RE-CURVE-Rückenlehne mit integrierter Lordosenstütze
Die hohe RE-CURVE-Rückenlehne folgt der natürlichen Form von Rücken, Nacken und Kopf. Anders als bei vielen Bürostühlen endet die Unterstützung nicht bereits im mittleren Rückenbereich.
Eine separate, deutlich hervortretende Lordosenstütze gibt es nicht. Stattdessen ist die Unterstützung für den unteren Rücken in die Form und innere Konstruktion der Lehne integriert. Secretlab kombiniert dafür Schaumstoff mit einer flexiblen Federstruktur, die sich bei Bewegungen leicht anpassen soll.
In der Praxis fühlt sich die Unterstützung angenehm gleichmäßig an. Ich hatte nicht das Gefühl, dass mich ein einzelnes Element unangenehm in den Rücken drückt. Die Lehne bietet spürbaren Halt, ohne mich starr in einer bestimmten Haltung zu fixieren.

Allerdings lässt sich die Lordosenstütze nicht individuell in Höhe oder Intensität einstellen. Ob die Form zum eigenen Rücken passt, hängt deshalb stärker von Körpergröße und Proportionen ab. Bei mir (171 cm) funktioniert die kleinere Regular-Version sehr gut. Wer zwischen beiden Größen liegt, sollte nach Möglichkeit probesitzen oder, wie von Secretlab empfohlen, zur größeren Variante greifen.
Sitztiefe und Sitzhöhe richtig einstellen
Neben der üblichen Höhenverstellung lässt sich beim ATLAS auch die Sitztiefe verändern. Die Sitzfläche kann nach vorne oder hinten geschoben und dadurch an die Länge der Oberschenkel angepasst werden.
Das ist gerade bei einem körpernah geformten Stuhl wichtig. Zwischen der Vorderkante der Sitzfläche und den Kniekehlen sollten ungefähr fünf Zentimeter Platz bleiben. Ist der Abstand zu klein, kann die Kante Druck auf die Unterseite der Oberschenkel ausüben. Ist die Sitzfläche zu kurz, fehlt hingegen Unterstützung.

Auch die vergleichsweise niedrige Sitzposition kam mir entgegen. Ich bin etwas kleiner und kann meine Füße in der Regular-Version problemlos flach auf dem Boden abstellen. Meine Knie befinden sich dadurch ungefähr auf Höhe der Hüfte, ohne dass die Beine in der Luft hängen.
Sehr große Nutzer sollten diesen Punkt allerdings berücksichtigen. Der ATLAS ist bewusst niedriger ausgelegt und selbst die Large-Variante ist körpernäher gestaltet als ein ausladender Secretlab TITAN Evo.

Armlehnen: Weich, stabil und sinnvoll verstellbar
Die Armlehnen gehören ebenfalls zu den Stärken des Stuhls. Sie sind angenehm weich gepolstert und bieten den Unterarmen genügend Fläche, ohne klobig zu wirken.
Verstellen lassen sie sich in der Höhe, nach vorne beziehungsweise hinten und im Winkel nach innen oder außen. Damit konnte ich sie gut an meine Schreibtischhöhe und meine bevorzugte Armhaltung anpassen.
Alle Mechanismen funktionierten im Test sauber und kontrolliert. Die Armlehnen lassen sich leicht verstellen, wirken im Alltag aber nicht locker oder instabil. Gerade bei langen Arbeitstagen ist die Polsterung ein echter Vorteil, da keine harten Kanten gegen Ellenbogen oder Unterarme drücken.

Synchronmechanik für Arbeit und kurze Pausen
Beim ATLAS lassen sich Rückenlehne und Sitzfläche nicht völlig unabhängig voneinander neigen. Stattdessen kommt eine Synchronmechanik zum Einsatz: Für jeweils zwei Grad, um die sich die Rückenlehne nach hinten bewegt, neigt sich die Sitzfläche ungefähr um ein Grad mit.
Dadurch öffnet sich der Winkel zwischen Oberkörper und Hüfte, während die Füße vergleichsweise leicht auf dem Boden bleiben. Das fühlt sich natürlicher an als eine Rückenlehne, die einfach isoliert nach hinten kippt.
Insgesamt stehen vier feste Winkel zur Verfügung:
- 100 Grad
- 107 Grad
- 113 Grad
- 120 Grad
Zusätzlich lässt sich der Widerstand in vier Stufen an das eigene Körpergewicht anpassen. Bei meinem Gewicht von rund 86 bis 87 Kilogramm passt die höchste Stufe zur Empfehlung des Herstellers.
Für konzentriertes Arbeiten nutze ich überwiegend eine aufrechte Position. Beim Lesen, Nachdenken oder für eine kurze Pause entriegle ich die Mechanik und lehne mich zurück. Sämtliche Hebel und Einstellräder funktionieren zuverlässig und vermitteln einen hochwertigen Eindruck.
Eine nahezu liegende Position wie beim TITAN Evo bietet der ATLAS allerdings nicht. Bei 120 Grad ist Schluss. Das passt zur Ausrichtung als Arbeitsstuhl, könnte für Nutzer, die sich beim Spielen gerne sehr weit zurücklehnen, aber ein Nachteil sein.
Der Secretlab ATLAS im Arbeitsalltag
Ein Stuhl kann beim ersten Probesitzen bequem wirken und nach mehreren Stunden trotzdem nerven. Deshalb ist für mich weniger entscheidend, wie sich ein Modell in den ersten fünf Minuten anfühlt, sondern wie ich nach einem vollständigen Arbeitstag wieder aufstehe.
In den vergangenen Wochen habe ich auf dem ATLAS zahlreiche lange Tage verbracht. Teilweise saß ich – mit den notwendigen kleineren Pausen – bis zu zwölf Stunden darauf. Dabei habe ich geschrieben, recherchiert, Bilder bearbeitet und gespielt.

Die zunächst ungewohnt feste Polsterung wurde dabei zunehmend zu einem Vorteil. Ich sitze stabil, kann mich aber weiterhin bewegen und verschiedene Positionen einnehmen. Rückenlehne, Kopfkissen und Armauflagen unterstützen mich, ohne dass ich mich in den Stuhl hineingedrückt oder festgeklemmt fühle.
Natürlich macht der ATLAS zwölf Stunden Sitzen nicht gesund. Auch mit einem ergonomischen Stuhl sollte niemand über einen derart langen Zeitraum unbewegt am Schreibtisch bleiben. Kleine Pausen, regelmäßiges Aufstehen und Bewegung bleiben unverzichtbar.
Innerhalb dieses realistischen Rahmens hat sich der ATLAS aber hervorragend geschlagen. Nach mehreren Wochen habe ich keine störenden Geräusche, lockeren Teile oder nachlassenden Mechanismen festgestellt. Zum Glück nicht auch an mir selbst!
Für wen lohnt sich der Secretlab ATLAS?
Mit einem Einstiegspreis von 499 Euro gehört der ATLAS eindeutig zur Premiumklasse. Die hochwertigeren Ausführungen mit NanoFoam-Verbund beginnen sogar bei 699 Euro.
Interessant ist der Stuhl vor allem für:
- Selbstständige und Homeoffice-Nutzer mit langen Arbeitstagen
- Creator, Redakteure und Streamer
- Spieler, die Büro- und Gaming-Stuhl miteinander verbinden möchten
- Nutzer, die einen festen, stützenden Sitz bevorzugen
- Menschen, denen klassische Racing-Gaming-Stühle zu wuchtig sind
- kleinere Nutzer, die bei vielen Bürostühlen Probleme mit der Sitzhöhe haben
- Käufer, die großen Wert auf Verarbeitung und einen einfachen Aufbau legen
Weniger geeignet ist er für Nutzer, die einen sehr weichen Sessel suchen oder sich beim Spielen beinahe vollständig hinlegen möchten. Auch eine individuell einstellbare Lordosenstütze bietet der ATLAS nicht.
Wer deutlich größer ist, sollte außerdem genau auf die Abmessungen und die Wahl zwischen Regular und Large achten. Der Stuhl ist bewusst körpernah geformt und besitzt eine relativ niedrige Sitzposition.

Fazit von Patrik Hasberg
Der Secretlab ATLAS hat mich bereits beim Auspacken positiv überrascht. Das gesamte Unboxing wirkt hochwertig, das mitgelieferte Werkzeug ist ordentlich und die große laminierte Anleitung erklärt jeden Schritt so verständlich, dass ich den kompletten Stuhl ohne Hilfe aufbauen konnte. Das ist mir bei vergleichbaren Gaming-Stühlen bisher nur selten so problemlos gelungen.
Auch nach dem Aufbau setzt sich dieser Eindruck fort. Verarbeitung, Einstellmechanismen, Armlehnen und Synchronmechanik wirken durchdacht und hochwertig. Besonders gut gefällt mir das magnetische Memoryschaum-Nackenkissen. Es lässt sich unkompliziert anbringen und positionieren, bleibt zuverlässig an seinem Platz und sieht deutlich eleganter aus als die üblichen Lösungen mit Gummibändern.
An die feste Polsterung musste ich mich zunächst gewöhnen. Im direkten Vergleich mit meinem bisherigen Corsair-Stuhl wirkt der ATLAS spürbar härter. Nach einigen Tagen hat sich diese Eigenschaft für mich aber nicht mehr wie ein Nachteil angefühlt. Im Gegenteil: Der Stuhl bietet auch über sehr lange Arbeitstage eine stabile und gleichmäßige Unterstützung, ohne dass ich tief einsinke.
Die Regular-Version passt sehr gut zu meiner Körpergröße. Auch der SoftWeave-Plus-Stoff in Cookies & Cream war für meinen Test bei sommerlichen Temperaturen die richtige Wahl. Er fühlt sich angenehm an und wird deutlich weniger warm als die Kunstlederbezüge vieler Gaming-Stühle.
Perfekt ist der ATLAS nicht. Der Preis von mindestens 499 Euro ist hoch, die integrierte Lordosenstütze lässt sich nicht individuell einstellen und für besonders entspanntes Gaming könnte einigen Nutzern die maximale Neigung von 120 Grad zu gering sein.
Trotzdem ist der Secretlab ATLAS nach mehreren Wochen der beste Büro- beziehungsweise Gaming-Stuhl, den ich bislang genutzt habe. Er verbindet eine hervorragende Verarbeitung mit einem ungewöhnlich einfachen Aufbau, vielen sinnvollen Einstellmöglichkeiten und einem Sitzgefühl, das sich gerade bei langen Arbeitstagen bewährt hat.
Wer täglich viele Stunden am Schreibtisch verbringt, einen festeren Sitz bevorzugt und bereit ist, entsprechend viel Geld zu investieren, bekommt mit dem ATLAS einen hervorragenden ergonomischen Bürostuhl. Mich hat er jedenfalls nicht nur beim ersten Auspacken überzeugt, sondern vor allem dort, wo es wirklich zählt: im täglichen Dauereinsatz.
✅ Pro
- Außergewöhnlich hochwertiges Auspackerlebnis
- Sehr verständliche, laminierte Montageanleitung
- Problemloser Aufbau auch ohne zweite Person
- Hochwertiges Werkzeug im Lieferumfang
- Sehr gute Verarbeitung
- Stabiler und wertiger Gesamteindruck
- Angenehmer SoftWeave-Plus-Stoffbezug
- Magnetisches Memoryschaum-Nackenkissen
- Gepolsterte und vielseitig verstellbare Armlehnen
- Verstellbare Sitztiefe
- Gut funktionierende Synchronmechanik
- Vier arretierbare Neigungswinkel
- Neigungswiderstand in vier Stufen einstellbar
- Sehr gute Unterstützung bei langen Arbeitstagen
- Zurückhaltendes Design für Büro und Gaming-Setup
- Regular-Version eignet sich gut für kleinere Nutzer
❌ Kontra
- Feste Polsterung benötigt Eingewöhnungszeit
- Lordosenstütze nicht individuell verstellbar
- Maximale Neigung von 120 Grad
- Niedrige Sitzposition könnte für sehr große Nutzer ungeeignet sein
Kurzfazit: Der Secretlab ATLAS überzeugt im Test mit hervorragender Verarbeitung, einem ungewöhnlich einfachen Solo-Aufbau und starker Unterstützung bei langen Arbeitstagen. Die feste Polsterung braucht etwas Eingewöhnung, macht den ATLAS für mich aber zum bislang besten Stuhl im Büro- und Gaming-Alltag.





