Seit der ausführlichen Gameplay-Präsentation von „Marvel’s Wolverine“ wird intensiv über die Ausrichtung des neuen Insomniac-Spiels diskutiert. Während viele Fans die brutalen Kämpfe und die deutlich erwachsenere Inszenierung begrüßen, kritisieren andere den offenbar linearen Aufbau, einzelne Actionsequenzen und verschiedene kreative Entscheidungen.
Im Gespräch mit TheGamer erklärte Game Director Mike Daly, wie das Entwicklerteam mit den teils heftigen Reaktionen umgeht. Insomniac Games sei solchen Gegenwind durch die Arbeit an den „Marvel’s Spider-Man“-Spielen inzwischen gewohnt.
Insomniac ist Kritik aus dem Netz gewohnt
Daly bezeichnet die leidenschaftlichen Reaktionen der Fans als ein „gutes Problem“. Wer an einem bekannten und beliebten Charakter wie Wolverine arbeitet, müsse damit rechnen, dass Spieler sehr konkrete Vorstellungen von dessen Umsetzung besitzen.
Hinzu komme die Aufmerksamkeit, die mit einem großen First-Party-Titel für die PS5 verbunden ist. Jede neue Szene, jedes Kostüm und jede spielerische Entscheidung wird ausführlich analysiert und mit den Erwartungen der Community verglichen.
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„Wir sind das inzwischen ziemlich gewohnt. Es ist ein gutes Problem, wenn sich die Leute so sehr dafür interessieren.“
Insomniac habe bereits bei „Marvel’s Spider-Man“ und dessen Nachfolgern erlebt, dass selbst ein erfolgreiches und von vielen Spielern geliebtes Spiel nicht frei von Beschwerden sei. Manche Nutzer würden immer einzelne Punkte finden, an denen sie sich stören.
Für Daly gehört das zum Entwicklungsalltag. Das Team könne sich nicht darauf konzentrieren, sämtliche Wünsche aus sozialen Netzwerken zu erfüllen. Stattdessen müsse eine klare kreative Vorstellung verfolgt werden.
„Das beste Spiel für den Charakter“
Der Game Director betont, dass Insomniacs Ziel nicht darin bestehe, bestimmte Forderungen aus der Community abzuarbeiten. Im Mittelpunkt stehe ausschließlich die Frage, welche Art von Spiel am besten zu Logan und seinen besonderen Fähigkeiten passe.
Unser Ziel für das Spiel war nicht unbedingt, all die Dinge umzusetzen, über die sich manche Leute beschweren. Unser Ziel bestand darin, uns vollständig darauf zu konzentrieren, das bestmögliche Spiel für diesen Charakter zu entwickeln.
Diese Aussage bezieht sich unter anderem auf die Kritik am linearen Aufbau. Einige Fans hatten nach den offenen Stadtgebieten aus „Marvel’s Spider-Man“ offenbar ein ähnlich frei erkundbares Spiel erwartet. „Marvel’s Wolverine“ setzt stattdessen stärker auf eine geführte Einzelspieler-Kampagne mit aufwendig inszenierten Schauplätzen und Actionsequenzen.
Daly zufolge war eine offene Spielwelt jedoch nicht das eigentliche Entwicklungsziel. Die Struktur soll sich an Wolverine und der Geschichte orientieren, statt lediglich bekannte Elemente aus den Spider-Man-Spielen zu übernehmen.
Kein Spider-Man mit Krallen
Dass Insomniac einen anderen Ansatz verfolgt, wird auch anhand des offiziellen Gameplays deutlich. Sony beschreibt „Marvel’s Wolverine“ als brutales, gewalttätiges und actionreiches Einzelspieler-Abenteuer.
Logan kann Gegner aus dem Verborgenen verfolgen, sie von erhöhten Positionen überfallen oder direkt mit seinen Adamantium-Klauen angreifen. Erfolgreiche Attacken, Paraden und besiegte Gegner füllen seine Wutanzeige. Die darin gesammelte Energie kann für stärkere Angriffe oder Wolverines Heilungsfaktor eingesetzt werden.
Mit speziellen Techniken wie Tornado Spin und Bull Rush lassen sich Gruppen von Gegnern bekämpfen. Hinzu kommen kritische Angriffe, gemeinsame Manöver mit anderen Figuren und größere Actionsequenzen. In einer gezeigten Passage kämpft Logan beispielsweise während einer Verfolgungsjagd auf mehreren fahrenden Fahrzeugen.
Diese Momente wurden von Teilen der Community als zu stark geskriptet oder zu linear kritisiert. Andere Spieler sehen gerade darin eine Möglichkeit, Wolverines Geschichte wesentlich konzentrierter zu erzählen als in einer klassischen Open World.
Auch einzelne Szenen sorgen für Diskussionen
Neben der grundsätzlichen Struktur wurden in den vergangenen Wochen verschiedene Ausschnitte aus Trailern und Gameplay-Videos diskutiert. Dazu gehörten unter anderem ein Kampf gegen einen Sentinel, die Inszenierung bestimmter Gegner und der Umgang mit bekannten Figuren aus dem X-Men-Universum.
Ein Teil der Reaktionen richtet sich zudem weniger gegen das eigentliche Spiel als gegen aktuelle Entscheidungen rund um die Marke PlayStation. Sony hatte angekündigt, die Produktion neuer Spiele auf Disc ab Januar 2028 einzustellen. „Marvel’s Wolverine“ erscheint allerdings bereits 2026 und ist von dieser späteren Umstellung nicht betroffen.
Das Spiel erhält nach aktuellem Stand weiterhin eine physische Standard Edition. Die generelle Kritik an Sonys künftiger Digitalstrategie wurde dennoch teilweise unter Trailern und Beiträgen zu „Marvel’s Wolverine“ ausgetragen.
Diese Vermischung unterschiedlicher Themen macht es für Entwickler schwer, tatsächliches Feedback zum Spiel von allgemeinem Frust über PlayStation zu trennen.
Kritik soll die kreative Richtung nicht verändern
Daly vermittelt den Eindruck, dass Insomniac die Reaktionen durchaus wahrnimmt, sich davon aber nicht von der grundlegenden Ausrichtung abbringen lässt. Das Studio wolle ein Spiel entwickeln, das zu Wolverine passt und sich bewusst von den bisherigen Spider-Man-Projekten unterscheidet.
Die stärkere Linearität muss deshalb nicht bedeuten, dass überhaupt keine Erkundung möglich ist. Bislang ist lediglich erkennbar, dass Insomniac mehr Wert auf eine geführte Handlung, wechselnde Schauplätze und große Setpieces legt. Wie offen die einzelnen Bereiche tatsächlich ausfallen, dürfte sich spätestens in den kommenden Previews zeigen.
Für den Game Director ist entscheidend, dass das Team hinter seiner eigenen Vision steht. Online-Gegenwind sei angesichts der Bekanntheit des Charakters und der Größe des Projekts kaum zu vermeiden.
Release im September 2026
„Marvel’s Wolverine“ erscheint am 15. September 2026 für die PS5. Vorbestellungen für die Standard Edition und die Digital Deluxe Edition sind bereits möglich.
Neben Logan treten unter anderem Jean Grey, Mystique, Omega Red, Sabretooth, Deathstrike und Bolivar Trask auf. Eine im Juli veröffentlichte Story-Vorschau von Insomniac Games bestätigte außerdem The Hand als gegnerische Fraktion.
Wie umfangreich die linearen Abschnitte ausfallen und ob das Spiel auch größere frei erkundbare Gebiete bietet, ist noch nicht abschließend bekannt. Mike Daly macht jedoch deutlich, dass Insomniac kein weiteres Spider-Man mit ausgetauschtem Protagonisten entwickeln wollte.
Wie gefallen euch die bisher gezeigten Szenen aus „Marvel’s Wolverine“? Bevorzugt ihr eine konzentrierte, lineare Kampagne oder hättet ihr euch eine offene Spielwelt gewünscht? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare.