PLAYCENTRAL NEWS Google Stadia

Google Stadia: Ich streame, also spiel‘ ich …

Von Olaf Bleich - News vom 28.05.2019 12:56 Uhr
© Google

Google Stadia, Shadow, GeForce Now oder Playstation Now – Videogame-Streaming-Dienste drängen in den Markt und stellen eine Alternative zum klassischen Videogame-Geschäft dar. Aber ist es auch die Zukunft?

Ich konsumiere Videospiele seit ich denken kann. Über die Jahre entstand so eine stattliche Sammlung verschiedenster Systeme und Spiele: Von uralten PC- und Amiga-Titeln bis hin zu Dreamcast-Rassel-Controllern, der ersten Xbox und aktuellen Konsolenmodellen in allen möglichen Ausführungen. So langsam wird’s eng!

Im Gegensatz zu manchem Kollegen oder Sammler hänge ich nicht an jedem Spiel und muss auch nicht jeden Original-Karton im Schrank stehen haben. Nur zu vereinzelten Titeln besitze ich eine wirklich emotionale Verbindung. Umso neugieriger machen mich aktuelle Streaming-Angebote: Videospiel-Streaming ist – ähnlich wie das Streamen von Filmen oder Musik – ein für mich logischer Schritt in der Entwicklung des Mediums. Aber ist es auch der Richtige?

KolumneKolumne: Mehr Mut zur Kürze: Wenn Spielen zur Fleißarbeit wird

Eine Chance für den Massenmarkt

Videospiele sind ein teures Hobby. Möchte ich einen Titel besitzen, kostet mich das im Schnitt 40 bis 50 Euro. Die dazu passende Hardware schlägt mit einigen hundert Euro zu Buche und geht sogar in die Tausende, wenn ich einen Highend-PC besitzen möchte. Natürlich könnte ich warten, bis Games und Hardware günstiger sind, aber Geduld gehörte noch nie zu meinen Stärken.

Videogame-Streaming ist dagegen vergleichsweise günstig. Für Dienste wie Google Stadia etwa benötige ich lediglich einen Mittelklasse-Rechner mitsamt Browser oder App. Die erste Hürde – also die teuren Anschaffungskosten – fällt hier schon mal weg. Stattdessen bezahle ich einen monatlichen Beitrag – ähnlich wie bei Netflix oder Spotify.

An dieser Stelle jedoch herrscht derzeit noch Verbesserungspotenzial. Aktuelle Dienste sind (noch) zu teuer: Playstation Now etwa kostet im Monat 14,99 Euro bzw. 99,99 Euro pro Jahr. Die PS-Now-Bibliothek besteht zwar aus hunderten PS3- und PS4-Hits, jedoch sind diese etwas älteren Kalibers. Der PC-Dienst Shadow dagegen greift direkt auf meine Steam-Bibliothek zu und kostet mich bei einem Ein-Jahres-Abo monatlich 29,95 Euro. Will ich monatlich kündigen, kostet Shadow 39,95 Euro.

Was derzeit noch fehlt, ist ein absoluter Kampfpreis. Videogame-Streaming könnte den Markt für eine neue Zielgruppe öffnen, allerdings nur, wenn der Preis stimmt. Wieso spielen so viele Menschen auf ihrem Smartphone? Weil (fast) jeder eins hat und weil viele Titel zunächst kostenlos sind. Videogame-Streaming wird erst dann erfolgreich sein, wenn der Preis stimmt: Für Google Stadia vermuteten Analysten einen Startpreis von 15 US-Dollar. Endgültige Klarheit gibt es aber erst im Sommer.

Übersättigung statt Befriedigung

Aussuchen, anklicken und konsumieren – Streaming ist komfortabel. Das wissen wir alle dank Netflix, Amazon Video und Spotify. Videogame-Streaming macht Schluss mit lästigen Updates oder Speicherplatz-Problemen auf der heimischen Festplatte. Denn diese nervigen Admin-Jobs laufen alle in der Cloud ab. Ich muss mich um nichts mehr kümmern.

Der Nachteil: Fällt bei mir mal das Internet aus oder gibt es gar in meiner Region keine ausreichend flotte Verbindung, läuft gar nichts oder wenn, dann nur mit reduzierter Qualität. So lange keine flächendeckende Breitband-Internet-Verbindung verfügbar ist, wird immer ein Teil der Spielerschaft ausgeschlossen bleiben.

ReportageReportage: Glasfaser-Wüste Deutschland: Wie lahmes Internet die Games-Branche bremst (Teil 1)

Zudem sehe ich bereits im Film- und Musikbereich ein weiteres Problem: Aufgrund der jederzeit verfügbaren Masse an Inhalten weiß ich das meiste davon gar nicht mehr zu schätzen. Manchmal scrolle ich minutenlang durch die Auswahlliste und lande dann doch irgendwie bei einer Serie, die ich eh schon kenne. Das frustriert mich!

Der Kauf eines neuen Spiels hat dagegen etwas Befriedigendes: Das Auspacken erinnert mich an Weihnachten. Das erste Einlegen des Spiels verzaubert mich. Und das Eintauchen in ein lang erwartetes Abenteuer entführt mich für Stunden in eine fremde Welt. Klappt das auch, wenn ich jederzeit aus Tausenden von Spielen gleichzeitig wählen kann? Ich zweifel daran!

Was online ist, bleibt auch online!

Der nächste Nachteil: Was in der Cloud passiert, bleibt auch dort. Was geschieht mit alten Spielständen, wenn ich meinen Account lösche? Was mit meinem Spielfortschritt, wenn ein Titel aus der Bibliothek verschwindet? Und was, wenn mal die Technik auf den Serverfarmen versagt? Ich investiere in Videospiele teils hunderte Stunden und nichts ist ärgerlicher, als wenn dieser Fortschritt mit nur einem Wimpernschlag einfach weg wäre. Wir alle stecken Zeit und Emotionen in unser liebstes Hobby. Wir treffen online Freunde und nutzen Spiele nicht nur als Konsumobjekt, sondern auch zur sozialen Interaktion. Das möchte niemand aufs Spiel setzen.

Cloud-Gaming – egal, ob bei Google Stadia oder bei anderen Diensten – verändert unser Konsumverhalten und unsere Einstellung zum Medium. Waren wir zuvor noch Käufer und Besitzer der Spiele, geben uns viele Dienste lediglich ein Nutzungsrecht für die Dauer unserer Mitgliedschaft. Beeinflusst das meine Wertschätzung zum Spiel? Noch wichtiger: Verdienen Entwickler überhaupt noch genug daran? Videogame-Streaming wird in Zukunft eine immer prominentere Rolle einnehmen. Und das nicht nur auf PC oder Konsole, sondern auf jeder anderen Plattform – wie es etwa Microsofts Projekt xCloud verspricht.

Immer und überall die großen Titel spielen – Das habe ich mir früher immer gewünscht. Heute befürchte ich einen Verfall der Videospieltradition und einen Verlust von Wertigkeit. Dazu kommen viele der aufgeführten Unwägbarkeiten: vom wackeligem WLAN bis hin zu möglichen Lizenzproblemen. Ich für meinen Teil bin neugierig, aber bleibe vorerst noch beim traditionellen Gaming – trotz Updates und Hardware-Bastelei.

KOMMENTARE

News & Videos zu Google Stadia

Google Stadia: 5 neue Spiele für den Streamingservice angekündigt Google Stadia: Zwei neue Gratis-Spiele bekannt gegeben Google Stadia: Das sind die 22 Starttitel des Streamingdienstes Google Stadia: Erstes Entwicklerstudio in Montreal eröffnet Google Stadia: Wireless-Controller: Auf den meisten Geräten vorerst kabelgebunden Google Stadia: Starttermin steht endlich fest
WhatsApp: Neuen Darkmode aktivieren, so geht’s! PlayStation Plus: Die PS Plus-Spiele für März 2020 werden übermorgen enthüllt Neue Wege in Pokémon Go schnell an PokéCoins zu kommen The Witcher Staffel 2: Erste Bilder vom Set der Netflix-Serie zeigen Yennefer und Co.
Welche PS Plus-Spiele wünscht ihr euch für März 2020? Netflix: Welche neuen Serien, Filme und Originals erscheinen diese Woche? KW9 Disney Plus jetzt mit Frühbucherrabatt für nur 59,99 Euro vorbestellen GTA Online: Die beiden Formel 1-Wagen Progen PR4 und Ocelot R88 in der Übersicht WhatsApp: Kein Support mehr für alte Smartphones Resident Evil 2: Dieses Mr. X-Cosplay verfolgt euch bis in eure Albträume! MEHR NEWS LADEN

TRENDS

Cyberpunk 2077Rollenspiel
Cyberpunk 2077
The Last of Us 2Action-Adventure
The Last of Us 2
Resident Evil 3Survival-Horror
Resident Evil 3
Final Fantasy VII RemakeRollenspiel
Final Fantasy VII Remake
Pokémon Schwert und SchildRollenspiel
Pokémon Schwert und Schild
Zelda: Breath of the Wild 2Rollenspiel
Zelda: Breath of the Wild 2
GTA 6Open-World-Action
GTA 6
MIT
PLAYDEALS
KEINE ANGEBOTE
MEHR VERPASSEN
ZU DEN DEALS