Artikel

GAME hinterlässt Schuldenberg von 16 Millionen Pfund – Bericht erklärt den Absturz

Der traditionsreiche britische Spielehändler GAME ging offenbar mit offenen Verbindlichkeiten von knapp 15,8 Millionen Pfund in die Insolvenzverwaltung. Ein neuer Bericht der zuständigen Verwalter zeichnet nun nach, wie der frühere Platzhirsch über viele Jahre immer stärker unter Druck geriet.

Als zentrale Ursachen werden der Wechsel von physischen Spielen zu Downloads, zunehmende Konkurrenz, veränderte Kaufgewohnheiten und wirtschaftliche Unsicherheit infolge des Brexits genannt.

Die Insolvenz betrifft dabei die bisherige Betreibergesellschaft Game Retail Limited. Die Marke GAME verschwindet nicht vollständig: Der Onlineshop sowie Verkaufsflächen innerhalb von Sports Direct und anderen Geschäften der Frasers Group werden weitergeführt.

GAME konnte seine Schulden nicht mehr bedienen

Game Retail Limited geriet Anfang 2026 unter Gläubigerschutz und wurde anschließend in die Insolvenzverwaltung überführt. Zu diesem Zeitpunkt waren laut dem nun bekannt gewordenen Verwalterbericht rund 15,8 Millionen Pfund an Verpflichtungen offen.

Magischen Merch entdecken! ✨

Zauberstäbe, Deko & Sammlerstücke – jetzt auf Zauberkram.de. 🧙‍♂️

Zum Shop

Damit endet vorerst eine lange Geschichte eigenständiger GAME-Filialen in britischen Innenstädten. Die letzten drei klassischen Standorte in Dudley, Lancaster und Sutton sollten im Frühjahr 2026 schließen. Bereits zuvor hatte das Unternehmen sein Filialnetz über Jahre stark verkleinert.

GAME war schon einmal im Jahr 2012 insolvent. Damals verfügte die Kette noch über Hunderte Filialen und wurde kurz darauf gerettet. 2019 übernahm die Frasers Group den Händler für rund 52 Millionen Pfund.

Absturz begann bereits vor zehn Jahren

Die aktuellen Schwierigkeiten kamen nicht plötzlich. Bereits 2016 soll der Gewinn um 71 Prozent eingebrochen sein. Im darauffolgenden Jahr schrieb das Unternehmen einen Verlust von etwa 7,1 Millionen Pfund. Die Lage verschärfte sich in den folgenden Jahren weiter.

Die Verwalter führen mehrere Entwicklungen an:

  • Kunden kaufen Spiele zunehmend digital.
  • Abonnements ersetzen einzelne Käufe.
  • Onlinehändler sorgen für starken Preisdruck.
  • Klassische Spieleläden verlieren Laufkundschaft.
  • Wirtschaftliche Unsicherheiten belasteten den britischen Handel.
  • Große neue Hardware-Generationen erscheinen nur in langen Abständen.

Gerade der Rückgang physischer Spiele ist gut dokumentiert. Im britischen Markt brachen die Verkäufe verpackter Spiele 2024 um 35 Prozent ein. Physische Neuveröffentlichungen machten nur noch etwa 10,4 Prozent der entsprechenden Spieleverkäufe aus.

Selbst das wichtige Weihnachtsgeschäft enttäuschte

Besonders problematisch war offenbar das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte 2025.

Die Monate vor Weihnachten gehören traditionell zu den wichtigsten Zeiträumen für Spielehändler. Doch selbst dort konnte GAME nicht mehr ausreichend von Hardware, neuen Veröffentlichungen und Geschenkekäufen profitieren.

Hinzu kam, dass GAME sein klassisches Profil bereits zuvor aufgeweicht hatte. In vielen Filialen nahmen Spielzeug, Sammelfiguren und Merchandise immer mehr Raum ein, während das Sortiment physischer Spiele kleiner wurde.

Auch zentrale Dienstleistungen wurden gestrichen. 2024 beendete GAME den Ankauf gebrauchter Spiele und stellte sein Bonusprogramm ein. Damit verschwanden gleich zwei Gründe, regelmäßig eine Filiale aufzusuchen.

Welche Rolle spielte der Brexit?

Im Bericht wird auch die „mit dem Brexit verbundene Unsicherheit“ als Belastungsfaktor genannt.

Damit ist allerdings nicht gemeint, dass der EU-Austritt allein für die Insolvenz verantwortlich war. Vielmehr verschärften höhere Kosten, schwächere Investitionen und eine angespannte Konsumstimmung offenbar die ohnehin bestehenden strukturellen Probleme des Händlers.

Der Kern des Absturzes bleibt der Wandel des Spielemarktes: Wer Games direkt über den PlayStation Store, den Microsoft Store, Nintendo eShop, Steam oder ein Abo bezieht, braucht keine klassische Filiale mehr.

Die Marke GAME bleibt vorerst bestehen

Ganz verschwunden ist GAME trotz der Insolvenz nicht.

Die Frasers Group betreibt die Marke weiterhin:

  • über den britischen Onlineshop
  • als Verkaufsflächen in Sports-Direct-Filialen
  • in ausgewählten Häusern von Frasers und House of Fraser
  • über das davon getrennte Geschäft in Spanien

Der eigenständige Gaming-Händler, wie ihn viele britische Spieler aus Innenstädten und Einkaufszentren kannten, ist damit jedoch praktisch Geschichte.

Ein Symbol für das Sterben klassischer Spieleläden

GAME scheiterte nicht daran, dass sich niemand mehr für Videospiele interessiert. Der britische Spielemarkt bleibt milliardenschwer.

Verändert hat sich vielmehr, wo und wie das Geld ausgegeben wird. Downloads, In-Game-Käufe, Abonnements und Mobile Games dominieren zunehmend, während der Verkauf einzelner Boxversionen schrumpft.

Für unabhängige Fachhändler und große Ketten wird es dadurch immer schwerer, teure Innenstadtflächen allein mit Spielen, Konsolen und Zubehör profitabel zu betreiben.

GAME bleibt zwar als Name bestehen. Der Verwalterbericht liest sich dennoch wie der endgültige Nachruf auf eine Form des Spielehandels, die über Jahrzehnte zum Stadtbild gehörte.

B.J. Blazko

B.J. ist der glorreiche Bastard unter den Gaming-Redakteuren. Wenn er nicht gerade in alte Verliese oder Burgen einbricht, um fragwürdige Zeitgenossen um ihre Habe zu erleichtern, zockt er gemütlich mit seiner Familie eine Runde auf der Couch. Ein Cup in Mario Kart, Luigis Mansion und manchmal sogar Animal Crossing.
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Neueste
Älteste Am meisten gewählt
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"