Webcams gehören inzwischen zur Standardausstattung vieler Arbeitsplätze. Wirklich gut gelöst sind Videokonferenzen deshalb aber noch lange nicht. Die Kamera sitzt meist oberhalb des Bildschirms, während der Blick auf die Gesprächspartner deutlich weiter unten fällt. Das Ergebnis: Obwohl ihr eurem Gegenüber aufmerksam zuhört, schaut ihr aus dessen Perspektive ständig an ihm vorbei.
Genau dieses Problem möchte Elgato mit dem Conferencing Kit Plus lösen. Das Komplettpaket kombiniert die Facecam MK.2 mit einem kompakten Teleprompter, einem stabilen Tischständer, einer Notebook-Halterung und einem USB-Hub. Das Videofenster erscheint dabei unmittelbar vor der Kamera, wodurch während des Gesprächs ein deutlich natürlicherer Blickkontakt entstehen soll.
Das Konzept funktioniert und kann Videokonferenzen tatsächlich persönlicher wirken lassen. Mit einem Preis von 499,99 Euro richtet sich das Conferencing Kit Plus allerdings nicht an Menschen, die lediglich gelegentlich an einem Teams-Meeting teilnehmen. Es ist ein Premiumprodukt für Selbstständige, Führungskräfte, Vertriebsteams und alle, deren beruflicher Alltag regelmäßig vor der Kamera stattfindet.
Das steckt im Elgato Conferencing Kit Plus
Elgato verkauft mit dem Conferencing Kit Plus kein vollständig neues Gerät. Stattdessen bündelt der Hersteller mehrere bereits bekannte Produkte zu einer aufeinander abgestimmten Arbeitsplatzlösung.
Zum Lieferumfang gehören:
- Elgato Prompter mit integriertem 9-Zoll-Display
- Elgato Facecam MK.2
- Wave Desk Stand
- verstellbarer Laptopständer für Geräte bis 16 Zoll
- integrierter USB-Hub
- vier Kabelbinder
- zwei USB-C-Kabel
- Schrauben und Inbusschlüssel
- Reinigungstuch
- ein Jahr Zugriff auf die komplette Airtime Suite
- dauerhafter Zugriff auf Airtime Camera
Ein Mikrofon und eine zusätzliche Beleuchtung sind nicht enthalten. Die Bezeichnung als komplette Konferenzlösung ist deshalb mit einer kleinen Einschränkung zu verstehen: Um Bild, Blickkontakt und Arbeitsplatz kümmert sich das Set ausgesprochen umfassend. Für guten Ton und eine kontrollierte Ausleuchtung müsst ihr dagegen weiterhin selbst sorgen.

Technische Daten im Überblick
- Preis: 499,99 Euro
- Kamera: Elgato Facecam MK.2
- Maximale Auflösung: 1.920 × 1.080 Pixel
- Maximale Bildrate: 60 Bilder pro Sekunde
- HDR-Unterstützung: vorhanden
- Sensor: Sony STARVIS CMOS, 1/2,5 Zoll
- Blende: f/2.4
- Brennweite: 24 Millimeter, Vollformatäquivalent
- Sichtfeld: 84 Grad
- Fokusbereich: 30 bis 120 Zentimeter
- Prompter-Display: 9 Zoll
- Auflösung des Displays: 1.024 × 600 Pixel
- Bildwiederholrate: 60 Hertz
- Helligkeit: 400 Nits
- Notebook-Kompatibilität: bis 16 Zoll
- Verbindung: USB-C, USB 3.2 Gen 2
- Betriebssysteme: Windows 11 oder neuer, macOS 13.3 oder neuer
- Unterstützte Konferenzdienste: unter anderem Zoom, Microsoft Teams, Google Meet, Webex und Slack
Aufbau: Mehr als eine Webcam auf dem Monitor
Wer bei einem Konferenz-Kit an eine Webcam mit praktischem Zubehör denkt, dürfte vom Umfang zunächst überrascht sein. Der Prompter ist deutlich größer als eine gewöhnliche Webcam und benötigt gemeinsam mit dem Wave Desk Stand entsprechend Platz auf dem Schreibtisch.
Die Facecam MK.2 sitzt hinter einem sogenannten Beamsplitter-Glas. Dieses reflektiert den Inhalt des darunterliegenden Displays, lässt die Kamera aber gleichzeitig hindurchblicken. Das Prinzip kennt man von klassischen Telepromptern aus Fernsehstudios. Elgato bringt es lediglich in ein kompakteres Format für den heimischen Arbeitsplatz.

Die Kamera ist bereits auf den Prompter abgestimmt, wodurch der grundsätzlich etwas komplizierte Teil der Montage entfällt. Prompter und Kamera werden auf dem Wave Desk Stand befestigt und anschließend auf die gewünschte Höhe gebracht. Der Notebookständer lässt sich so positionieren, dass Bildschirm, Kamera und Gesicht möglichst auf einer Linie liegen.
Der Wave Desk Stand besitzt eine beschwerte Basis und kann Geräte mit einem Gewicht von bis zu einem Kilogramm tragen. Das ist wichtig, weil Prompter und Kamera zusammen deutlich mehr Gewicht mitbringen als eine gewöhnliche Webcam. Die Konstruktion benötigt keinen fest verschraubten Monitorarm und lässt sich dadurch grundsätzlich versetzen. Kompakt oder besonders leicht ist das gesamte System allerdings nicht.
Positiv fällt das mitgelieferte Kabelmanagement auf. Die beiliegenden Kabelbinder verhindern, dass die Anschlüsse lose über den Schreibtisch hängen. Vollständig unsichtbar werden die Kabel dadurch nicht, insgesamt wirkt das Setup aber deutlich aufgeräumter als eine lose Kombination aus Webcam, zusätzlichem Display und USB-Hub.

Ein USB-C-Kabel für das gesamte Setup
Eine der wichtigsten Neuerungen des Plus-Modells ist der integrierte USB-Hub. Darüber werden die Komponenten zusammengeführt, sodass im Idealfall nur noch ein USB-C-Kabel mit dem Notebook verbunden werden muss.
Das ist besonders praktisch, wenn der Arbeitsplatz regelmäßig mit einem mobilen Rechner genutzt wird. Notebook abstellen, USB-C-Kabel anschließen und schon stehen Prompter, Kamera und Peripherie zur Verfügung. Der Hub kann außerdem bis zu 65 Watt an das angeschlossene Notebook weiterreichen.
Hier versteckt sich allerdings einer der größten Kritikpunkte des Pakets: Wer sein Notebook über den Hub mit Strom versorgen möchte, benötigt ein USB-C-Netzteil mit 100 Watt und Unterstützung für Power Delivery 3.0. Ein solches Netzteil liegt dem 500 Euro teuren Set nicht bei.

Bei einem ohnehin stationär betriebenen Notebook lässt sich das verschmerzen. Gemessen am Premiumanspruch und dem beworbenen Ein-Kabel-Konzept hätte ein passendes Netzteil jedoch zum Lieferumfang gehören dürfen. Ohne zusätzliche Stromversorgung ist die Verbindung zwar weiterhin möglich, der beworbene Komfort eines vollständig versorgten Arbeitsplatzes wird aber nicht erreicht.
Hinzu kommt, dass der Rechner zwingend einen ausreichend schnellen USB-C-Anschluss mit USB 3.2 Gen 2 besitzen muss. Vor dem Kauf sollte daher überprüft werden, welche Anschlüsse das eigene Notebook tatsächlich bereitstellt. Ein äußerlich passender USB-C-Port garantiert noch nicht automatisch die benötigte Geschwindigkeit und Stromversorgung.


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