Die Schließung von BioWare und das Aus für das nächste Mass Effect sorgen in der Gaming-Branche für Entsetzen. Während Fans mit einer Petition um die Zukunft der Science-Fiction-Reihe kämpfen, wächst auch die Kritik an Electronic Arts und dessen strategischen Entscheidungen. Branchenveteranen stellen dabei zunehmend die Frage, ob die Konzernführung die falschen Prioritäten setzt.
Petition soll Mass Effect vor dem endgültigen Aus bewahren
Die Nachricht vom Ende BioWares hat innerhalb kürzester Zeit eine Protestbewegung ausgelöst. Unter dem Hashtag #SaveMassEffect versuchen Fans, Electronic Arts zum Umdenken zu bewegen. Eine auf Change.org gestartete Petition hat derzeit bereits 54.593 verifizierte Unterschriften gesammelt. Die Initiatoren wollen verhindern, dass eine der bekanntesten Rollenspielmarken der Videospielgeschichte dauerhaft verschwindet.
Die Forderungen gehen dabei über die bloße Wiederaufnahme des eingestellten Projekts hinaus. EA soll entweder ein neues Spiel mit ausreichenden finanziellen Mitteln ermöglichen oder die Marke einem anderen Entwickler überlassen. Denkbar wären aus Sicht der Unterstützer sowohl eine Lizenzvereinbarung als auch ein Verkauf der Rechte.
Mass Effect-Leak verdeutlicht Potenzial
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Kampagne durch einen geleakten Trailer zum nächsten Mass Effect. Das Video tauchte kurz nach der Schließungsankündigung im Internet auf. Bloomberg-Journalist Jason Schreier bestätigte anschließend dessen Echtheit.
Das Material soll aus einer frühen Entwicklungsphase stammen und vermittelt daher keinen verlässlichen Eindruck davon, wie das fertige Spiel ausgesehen hätte. Dennoch verdeutlichte es vielen Fans, welches Potenzial mit dem Projekt verloren gehen könnte.
Branchenveteranen kritisieren die Entscheidungen von EA
Der Unmut beschränkt sich längst nicht mehr auf die Community. Remedy-Kommunikationschef Thomas Puha verwies beispielsweise auf ein grundlegendes Problem der Branche: Große Publisher hätten zunehmend Schwierigkeiten, kleinere AAA-Produktionen wirtschaftlich zu rechtfertigen. Gleichzeitig brauche die Industrie weiterhin neue Spielereihen und kreative Risiken.
Diese Kritik trifft einen zentralen Punkt der aktuellen Entwicklung. Electronic Arts begründete seine Neuausrichtung mit einer stärkeren Konzentration auf ausgewählte Marken und Projekte, denen künftig mehr Ressourcen zur Verfügung stehen sollen. Demnach plant der Konzern im Zuge der Umstrukturierung auch den Abbau von rund 400 Arbeitsplätzen. Die Schließung BioWares und die Einstellung des neuen Mass Effect sind Teil dieses Sparkurses.
Unschöne Dinge
Während sich die meisten Branchen-Kenner eher vorsichtig äußern, hält Warren Spector nicht hinter dem Berg. Spector, der Kopf hinter Games wie Deus Ex, Wing Commander oder Thief, bezeichnete die Schließung von BioWare in einem LinkedIn-Beitrag als ein „verheerendes historisches Ereignis“ für die Branche. Schließlich schießt er gegen die Chef-Etage:
„Eigentlich sollten vielleicht alle Beteiligten – die Leute in Anzügen, ob echt oder virtuell – verdammt noch mal ihre Jobs verlieren. Ich möchte, dass sie darüber nachdenken: Was tragt ihr zur Spielebranche bei? Welchen Preis zahlt ihr für Misserfolge? Ich würde sie gerne auf der Arbeitslosenliste sehen, statt der Menschen, die tatsächlich arbeiten und etwas erschaffen. Warum sind es immer die Menschen, die etwas tun und erschaffen, die den Preis dafür zahlen?“
Er selbst hat in der Vergangenheit mit EA zu tun gehabt, als er bei Origin arbeitete, und hat aus dieser Zeit wenig Gutes zu berichten.
„Ein oder zwei Jahre lang behielten wir die kreative Kontrolle, verfügten aber über größere Budgets. Letztendlich hat man uns damit nur genug Spielraum gegeben, um uns quasi selbst zu Fall zu bringen. Ich bin gegangen, bevor das Studio seinen letzten Atemzug tat – doch es geschahen Dinge, die von EA ausgingen und mich dazu bewogen, Origin zu verlassen.“
Wirtschaftliche Interessen gegen kreative Vielfalt
Die Entscheidung wirft grundsätzliche Fragen über die Zukunft großer Spieleproduktionen auf. EA will seine Investitionen verstärkt auf etablierte Marken wie Battlefield, Apex Legends und EA Sports konzentrieren. Auch neue Projekte rund um Marvels Iron Man und die Star Wars Jedi-Reihe sollen weiterentwickelt werden.
Aus Unternehmenssicht mag es nachvollziehbar sein, Ressourcen auf erfolgversprechende Projekte zu bündeln. Für Kritiker besteht jedoch die Gefahr, dass langfristig jene Vielfalt verloren geht, die große Spielwelten und unverwechselbare Geschichten überhaupt erst ermöglicht. BioWare prägte mit Baldur’s Gate, Dragon Age und Mass Effect über Jahrzehnte das Genre der erzählerisch anspruchsvollen Rollenspiele.
Was meint ihr dazu: Sollte EA doch weiter in Mass Effect investieren oder die Marke verkaufen? Was würdet ihr euch wünschen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.
Öffnet in einem neuen Tab

Deine Meinung zählt
Wie siehst du das? Teile deine Gedanken mit der PlayCentral-Community.