David Jaffe hat Marvel’s Wolverine gespielt und nach eigenen Angaben wieder gelöscht. Der Schöpfer des ursprünglichen God of War hält Insomniacs PS5-Abenteuer keineswegs für einen Totalausfall. Gerade das macht ihn so wütend: Für ihn steckt in Wolverine eine außergewöhnliche Spielfigur, doch das fertige Spiel fühlt sich zu oft nach einer vertrauten PlayStation-Produktion an.
In einem Video auf seinem YouTube-Kanal kritisiert Jaffe den Einstieg, die häufigen Zwischensequenzen und das Kampfsystem. Sein schärfster Vorwurf trifft die Verantwortlichen bei Insomniac: „Ihr in der Führung von Insomniac solltet euch schämen.“
Ein Wolverine-Spiel, das sich für Jaffe nicht wie Wolverine anfühlt
Jaffe beschreibt Marvel’s Wolverine als uninspiriert und zu sehr an eine Formel gebunden, die Sony seiner Meinung nach längst hätte hinterfragen müssen. Das Spiel sei für ihn „eine besonders deutliche Ausprägung der Formel, von der Sony schon vor Jahren hätte erkennen müssen, dass sie sich abnutzt“.
Dabei geht es ihm um mehr als die Zahl der Kämpfe. Wolverine sei eine Figur voller Energie und Unberechenbarkeit. „Das Spiel selbst muss sich auch so anfühlen“, sagt Jaffe. Stattdessen wisse er häufig schon, welche Art von Szene als Nächstes komme.
Seinen Ärger macht er am Beginn des Abenteuers fest. Jaffe hätte Logan lieber unmittelbar in eine außergewöhnliche spielbare Situation geworfen, bevor das Spiel dessen Beziehungen erklärt. Insbesondere die Einführung von Wolverine und Sabretooth dauert ihm zu lange. Eine gute Geschichte lehnt er damit nicht ab; er kritisiert, wie früh und wie oft sie aus seiner Sicht die Kontrolle übernimmt.
„Gespielt“ ist für ihn das entscheidende Wort
Der frühere Game Director des ersten God of War hätte sich einen Einstieg gewünscht, nach dem Spieler den Controller kurz weglegen und über das gerade Erlebte staunen. Er betont dabei ausdrücklich das Wort „gespielt“.
Dieser Gedanke zieht sich durch seine gesamte Kritik. Jaffe stört sich an einem Ablauf aus kurzen Spielabschnitten und erneuten Zwischensequenzen. Gegen Ende seines Videos beschreibt er das zugespitzt als ständiges „Stopp, Start, Stopp, Start“. Dialoge könnten seiner Ansicht nach auch während eines Kampfes laufen, ohne die Aktion immer wieder anzuhalten.
Dass ein Teil des Publikums später mehr Gefallen an Marvel’s Wolverine finde, lässt er als Antwort auf seine Kritik am Einstieg nicht gelten. Wer den vollen Preis bezahlt habe, müsse sich nach seiner Ansicht nicht erst mehrere Stunden durchspielen, bis das Abenteuer seine Stärken zeige.
Seine Kritik an Insomniacs Führung ist ein Eindruck, kein Einblick
Am deutlichsten wird Jaffe, als er sich an die Studioleitung wendet. Unmittelbar nach seinem „Ihr solltet euch schämen“ schränkt er seine Aussage allerdings ein: Er könne nicht ausschließen, dass erhebliche Schwierigkeiten hinter den Kulissen die Entwicklung beeinflusst hätten. Später stellt er ausdrücklich klar: „Ich habe keinerlei Einblick, wie die Entwicklung dieses Spiels abgelaufen ist.“
Was folgt, ist also seine Einschätzung als Spieler. Marvel’s Wolverine fühle sich für ihn an, als habe niemand mit ausreichend Nachdruck eine andere kreative Richtung durchgesetzt. Es sei „nicht schlecht“, erklärt er an anderer Stelle. Sein Vorwurf lautet vielmehr, dass es für ein Studio mit Insomniacs Talent und Möglichkeiten „auf geradezu ärgerliche Weise uninspiriert“ sei.
Jaffe nennt zum Vergleich Mortal Shell 2. Das Kampfsystem dort empfindet er als befriedigender, weil es ihn stärker beschäftigt und ihm mehr Raum gibt, die Mechaniken selbst zu nutzen. Er sagt zugleich, dass Wolverine kein Spiel derselben Art werden müsse. Ihm geht es um das Prinzip: Kämpfe sollten nicht nur spektakulär aussehen, sondern Spieler auch über ihre nächsten Schritte nachdenken lassen.
Ein Streit über die Richtung großer PlayStation-Spiele
Jaffe steht mit Kritik an einzelnen Designentscheidungen nicht allein. Seit dem Release wird über auffällige Orientierungshilfen und Szenen mit wenig nötiger Eingabe diskutiert. Insomniac hat die Darstellung der Geruchsspuren bereits per Update abgeschwächt. Einzelne Clips solcher Szenen erklären allerdings nicht das gesamte Spiel: Andere Beispiele zeigen, dass Eingaben und Fehler durchaus Folgen haben können.
Auch die Kritiken fallen unterschiedlich aus. Game Informer lobt ausdrücklich die schnellen, brutalen Kämpfe, sieht aber Schwächen an anderer Stelle. Jaffes Urteil ist damit eine besonders scharfe persönliche Position innerhalb einer größeren Diskussion über Insomniacs Spiel.
Für Jaffe steht am Ende die grundsätzliche Frage, worauf ein Actionspiel zuerst setzen sollte. Seine Antwort formuliert er mit einem Verweis auf Nintendo: „Gameplay kommt zuerst.“ Bei Marvel’s Wolverine hat er das offenbar zu selten gespürt.
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