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Mehr als Classic Plus? WoW Forever fühlt sich nach zwei Stunden Anspielen schon wie WoW 2 an

Viele WoW-Fans haben sich jahrelang ein Classic Plus gewünscht: das vertraute Azeroth, erweitert um neue Abenteuer und sinnvoll überarbeitete Klassen. Doch World of Warcraft: Forever könnte deutlich über diese Vorstellung hinausgehen.

Diesen Eindruck schildert GameSpot-Autor Cameron Koch, der Blizzards neues MMO auf der BlizzCon rund zwei Stunden ausprobieren konnte. Sein Urteil: Hinter der vertrauten Fassade steckt ein so umfassender Neuanfang, dass er Forever sogar mit „WoW 2“ vergleicht.

Der neue Dungeon nimmt eine große Sorge vorweg

Eine der wichtigsten Fragen lautet: Wie viel modernes WoW verträgt Forever, bevor das ursprüngliche Spielgefühl verloren geht?

Koch konnte den neuen Dungeon The Drowned City ausprobieren, der sich an Charaktere im späten 30er- bis frühen 40er-Levelbereich richtet. Besonders beeindruckt hätten ihn zunächst die Lichtstimmung, gewaltige Kulissen und die neue Wasserdarstellung.

Beim Kämpfen fühlte sich der Ausflug hingegen ausgesprochen vertraut an. Gegnergruppen mussten vorsichtig angegangen werden, zusätzliche Feinde konnten die Gruppe schnell überfordern. Kontrollfähigkeiten, die richtige Positionierung und Pausen zur Regeneration von Mana und Gesundheit blieben wichtig.

Seine Sorge, Forever könnte das klassische Dungeon-Erlebnis zu stark an die moderne WoW-Version angleichen, habe diese Spielrunde deshalb deutlich abgeschwächt.

Für Classic-Fans ist das vielleicht die interessanteste Beobachtung des gesamten Anspielberichts: Die Umgebung kann moderner aussehen, während die Kämpfe weiterhin Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit verlangen.

Neue Quests sollen auch bekannte Gebiete verändern

Forever erweitert Azeroth nicht nur um vier neue Regionen. Laut dem Bericht verteilen sich die rund 1.000 zusätzlichen Quests auch auf bereits bekannte Gebiete und Startzonen.

Senior Game Designer Josh Greenfield nennt zum Vergleich etwa 3.000 bis 3.500 Quests im ursprünglichen WoW Classic. Die Erweiterung des Questbestands ist damit erheblich. Besonders bislang dünner ausgestattete Gebiete wie Azshara und das Sumpfland sollen davon profitieren.

Das könnte auch für Spieler interessant werden, die ihre alten Levelrouten längst auswendig kennen. Wer durch vertraute Landschaften zieht, soll dort tatsächlich neue Aufgaben entdecken können.

Die neuen Zonen wiederum sollen sich optisch möglichst selbstverständlich in die bestehende Welt einfügen. Blizzards Ziel ist laut Senior Art Director Jeff Parrott, dass sie wie Orte wirken, die schon immer zu Azeroth gehört haben könnten.

Klassen bekommen neue Möglichkeiten – aber nicht jede Idee aus Season of Discovery

Auch bei den Klassen gibt es Änderungen: neue Fähigkeiten, überarbeitete Talentbäume und zusätzliche Kombinationen aus Volk und Klasse.

Blizzard übernimmt dabei nicht einfach sämtliche Experimente aus Season of Discovery. Greenfield erklärt im Interview, dass das Team einige besonders weitreichende Ansätze zunächst zurücknimmt. Zum Einstieg soll die Identität der ursprünglichen Klassen klar erkennbar bleiben.

Der Bericht nennt beispielsweise keine Magier-Heiler oder Hexenmeister- und Schamanen-Tanks für den vorgestellten Stand. Daraus ergibt sich aber keine dauerhafte Absage: Greenfield betont, dass Forever über Jahre weiterentwickelt werden könne.

Der nächste Twink soll mehr bringen als einen weiteren Charakter

Besonders angetan zeigt sich Koch vom Legacy-System. Herausforderungen rund um Klassen, Berufe und Erkundung bringen Punkte, mit denen sich zusätzliche Vorteile freischalten lassen.

Blizzard beschreibt das System als Fortschritt über mehrere Charaktere hinweg: Die Punkte werden gemeinsam verfügbar, während jeder Charakter sie individuell in seinen Legacy-Bäumen verteilt. So kann auch das Hochspielen eines weiteren Charakters zum übergreifenden Fortschritt beitragen.

Hinzu kommt das Camping-System. Lagerfeuer werden zu Treffpunkten, an denen Spieler Vorteile erhalten und mit hergestellten Gegenständen etwas beitragen können. Der Gedanke dahinter passt zum langsameren Abenteuer: Begegnungen unterwegs sollen wieder einen eigenen Wert bekommen.

Die Controller-Steuerung überrascht einen langjährigen WoW-Spieler

Ein weiteres Detail fällt im Anspielbericht besonders positiv auf: Forever ließ sich bereits mit einem Controller ausprobieren.

Koch nutzte die Steuerung im Startgebiet der neuen Himmelsgeborenen, allerdings nicht während der Dungeon-Demo. Ziele werden über die Schultertasten gewechselt, während Fähigkeiten durch Kombinationen mit den Triggern erreichbar sind.

Obwohl er WoW seit 22 Jahren mit Maus und Tastatur spielt, habe sich diese Bedienung überraschend schnell natürlich angefühlt. Das ist noch kein Urteil darüber, wie gut anspruchsvolle Gruppeninhalte damit funktionieren. Für den Einstieg hinterließ sie bei ihm aber einen überzeugenden Eindruck.

Eine Konsolenversion bestätigt der Bericht damit nicht. Die Steuerung eröffnet zunächst eine zusätzliche Möglichkeit, WoW zu spielen.

Bei den neuen Elfen bleibt der Autor skeptisch

Ganz ohne Vorbehalte fällt Kochs Fazit nicht aus. Die Himmelsgeborenen, ein neues spielbares Elfenvolk für Horde und Allianz, gehören für ihn zu den weniger überzeugenden Ergänzungen.

Ihr Startgebiet habe zwar eindrucksvolle Landschaften zu bieten. Nach seinem Ausflug wirkten die Himmelsgeborenen auf ihn aber nicht unverzichtbar. Außerdem sieht er die Verfügbarkeit auf beiden Seiten kritisch, weil dadurch ein Stück der klaren Identität von Horde und Allianz verloren gehe.

Auch die zusätzliche Bezahlung des neuen Volkes spricht er an. Für die Freischaltung der Skyborne werden in Deutschland 30 Euro fällig. WoW Forever selbst ist dagegen im bestehenden WoW-Abonnement enthalten.

Warum der Vergleich mit WoW 2 trotzdem hängen bleibt

Der interessante Gedanke hinter Kochs Fazit ist die Verbindung zweier Ansätze: Forever behält das langsamere Abenteuer bei, verändert aber gleichzeitig Fortschritt, Bedienung und Inhalte.

Damit geht es um mehr als die Frage, ob alte Spieler noch einmal nach Azeroth zurückkehren. Entscheidend wird, ob sie dort genügend Neues finden, um erneut lange bleiben zu wollen.

Der Anspielbericht macht jedenfalls neugierig: Gerade der Dungeon scheint zu zeigen, dass Modernisierung und klassisches Spielgefühl zusammenpassen können. Ob sich dieser Eindruck durch das gesamte Abenteuer zieht, muss der längere Test zeigen.

Alle Informationen zur Teilnahme findet ihr in unserem Guide zur Beta von WoW Forever.

Ist das für euch der richtige Weg für Classic Plus oder gehen euch Controller-Steuerung, Legacy-System und neue Elfen schon zu weit?

Öffnet in einem neuen Tab

Nora zockt schon länger als sie laufen kann – zumindest behauptet sie das gerne. Ob mitten in einer Zombie-Apokalypse oder beim Looten in verlassenen Hochhäusern: Wenn es knallt, kracht oder Gänsehaut macht, ist sie dabei. Ihr Markenzeichen? Eine große Klappe, ein noch größeres Herz für Indie-Games – und eine ungesunde Obsession mit roten Lederjacken und Desert Eagles. Wenn sie nicht gerade dem Endboss eins überbrät, schreibt sie charmant-chaotische Reviews, in denen mehr Persönlichkeit steckt als in manchem NPC.

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