Camera Hub bietet Kontrolle über das Bild
Über Elgatos Camera Hub lassen sich die Einstellungen der Facecam MK.2 detaillierter anpassen als über die meisten Videokonferenzprogramme. Dazu gehören unter anderem Bildausschnitt, Belichtung, Verschlusszeit, Weißabgleich, Kontrast, Sättigung und Schärfe.
Die Einstellungen können in der Kamera gespeichert werden. Dadurch müsst ihr das Bild nicht in jedem Konferenzprogramm erneut konfigurieren. Ein einmal sinnvoll eingerichtetes Profil steht anschließend auch in Zoom, Teams oder Google Meet zur Verfügung.
Das ist insbesondere dann praktisch, wenn verschiedene Anwendungen im Arbeitsalltag zum Einsatz kommen. Anstatt in jedem Programm mit unterschiedlich benannten Automatiken zu kämpfen, wird das eigentliche Kamerabild zentral vorbereitet.

Allerdings lohnt es sich, bei der Konfiguration nicht zu übertreiben. Zu viel Schärfe, überzogene Farben oder eine aggressive Belichtung lassen das Bild schnell künstlich wirken. Die besten Ergebnisse entstehen mit einer guten, möglichst weichen Lichtquelle vor dem Gesicht. Auch eine hochwertige Webcam kann eine vollständig dunkle Umgebung nicht ohne sichtbare Qualitätseinbußen retten.
Airtime Camera erweitert klassische Videokonferenzen
Neben Elgatos Camera Hub spielt Airtime eine wichtige Rolle. Das Conferencing Kit Plus enthält einen dauerhaften Zugang zu Airtime Camera sowie ein Jahr Zugriff auf die vollständige Airtime Suite mit Recorder, Stacks und Creator.
Airtime Camera verhält sich wie eine virtuelle Webcam. In Zoom, Microsoft Teams oder Google Meet wird deshalb nicht direkt die Facecam, sondern Airtime als Kamera ausgewählt. Die Software kann das Kamerabild anschließend mit verschiedenen Elementen ergänzen.
Möglich sind beispielsweise:
- eigene Hintergründe
- Namens- und Bauchbinden
- Logos und Markenfarben
- Layoutvorlagen
- visuelle Reaktionen
- vorbereitete Einblendungen
- individuelle Abwesenheitsanzeigen
Für private Gespräche sind solche Funktionen kaum relevant. Selbstständige, Agenturen und Unternehmen können damit jedoch ein einheitliches Erscheinungsbild erstellen. Insbesondere bei Präsentationen, Webinaren oder wiederkehrenden Kundenterminen wirkt eine dezent eingeblendete Namenszeile professioneller als die Standarddarstellung vieler Konferenzprogramme.
Die zusätzliche Softwareebene bedeutet aber auch mehr Komplexität. Wer lediglich ein möglichst unkompliziertes Kamerabild benötigt, kann Airtime problemlos ignorieren und die Facecam direkt auswählen. Der größte Vorteil des Conferencing Kit Plus – der natürliche Blickkontakt – funktioniert unabhängig von Overlays und Markenlayouts.
Nach dem enthaltenen Jahr bleibt Airtime Camera kostenlos nutzbar. Für die vollständige Suite werden anschließend derzeit zehn Euro monatlich bei jährlicher Abrechnung fällig. Das sollte beim Preisvergleich berücksichtigt werden, wenn Recorder, Creator und Stacks dauerhaft eingesetzt werden sollen.
Was dem 500-Euro-Paket fehlt
Elgato bezeichnet das Conferencing Kit Plus als vollständige Premiumlösung für Videokonferenzen. Beim Bild und bei der ergonomischen Anordnung ist diese Beschreibung nachvollziehbar. Beim Ton endet das Komplettpaket allerdings.
Ein Mikrofon gehört nicht zum Lieferumfang. Nutzer müssen sich mit dem integrierten Notebook-Mikrofon, einem Headset oder einer bereits vorhandenen Audiolösung behelfen. Gerade das Notebook-Mikrofon passt qualitativ kaum zum professionellen Anspruch des übrigen Sets.
Ähnlich sieht es bei der Beleuchtung aus. Die Facecam MK.2 kommt zwar auch mit weniger idealen Bedingungen zurecht, kann eine vernünftige Ausleuchtung aber nicht ersetzen. Wer das Maximum aus dem System herausholen möchte, benötigt zusätzlich eine Leuchte und je nach Raum ein separates Mikrofon.
Dadurch kann der tatsächliche Preis eines vollständigen Arbeitsplatzes schnell deutlich über 500 Euro steigen. Ein geeignetes 100-Watt-Netzteil kommt gegebenenfalls ebenfalls hinzu.
Das ist nicht grundsätzlich problematisch: Viele professionelle Anwender besitzen Mikrofon und Beleuchtung bereits. Die Produktbezeichnung erweckt allerdings den Eindruck, dass nach dem Auspacken wirklich alle Bereiche einer Videokonferenz abgedeckt sind. Das ist nicht der Fall.
Sony Alpha 6400 lässt sich nicht ohne Weiteres verwenden
Eine weitere Einschränkung zeigte sich bei meinem Versuch, die mitgelieferte Facecam MK.2 durch meine Sony Alpha 6400 zu ersetzen. Gerade für hochwertigere Aufnahmen wäre die Systemkamera mit ihrem deutlich größeren Sensor eine interessante Alternative gewesen.
Mit dem Lieferumfang des Conference Kit Plus lässt sich die Alpha 6400 allerdings nicht ohne Weiteres am Prompter befestigen. Dafür wird eine passende Backplate beziehungsweise Adapterlösung benötigt, die separat erworben werden muss. Elgato weist zwar darauf hin, dass der Prompter über zusätzlich erhältliche Backplates mit verschiedenen Kameras kompatibel ist, legt diese dem Conference Kit Plus aber nicht bei.
Das ist besonders deshalb enttäuschend, weil das rund 500 Euro teure Paket als hochwertige Komplettlösung vermarktet wird. Wer bereits eine gute Systemkamera besitzt und diese anstelle der Facecam MK.2 verwenden möchte, muss sich zunächst mit der Kompatibilität von Kamera, Objektiv und Adapter beschäftigen und anschließend weiteres Zubehör kaufen.
Für Einsteiger ist die vormontierte Facecam praktisch, weil sie sofort funktioniert. Für Anwender mit vorhandenem Kameraequipment fällt das System dagegen weniger flexibel aus, als es auf den ersten Blick wirkt. Eine universelle Kamerahalterung oder wenigstens die notwendigen Adapter für verbreitete Systemkameras hätten dem Premiumanspruch besser entsprochen.
Für wen lohnt sich das Elgato Conferencing Kit Plus?
Ob sich das Kit lohnt, hängt stark davon ab, wie häufig und in welchem Kontext Videokonferenzen stattfinden.
Für gelegentliche private Anrufe oder das wöchentliche Teammeeting ist der Preis kaum zu rechtfertigen. Eine gute Webcam kostet deutlich weniger und erfüllt hier ihren Zweck. Selbst der natürliche Blickkontakt dürfte den hohen Aufpreis für diese Nutzergruppe nicht ausgleichen.
Interessanter wird das Conferencing Kit Plus für Menschen, deren Wirkung vor der Kamera beruflich relevant ist. Dazu gehören:
- Selbstständige mit regelmäßigen Kundengesprächen
- Personen im Vertrieb oder Consulting
- Führungskräfte und Teamleitungen
- Recruiter und Coaches
- Moderatoren und Interviewer
- Content-Creator
- Lehrende und Vortragende
- Unternehmen mit wiederkehrenden Onlinepräsentationen
Je häufiger solche Gespräche stattfinden, desto größer wird der praktische Vorteil. Der Prompter verbessert nicht nur den Blickkontakt, sondern kann gleichzeitig Notizen, einen vorbereiteten Text oder Präsentationsinhalte anzeigen. Der Notebookständer und das Ein-Kabel-Konzept machen aus den einzelnen Geräten zudem einen weitgehend geschlossenen Arbeitsplatz.
Wer bereits eine Facecam MK.2, einen Prompter oder vergleichbares Zubehör besitzt, sollte vor dem Kauf genau nachrechnen. Alle Komponenten des Kits lassen sich grundsätzlich auch einzeln erwerben. Der eigentliche Mehrwert des Pakets liegt in der abgestimmten Kombination, der vergleichsweise sauberen Verkabelung und dem enthaltenen Airtime-Zugang.
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