfristige Sicherheiten für die Zeit nach dem Release.
Crunch soll bei Rockstar sogar in den Verträgen stecken
Ein besonders wichtiger Streitpunkt bleibt der sogenannte Crunch. Damit werden Phasen bezeichnet, in denen Entwickler vor wichtigen Meilensteinen oder einer Veröffentlichung über längere Zeit erheblich mehr arbeiten.
Rockstar stand bereits während der Entwicklung von Red Dead Redemption 2 wegen seiner Arbeitskultur in der Kritik. Studio-Mitgründer Dan Houser erklärte damals unter anderem, dass einige leitende Autoren zeitweise 100-Stunden-Wochen absolviert hätten. Rockstar betonte später, diese Angabe habe sich auf ein kleines Senior-Team und einen begrenzten Zeitraum bezogen.
Nach Angaben eines anonymen Mitarbeiters soll Mehrarbeit im Unternehmen jedoch weiterhin so verbreitet sein, dass Arbeitsverträge standardmäßig eine Ausnahme von den britischen Working Time Regulations enthalten.
Diese Regelungen begrenzen die durchschnittliche Wochenarbeitszeit grundsätzlich auf 48 Stunden. Arbeitnehmer können einer Ausnahme zustimmen, besitzen allerdings auch das Recht, diese Zustimmung wieder zurückzunehmen.
Die Gewerkschaft fordert deshalb nicht nur die Bezahlung sämtlicher Überstunden. Sie möchte bereits vorher einen wirksameren Prozess etablieren, damit extreme Arbeitsphasen nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen.
Jetzt muss geklärt werden, wen die Gewerkschaft vertreten darf
Der nächste Verhandlungspunkt ist die sogenannte Bargaining Unit. Damit wird festgelegt, welche Mitarbeiter und Tätigkeitsbereiche von der Gewerkschaft vertreten werden.
Diese Abgrenzung ist entscheidend. Erst anschließend lässt sich verbindlich vereinbaren, über welche Themen die Interessenvertretung mit Rockstar verhandeln darf.
Die Rockstar Games Workers Union bezeichnet sich bereits als größte Gewerkschaft innerhalb eines einzelnen europäischen Spieleentwicklers. Genaue Mitgliederzahlen wurden bislang allerdings nicht veröffentlicht.
Organisiert sind Mitarbeiter an verschiedenen britischen Rockstar-Standorten, darunter Edinburgh, Dundee, Lincoln, Leeds und London.
Kommt eine freiwillige Anerkennung zustande, könnten Rockstar und die Gewerkschaft vergleichsweise frei bestimmen, welche Arbeitsbedingungen Gegenstand künftiger Verhandlungen werden. Scheitern die Gespräche, bleibt der Gewerkschaft ein gesetzliches Anerkennungsverfahren.
Dabei könnte eine unabhängige britische Stelle Rockstar zur Anerkennung verpflichten, sofern die Gewerkschaft nachweisen kann, einen ausreichenden Teil der betroffenen Belegschaft zu vertreten.
Der Streit um 31 Entlassungen ist damit nicht beendet
Das neue Gespräch darf nicht mit einer Einigung im bereits laufenden Arbeitsrechtsstreit verwechselt werden.
Rockstar entließ im Oktober 2025 insgesamt 31 Gewerkschaftsmitglieder in Großbritannien. Die Independent Workers’ Union of Great Britain wirft dem Unternehmen vor, gezielt gegen gewerkschaftliche Organisation vorgegangen zu sein.
Rockstar weist diesen Vorwurf zurück. Nach Darstellung des Unternehmens wurden die Mitarbeiter entlassen, weil sie vertrauliche Informationen in einem öffentlichen Forum verbreitet und diskutiert hätten. Die Kündigungen hätten nichts mit dem Recht der Beschäftigten auf eine gewerkschaftliche Organisation zu tun gehabt.
Die Gewerkschaft bestreitet diese Darstellung und erklärt, die Kommunikation habe in einem privaten, rechtlich geschützten Gewerkschaftskanal stattgefunden.
Ein Arbeitsgericht muss über die Vorwürfe entscheiden. Die finale Anhörung soll vom 10. September bis zum 15. Oktober 2026 stattfinden – und damit nur wenige Wochen vor dem geplanten Release von GTA 6.
Rockstar musste im Juni bereits eine juristische Niederlage hinnehmen. Der Versuch, bestimmte Vorwürfe rund um eine mögliche schwarze Liste aus dem Verfahren entfernen zu lassen, scheiterte. Das Gericht entschied damit noch nicht über die Schuldfrage, ließ die entsprechenden Anschuldigungen aber für das Hauptverfahren zu.
Das erste Gespräch ist noch keine Anerkennung
Dass sich das Rockstar-Management mit den Vertretern der Beschäftigten getroffen hat, ist nach den monatelangen öffentlichen Auseinandersetzungen ein bemerkenswerter Schritt. Eine freiwillige Anerkennung oder konkrete Zusagen zu den fünf Forderungen gibt es aber noch nicht.
Unbekannt ist außerdem, welche Vertreter an dem Gespräch teilnahmen, wann die nächste Verhandlungsrunde stattfindet und wie Rockstar auf die einzelnen Forderungen reagiert hat. Das Unternehmen veröffentlichte bislang keine eigene Stellungnahme zum Ergebnis des Treffens.
Der von der Gewerkschaft angekündigte Fahrplan könnte die Gespräche nun beschleunigen. Ob Rockstar tatsächlich einem Schutz vor Crunch, Entlassungen und der Ersetzung von Arbeitsplätzen durch KI zustimmt, bleibt abzuwarten.
Damit steht GTA 6 wenige Monate vor seiner Veröffentlichung für zwei sehr unterschiedliche Geschichten: Auf der einen Seite entsteht das wahrscheinlich erfolgreichste Spiel des Jahres. Auf der anderen Seite kämpfen die Menschen dahinter darum, welchen Preis sie für diesen Erfolg bezahlen müssen.
GTA 6 erscheint am 19. November 2026 für PS5 und Xbox Series X/S. Eine PC-Version wurde bislang nicht offiziell angekündigt.
Wie bewertet ihr die Forderungen der Rockstar-Mitarbeiter? Sollte sich das Unternehmen zu bezahlten Überstunden, einem Verzicht auf Entlassungen und dem Schutz vor KI-Ersetzungen verpflichten? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare.





