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Y: The Last Man-Serie zeigt eine Welt (fast) ohne Männer – Wie funktioniert das 2021?

Von David Molke - Special vom 08.09.2021 08:56 Uhr
In Y: The Last Man sind fast alle Männer ausgestorben.
©FX/Disney

Bald startet die Comic-Verfilmung „Y: The Last Man“ auf Disney Plus. Die Serie macht einiges anders als das Original, und zwar mit voller Absicht und aus gutem Grund. Wir sehen uns an, was die Menschen hinter „Y: The Last Man“ dazu sagen und ordnen die kommende Disney+-Serie in unsere heutige Welt ein.

Was ist Y: The Last Man? Darum geht’s:

„Y: The Last Man“ ist in erster Linie eine Comicserie von Brian K. Vaughan. Sie erstreckt sich über 60 Ausgaben und ist zwischen 2002 und 2008 erschienen. Die Zeichnungen kommen zum Großteil von Pia Guerra und die Reihe genießt einen gewissen Kultstatus. Das liegt vor allem an der kuriosen Grundvoraussetzung.

Das ist die Prämisse: In „Y: The Last Man“ sind nämlich alle Säugetiere mit einem Y-Chromosom ausgestorben. Alle mit einem Y-Chromosom? Naja, fast – bis auf den titelgebenden Letzten Mann namens Yorick und sein Kapuzineräffchen. Es gibt also theoretisch und etwas biologistisch-simplifiziert fast keine Männer mehr. Womit wir eigentlich direkt beim Thema wären. Aber eines nach dem anderen.

Geplant sind 5 Seasons: „Y: The Last Man“ kommt in Deutschland über Disney+ ins Streaming und kann dort ab dem 22. September 2021 angeschaut werden. Noch ist nicht ganz klar, wie lange die Serie gehen wird, aber der Comic bietet sehr viel Stoff als Grundlage und der Showrunnerin Eliza Clark schweben ungefähr fünf Staffeln vor.

Die Serie soll anders werden als der Comic und das ist auch gut so

Wer sich ein bisschen eingehender mit den Themen Gender beziehungsweise Geschlecht als soziales Konstrukt auseinandergesetzt hat, dürfte bereits bei der eingangs erwähnten Prämisse die Augenbrauen hochgezogen haben. Ganz so einfach ist das mit den Chromosomen und den daraus resultierenden Geschlechtern nämlich gar nicht. Dasselbe gilt auch für die angebliche Geschlechter-Binarität.

Das ist den Menschen, die an der Serien-Umsetzung des Comics arbeiten, aber glücklicherweise bewusst. Darum machen sie von ihrer künstlerischen Freiheit Gebrauch und sorgen dafür, dass die TV-Umsetzung keinen so faden Beigeschmack bekommt, wie ihn die Comicserie mittlerweile hat. Unter anderem, weil sie trans Menschen fast komplett ignoriert.

Das bleibt gleich und das ändert sich: Auch wenn die Grundlage natürlich dieselbe bleiben soll, wird sich die TV-Show eingehender einigen Themen widmen, die im Comic viel zu kurz gekommen sind. Zum Beispiel soll klargestellt werden, dass es auch Frauen mit zwei Y-Chromosomen und Männer mit zwei X-Chromosomen gibt. Aber auch nichtbinäre Figuren, trans Menschen oder intergeschlechtliche Charaktere spielen in „Y: The Last Man“ eine viel größere Rolle.

Was sagt die Showrunnerin? Eliza Clark betont: Durch das in „Y: The Last Man“ um sich greifende Virus sind auch viele Frauen gestorben, viele intergeschlechtliche Personen oder nichtbinäre und trans Menschen. Aber auch unter den Überlebenden gibt es viele Gegenstücke zu diesen Figuren.

Ich denke, jede einzelne Person, die an der Show arbeitet – von den Autor*innen über die Regisseur*innen bis zum Cast und der Crew – macht eine Show, die bestätigt, dass trans Frauen Frauen sind, trans Männer Männer, nichtbinäre Leute nichtbinär und dass das ein Teil der besonderen Vielfalt und Reichhaltigkeit der Welt ist, mit der wir spielen können.

Eliza Clark gegenüber Gizmodo
In Y: The Last Man sind fast alle Männer ausgestorben.
©FX/Disney

Y: The Last Man räumt mit den Mythen biologisches Geschlecht & Binarität auf

Chromosomen sind nicht alles. Die Welt funktioniert nicht so einfach. Das betrifft auch die Bienen und Blumen beziehungsweise das Märchen vom biologischen Geschlecht und der angeblich zugehörigen Binarität. Beides existiert nur in künstlichen Konstrukten, denn da ist noch sehr viel mehr als Mann und Frau. Das biologische Geschlecht ist generell nicht so eindeutig, wie die meisten glauben. Auch die Chromosomen allein bestimmen nicht unbedingt, was für Fortpflanzungsorgane Menschen ausbilden. 

Ebenso können Gene als auch Hormone darauf einwirken, unabhängig von den Chromosomen, müssen jedoch nicht immer unbedingt eindeutig zuzuordnen sein. Es gibt also durchaus weiblich gelesene Personen mit Y-Chromosom, ohne dass sie zwingend trans sein müssen. Mehr dazu findet ihr zum Beispiel in diesem spannenden Thread:

Trans, Inter, Nonbinär: Nicht alle Menschen kommen als cis Personen auf die Welt. Manche verfügen zum Beispiel über Fortpflanzungsorgane, denen im Allgemeinen Weiblichkeit zugeschrieben wird, sind aber männlich. Einige Menschen befinden sich bei der Geburt irgendwo zwischen den klassischen Kategorien und für viele gibt es gar keine Möglichkeit, sich einem Geschlecht zuzuordnen.

Viele Personen lehnen das komplette Binärsystem ab und sehen sich eher außerhalb, manche verorten sich als Mann und Frau gleichzeitig, manche dazwischen, manche als etwas völlig anderes. Wichtig ist: All das muss nicht unbedingt mit Körperteilen, Hormonen und Chromosomen zusammenhängen.

Um dieser Vielfalt in „Y: The Last Man“ gerecht werden zu können, haben sich die Macher*innen Unterstützung geholt. Unter anderem sollten Aydin Olson-Kennedy vom L.A. Gender Center und vor allem Nick Adams von der GLAAD dabei helfen, die Herausforderungen der Vorlage behutsam und möglichst für alle passend umzusetzen, ohne dass es allzu problematisch wird. Auch im Autor*innen-Team gibt es mit Charlie Jane Anders (sehr lesenswerter Newsletter!) mindestens eine trans Person.

Diese Profis sorgen zum Beispiel dafür, dass trans Figuren nicht nur einzig und allein dazu dienen, dem Publikum die Konzepte von Gender/Geschlecht, Sexualität oder allgemein trans Menschen zu erklären. Es braucht Charaktere, die durch andere Dinge definiert werden, die also mehr ausmacht. Gleichzeitig war der Anspruch, zu zeigen, dass unsere Chromosome nicht unser Schicksal bestimmen.

Das sagen wir zu Y: The Last Man – Persönliches Fazit von David Molke

Die Frage danach, ob mit den Männern auch das Patriarchat samt all seiner Probleme stirbt, bleibt natürlich bestechend. Genauso interessant dürfte es werden, zu sehen, wie sich die Welt in „Y: The Last Man“ neu arrangiert, wenn die meisten cis Männer gestorben sind. An der zugrunde liegenden, höchst spannenden Prämisse ändert sich also erstmal nichts und das finde ich auch in Ordnung so.

Noch besser gefällt mir allerdings, dass die offensichtlichen Leerstellen und Versäumnisse der Vorlage endlich sinnvoll angegangen, adressiert und ausgefüllt werden. Die Aussagen der Showrunnerin und der Autorin klingen dahingehend wirklich überzeugend und vielversprechend. Insbesondere bei dieser Thematik ist Takt, Behutsamkeit und Feingefühl angesagt und hier scheint genau das ausnahmsweise mal wirklich vorhanden zu sein.

Ich war zugegebenermaßen zunächst extrem skeptisch. Aber letztlich hat sich „Y: The Last Man“ ehrlich gesagt erst durch diese Aussagen, das Bekenntnis zur Vielfalt, den Umgang mit Beratung und Hilfe und den ganzen Rest mit Nachdruck auf meine Vormerk-Liste katapultiert. Gleichzeitig sind natürlich auch Hoffnung, Anspruch und Erwartungshaltung ins Unermessliche gestiegen, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass das hier gut werden kann.

Wenn er nicht gerade im Titan über virtuelle Schlachtfelder stapft, wird der Bauernhof bewirtschaftet, Hyrule gerettet oder Hades sicherer gemacht. Generell für fast alles vom Indie bis Grafik-Highlight zu haben.
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