Mit „Beast of Reincarnation“ verlässt Game Freak die vertraute Pokémon-Welt und präsentiert ein düsteres Action-Rollenspiel für PS5, Xbox Series X/S und PC. Die Fachpresse lobt vor allem das Kampfsystem und die ungewöhnliche Atmosphäre – bei Geschichte, Abwechslung und Technik gehen die Meinungen jedoch weit auseinander.
Game Freak ist seit Jahrzehnten vor allem für die Entwicklung der „Pokémon“-Reihe bekannt. Mit „Beast of Reincarnation“ wagt sich das japanische Studio nun auf weitgehend unbekanntes Terrain: Statt niedlicher Taschenmonster erwartet euch ein düsteres Action-Rollenspiel in einem postapokalyptischen Japan.
Die Erwartungen an das ungewöhnliche Projekt waren entsprechend hoch. Nach der Veröffentlichung am 4. August 2026 zeigt sich allerdings, dass Game Freak mit seinem großen Genrewechsel nicht alle Kritiker überzeugen konnte.
Auf Metacritic erreicht die PS5-Version derzeit einen Metascore von 73 Punkten auf Grundlage von 57 Tests. Damit wird das Spiel als „gemischt oder durchschnittlich“ eingestuft. Bei OpenCritic sieht es mit einem Durchschnitt von 76 Punkten etwas besser aus. Dort empfehlen aktuell 68 Prozent der erfassten Kritiker den Titel.
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Von einem vollständigen Fehlschlag kann angesichts dieser Zahlen keine Rede sein. Die teilweise stark voneinander abweichenden Wertungen zeigen jedoch, wie unterschiedlich das Abenteuer aufgenommen wird.
Kampfsystem gehört zu den größten Stärken
Weitgehend einig sind sich die Tester beim Kampfsystem. Protagonistin Emma kämpft mit Schwertern und Fernkampfwaffen, kann gegnerische Angriffe parieren und darüber hinaus ihre von Pflanzen durchzogenen Haare einsetzen.
Begleitet wird sie von dem hundeartigen Wesen Koo. Dessen Fähigkeiten lassen sich über ein Kommandomenü aktivieren, während das restliche Geschehen beinahe zum Stillstand kommt. Auf diese Weise verbindet Game Freak schnelle Echtzeitkämpfe mit taktischen Rollenspielelementen.
Mehrere Tests vergleichen das grundlegende Spielgefühl mit Titeln wie „Sekiro: Shadows Die Twice“, „Stellar Blade“ und „NieR: Automata“. Das Parieren fällt allerdings weniger erbarmungslos als in FromSoftwares Samurai-Abenteuer aus. Verschiedene Schwierigkeitsgrade sollen zudem Spielern entgegenkommen, die mit anspruchsvollen Actionspielen weniger vertraut sind.
TechRadar bezeichnet die Kämpfe als spektakulär und hebt insbesondere das Zusammenspiel zwischen Emma und Koo hervor. Auch PC Gamer lobt die größeren Begegnungen und Bosskämpfe, in denen die verschiedenen Fähigkeiten besonders gut ineinandergreifen.
Geschichte und Spielwelt spalten die Tester
Deutlich uneiniger fällt das Urteil über die Handlung aus. „Beast of Reincarnation“ spielt im Jahr 4026, rund 2.000 Jahre nach dem Zusammenbruch der bekannten Zivilisation. Eine als Verderbnis bezeichnete Plage hat Menschen, Tiere und große Teile der Natur verändert.
Die davon gezeichnete Emma soll gemeinsam mit Koo das titelgebende Biest der Wiedergeburt besiegen. Im Laufe der Reise entwickelt sich vor allem die Beziehung zwischen den beiden Figuren zum emotionalen Mittelpunkt des Abenteuers.
Während TechRadar und RPG Site die Geschichte sowie ihre melancholische Atmosphäre ausdrücklich loben, kritisieren andere Redaktionen die Erzählweise. The Verge bemängelt, dass viele Geheimnisse lange kaum erklärt würden und zahlreiche Ideen lediglich oberflächlich behandelt blieben.
GameSpot stört sich wiederum an den Dialogen und den seiner Ansicht nach wenig interessanten Nebenfiguren. Auch langgezogene Zwischensequenzen, wiederholte Hinweise während der Kämpfe und eine teilweise unnötig gestreckte Handlung werden in mehreren Tests genannt.
Zu wenig Abwechslung trotz interessanter Ansätze?
Auch beim Aufbau der Spielwelt gehen die Einschätzungen auseinander. Anders als teilweise vermutet, handelt es sich nicht um eine vollständig offene Welt. Stattdessen führt die Reise durch mehrere größere, miteinander verbundene Gebiete.
Einige Kritiker loben die verwachsenen Ruinen, die versteckten Geheimnisse und das ungewöhnliche Zusammenspiel aus Natur, Science-Fiction und japanischer Mythologie. Andere empfinden die Abschnitte als zu geradlinig oder wenig abwechslungsreich.
Zu den häufiger genannten Kritikpunkten gehören:
- eine begrenzte Vielfalt gewöhnlicher Gegner
- wiederverwendete Bosse und Angriffsmuster
- einfache Plattformpassagen
- wenig bedeutungsvolle Nebenmechaniken
- fehlende optische Anpassungsmöglichkeiten
- stark erkennbare Vorbilder und wenige wirklich neue Ideen
Besonders The Verge wirft dem Spiel vor, sich zu deutlich an bekannten Werken wie „NieR: Automata“, „Monster Hunter“ und „Death Stranding“ zu orientieren, ohne deren Ideen ausreichend weiterzuentwickeln.
Technische Probleme vor allem auf schwächeren PCs
Auch technisch präsentiert sich „Beast of Reincarnation“ offenbar nicht überall einwandfrei. PC Gamer berichtet auf einem System mit einer RTX 3060 Laptop-GPU von häufigen Einbrüchen unter 60 Bilder pro Sekunde – selbst mit reduzierten Einstellungen und aktiviertem FSR 3.
Auf deutlich leistungsfähigerer Hardware fällt die Bilanz besser aus. TechRadar erreichte mit einer RTX 4080 Super in 4K meist zwischen 75 und 90 Bilder pro Sekunde. Gelegentliche Einbrüche traten vor allem bei größeren Gegnergruppen auf.
Kritisiert werden auf dem PC außerdem die fehlende Unterstützung für Ultrawide-Monitore, eingeschränkte Grafikoptionen und eine wenig komfortable Bedienung der Menüs mit der Maus. Auf mobilen PCs bereitet die Performance ebenfalls Probleme.
Die Behauptung, die PC- und Xbox-Fassungen seien zeitweise grundsätzlich „unspielbar“, lässt sich anhand der bislang vorliegenden Tests allerdings nicht seriös verallgemeinern. Belastbar sind vor allem schwankende Bildraten, kleinere Fehler und eine insgesamt noch ausbaufähige Optimierung.
Die Wertungen zu Beast of Reincarnation
Die ersten Tests decken eine vergleichsweise große Bandbreite ab:
- Famitsu: 35 von 40 Punkten
- TechRadar: 4,5 von 5 Sternen
- RPG Site: 8 von 10 Punkten
- PC Gamer: 73 von 100 Punkten
- IGN: 6 von 10 Punkten
- GameSpot: 6 von 10 Punkten
„Beast of Reincarnation“ ist damit weder der große Kritikerliebling, den sich manche Spieler von Game Freaks ambitioniertem Genrewechsel erhofft hatten, noch der von einigen Schlagzeilen suggerierte Totalausfall.
Vor allem das Kampfsystem, die Atmosphäre und die Beziehung zwischen Emma und Koo finden viel Anerkennung. Gleichzeitig verhindern die uneinheitliche Erzählweise, Wiederholungen und technische Schwächen bei vielen Redaktionen eine deutlich höhere Wertung.
„Beast of Reincarnation“ ist seit dem 4. August 2026 für PS5, Xbox Series X/S und PC erhältlich. Auf Xbox und PC ist das Action-Rollenspiel außerdem im Game Pass enthalten.
Habt ihr mit einem besseren Ergebnis gerechnet oder machen euch Wertungen im mittleren 70er-Bereich neugierig auf Game Freaks ungewöhnliches Experiment?






