Die PC-Version von GTA 6 könnte deutlich schneller auf die Konsolenfassung folgen als bei früheren Rockstar-Spielen. Diese Einschätzung stammt von Obbe Vermeij, dem ehemaligen technischen Direktor von Rockstar North. Eine offizielle Ankündigung ist das allerdings nicht.
Vermeij vermutet, dass inoffizielle, mit generativer KI erstellte PC-Portierungen den Publisher Take-Two zum Handeln zwingen könnten. Der reguläre Verkaufsstart erfolgt laut Rockstar Games am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Eine PC-Fassung führt der Entwickler bislang nicht auf.
KI-Kopien könnten Rockstar unter Zeitdruck setzen
Im Originalinterview erklärt Vermeij, dass jemand versuchen könnte, die PlayStation-5-Version mithilfe generativer KI auf den PC zu übertragen. Eine solche Umsetzung würde wahrscheinlich nicht die Qualität einer offiziellen Portierung erreichen, könnte Rockstar aber dennoch Verkäufe kosten.
Wenn ich Rockstar wäre, würde ich befürchten, dass jemand die PlayStation-5-Version nimmt und sie mithilfe von KI für den PC umwandelt.
Nach Vermeijs Einschätzung wären heutige KI-Werkzeuge grundsätzlich zu einer solchen Portierung fähig. Der Vorgang würde viele Arbeitsstunden und große Mengen kostenpflichtiger Rechenkapazität benötigen. Bei einem Titel von der Größenordnung eines GTA 6 dürfte sich trotzdem schnell eine Gruppe finden, die das Experiment wagt.
Die finanziellen Auswirkungen könnten nicht nur kleinere Studios treffen. Take-Two verfügt zwar über die Mittel, um juristisch gegen nicht autorisierte Versionen vorzugehen, doch eine bereits verbreitete PC-Kopie ließe sich möglicherweise nur schwer vollständig aus dem Netz entfernen. Ein früher offizieller PC-Release könnte dieses Risiko reduzieren.
Die schwierige Geschichte von GTA auf PC und Konsole
Vermeij erinnert im Gespräch auch an die wechselhafte Plattformstrategie der Reihe. Das erste Grand Theft Auto entstand zunächst für den PC, während ein externes Studio die PlayStation-Portierung übernahm. Wegen der geringeren Leistung der Konsole mussten unter anderem Texturen von 256 auf 16 Farben reduziert werden, was innerhalb des Entwicklerteams für erheblichen Unmut sorgte.
Bei GTA 3 kehrte Rockstar North den Ablauf um und konzentrierte sich zuerst auf die Konsolenfassungen. Diese Vorgehensweise blieb für spätere Teile prägend. Laut Vermeij ist es für Entwickler einfacher, zunächst eine Plattformversion fertigzustellen, bevor die nächste Umsetzung folgt.
Gleichzeitige Veröffentlichungen haben für Publisher dennoch einen entscheidenden Vorteil, da nur eine große Marketingkampagne finanziert werden muss. GTA kann sich wegen seiner enormen Reichweite allerdings eine getrennte Vermarktung leisten. Genau dieses Modell könnte durch schnellere KI-Werkzeuge nun an seine Grenzen geraten.
Gerücht nennt das erste Quartal 2027
Ein Bericht von GamesBeat nennt bereits das erste Quartal 2027 als mögliches Release-Zeitfenster für die PC-Version. Die Angaben sollen von vier anonymen Branchenquellen stammen. Damit würde die Umsetzung zwischen Januar und März 2027 und höchstens rund vier Monate nach den Konsolenfassungen erscheinen.
Vermeij selbst verließ Rockstar im Jahr 2009 und besitzt keinen Einblick in die aktuellen Planungen des Studios. Seine Aussagen beschreiben daher vor allem einen möglichen wirtschaftlichen Grund für den ungewöhnlich kurzen Abstand. Für Entwickler und Publisher sei die zentrale Frage inzwischen, wie sich aufwendig produzierte Spiele vor schnell erstellten KI-Kopien schützen lassen. Für Vermeij ist das eine neue Welt, in der frühere Regeln der Spieleentwicklung zunehmend ihre Gültigkeit verlieren.
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