Nach den massiven Entlassungen bei id Software zeichnet ein langjähriger Entwickler ein düsteres Bild von der Zukunft des Doom-Studios. Chris Hays zufolge fehlen inzwischen ganze Fachbereiche. Neue AAA-Spiele im bisherigen Umfang zu entwickeln, sei mit der verbliebenen Mannschaft praktisch unmöglich.
Doom-Entwickler kritisiert Microsoft deutlich
Mehr als 15 Jahre arbeitet Chris Hays inzwischen bei id Software. Im Podcast Well Played sprach der Lead Services Programmer nun ausführlich über die jüngste Entlassungswelle und ging mit Xbox hart ins Gericht.
Nach Einschätzung des Entwicklers hat id Software ungefähr die Hälfte seiner Belegschaft verloren. Dabei seien nicht nur einzelne Stellen gestrichen, sondern ganze Abteilungen und für die Entwicklung benötigte Disziplinen stark ausgedünnt worden.
Die Behauptung, das Studio besitze weiterhin eine ähnliche Größe wie bei der Entwicklung von „Doom“ aus dem Jahr 2016, hält Hays für beschönigend. Tatsächlich beschäftige id Software heute weniger Mitarbeiter als damals.
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„Es ist schwer, ein AAA-Spiel zu entwickeln, wie wir es bisher getan haben, wenn nur noch die Hälfte der Leute da ist. Und mit schwer meine ich: unmöglich.“
Ist id Software noch dasselbe Studio?
Microsoft und die Studioleitung hatten nach den Kürzungen betont, dass id Software weiterhin über das nötige Team verfüge, um neue Spiele und Technologien zu entwickeln. Hays widerspricht dieser Darstellung entschieden.
Das heutige id Software sei nicht mehr dasselbe Studio wie vor den Entlassungen. Entscheidend sei schließlich nicht allein die Zahl der verbliebenen Mitarbeiter. Die Qualität der bisherigen Spiele habe auch auf eingespielten Teams, gemeinsam aufgebautem Wissen und der engen Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche beruht.
Wenn ein Unternehmen die Hälfte eines Studios streiche, ohne zu berücksichtigen, wie dessen Spiele tatsächlich entstehen, zeige dies nach Ansicht von Hays ein grundsätzliches Problem:
„Sie verstehen Kunst im Kern nicht. Sie verstehen Spiele nicht.“
Hays vermutet, dass die öffentlichen Beschwichtigungen vor allem verhindern sollen, dass weitere Beschäftigte das Unternehmen verlassen. Xbox müsse den verbliebenen Entwicklern vermitteln, dass id Software noch eine Zukunft habe, damit das Studio nicht zusätzlich an Erfahrung verliere.
Auch Game Pass sorgt intern für Fragen
Kritisch äußerte sich Hays außerdem zur Bewertung von Spielen im Game Pass. Da Microsoft seine eigenen Veröffentlichungen direkt in das Abonnement aufnimmt, sei eine Betrachtung der klassischen Verkaufszahlen allein kaum aussagekräftig.
Innerhalb von Bethesda sei offenbar wiederholt von schwachen Verkäufen die Rede gewesen. Für die Entwickler bleibe jedoch unklar, nach welchen Maßstäben Xbox den Erfolg eines Spiels tatsächlich bemisst: verkaufte Exemplare, Spielerzahlen, Spielzeit oder der Beitrag zum Game Pass.
Aus Sicht von Hays kann Microsoft nicht zuerst Millionen Abonnenten den Zugriff ohne separaten Kauf ermöglichen und anschließend niedrige Verkaufszahlen als Problem anführen.
Wie geht es mit Doom weiter?
Welche langfristigen Folgen die Einschnitte für id Software haben, ist bislang offen. Das Studio hatte nach der Entlassungswelle versichert, weiterhin große Spiele und die hauseigene id-Tech-Engine entwickeln zu können.
Hays zweifelt jedoch daran, dass Produktionen im Umfang von „Doom Eternal“ oder „Doom: The Dark Ages“ mit dem verkleinerten Team noch auf dieselbe Weise realisierbar sind. Externe Studios und zusätzliche Auftragnehmer könnten zwar unterstützen, das verlorene Wissen langjähriger Mitarbeiter aber nicht kurzfristig ersetzen.
Damit stehen die öffentlichen Durchhalteparolen des Studios und die Einschätzung eines weiterhin beschäftigten leitenden Entwicklers deutlich gegeneinander. Angekündigt hat id Software sein nächstes großes Projekt bislang nicht.





