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Rockstar fürchtete, Arthur könnte GTA-5-Fans langweilen – daraus entstand GTA 6

Nach dem großen Erfolg von GTA 5 stand Rockstar Games bei der Entwicklung von Red Dead Redemption 2 vor einer ungewöhnlichen Frage: Würden sich die Spieler nach drei wechselbaren Hauptfiguren noch mit einem einzigen Protagonisten zufriedengeben?

Die damaligen Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Arthur Morgan wurde zu einem der beliebtesten Charaktere des Studios und beeinflusste maßgeblich, wie Rockstar die Beziehung zwischen Jason und Lucia in GTA 6 gestaltet.

GTA 5 veränderte die Erwartungen an Rockstar

In einem ausführlichen Interview mit Trois Couleurs blickte Rob Nelson, Entwicklungschef bei Rockstar Games und Co-Studioleiter von Rockstar North, auf den Übergang von GTA 5 zu Red Dead Redemption 2 zurück.

GTA 5 brach mit einer langen Tradition der Reihe. Statt die Geschichte aus der Perspektive eines einzelnen Protagonisten zu erzählen, konnten die Spieler jederzeit zwischen Michael, Franklin und Trevor wechseln. Alle drei besaßen eigene Lebensumstände, Beziehungen und Handlungsstränge.

Nach dem Erfolg dieses Systems war sich Rockstar nicht sicher, wie die Rückkehr zu einer einzelnen Hauptfigur aufgenommen werden würde. Im Vorfeld von Red Dead Redemption 2 fragten Fans sogar, ob sie zwischen verschiedenen Mitgliedern der Van-der-Linde-Gang wechseln könnten.

Das Team habe deshalb kurzzeitig befürchtet, dass sich Spieler mit nur einem Protagonisten langweilen könnten. Damit bezeichnet Nelson allerdings weder Arthur Morgan noch Red Dead Redemption 2 als langweilig. Seine Aussage bezieht sich ausschließlich auf die Erwartungen, die GTA 5 mit seinen drei spielbaren Figuren geschaffen hatte.

Arthur Morgan überzeugte durch seine Tiefe

Im Rückblick bezeichnet Nelson diese damalige Sorge als beinahe kurios. Durch die Konzentration auf Arthur konnte Rockstar dessen persönliche Entwicklung besonders ausführlich erzählen.

Einen wichtigen Anteil daran hatte das Ehre-System. Arthurs Verhalten und die Entscheidungen des Spielers beeinflussen, wie sich der Charakter entwickelt und wie bestimmte Momente seiner Geschichte wahrgenommen werden. Auf diese Weise entstand eine emotionale Bindung, die mit drei gleichberechtigten Hauptfiguren schwieriger umzusetzen gewesen wäre.

Arthur Morgan aus Red Dead 2 wurde zu einem der beliebtesten Charaktere des Studios. © Rockstar Games

Für Rockstar wurde Arthur damit zum Beweis, dass die Anzahl spielbarer Charaktere weniger entscheidend ist als deren Ausarbeitung. Das Studio wollte die erzählerische und emotionale Tiefe von Red Dead Redemption 2 anschließend zurück in die GTA-Reihe übertragen.

Jason und Lucia sollen beide Ansätze verbinden

Für GTA 6 experimentierte Rockstar zunächst mit verschiedenen Figurenkonstellationen. Fest stand, dass das Studio erneut mit mehreren Protagonisten arbeiten wollte. Gleichzeitig sollte aber die persönliche Nähe erhalten bleiben, die viele Spieler zu Arthur Morgan aufgebaut hatten.

Die Lösung bilden Jason und Lucia. Anders als die weitgehend unabhängig voneinander lebenden Hauptfiguren aus GTA 5 stehen sie in einer engen partnerschaftlichen Beziehung. Rockstar beschreibt die beiden als ein modernes Gangsterpaar nach dem Vorbild von Bonnie und Clyde.

Dadurch soll das Spiel die Vorteile seiner beiden Vorgänger miteinander verbinden: den Wechsel zwischen mehreren Figuren aus GTA 5 und die emotionale Charakterentwicklung aus Red Dead Redemption 2.

Die Beziehung zwischen Jason und Lucia wird dabei nicht nur in Zwischensequenzen erzählt. Spieler sollen auch ruhigere gemeinsame Momente erleben und durch ihre Handlungen beeinflussen können, wie die beiden miteinander umgehen. Rockstar möchte die romantische Ebene allerdings niemandem aufzwingen, der sich nicht intensiver mit ihr beschäftigen will.

© Rockstar Games

Red Dead Redemption 2 prägt auch die Spielwelt

Der Einfluss von Red Dead Redemption 2 beschränkt sich nicht auf die beiden Hauptfiguren. Nelson zufolge übernimmt GTA 6 auch die stärkere Interaktion mit der Spielwelt und entwickelt sie weiter.

Rockstar verspricht deutlich mehr Möglichkeiten als noch in GTA 5 und sogar einen höheren Grad an Interaktivität als in Red Dead Redemption 2. Dazu gehören bewohnbare Unterschlüpfe, mehr betretbare Gebäude, dynamische Begegnungen und Rollenspielelemente.

Ausgerechnet die Befürchtung, ein einzelner Protagonist könnte die Spieler langweilen, führte somit zu einem der wichtigsten erzählerischen Experimente des Studios. Dessen Ergebnis bildet nun eine zentrale Grundlage für GTA 6.

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Schreiberling, Spieleentdecker, praktizierender Perfektionist und Mann fürs Grobe. Außerdem laufender Freizeit-Hobbit, der Katzen liebt. – Hunde gehen auch. „Auch sonst eigentlich ganz ok“.

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