Die Ereignisse rund um Jean Pierre „JP“ Kraemer überschlagen sich weiter. Nachdem der Unternehmer zunächst eine Auszeit und eine Therapie angekündigt hatte und mehrere Geschäftspartner Konsequenzen gezogen hatten, folgt nun der bislang weitreichendste Schritt.
In einem neuen Video auf dem offiziellen YouTube-Kanal von JP Performance erklärt Kraemer, dass er JP Performance nicht weiterführen werde. Darüber hinaus kündigt er an, seine Unternehmungen schließen zu wollen.
Gleich zu Beginn des rund viereinhalbminütigen Videos sagt Kraemer:
„Ich möchte euch mitteilen, dass ich die Firma JP Performance nicht weiterführen werde.“
Später wird er noch deutlicher:
„Ich werde alle Unternehmungen schließen.“
Das vollständige Statement hat Kraemer auf YouTube veröffentlicht.
JP Kraemer spricht von seinem „letzten Video“
Kraemer eröffnet das Statement mit der Ankündigung, dass es nach seiner Einschätzung das letzte Video sein werde, das er aufnehme und veröffentliche.
Er wolle darin in Ruhe erklären, wie er sich fühle, warum er diese Entscheidung treffe und wie es nun weitergehen solle.
Im Zentrum des Videos steht erneut seine Entschuldigung gegenüber seiner Noch-Ehefrau Julia. Kraemer sagt:
„Ich möchte mich vorab bei allen Menschen entschuldigen, vor allen Dingen bei dir, Julia, was ich dir angetan habe und wie ich dich verletzt habe – körperlich sowie menschlich.“
Kraemer hatte zuvor bereits eingeräumt, gegenüber seiner Frau körperlich übergriffig geworden zu sein. Ende August kündigte er daraufhin eine Auszeit und eine Therapie an.
„Ich bin einfach nicht ganz in Kontrolle immer“
In seinem neuen Statement spricht Kraemer erneut über sein eigenes Verhalten. Dabei sagt er unter anderem:
„Ich bin kein böser Mensch. Ich bin, glaube ich, einfach nicht ganz in Kontrolle immer.“
Er betont gleichzeitig, dass er mit dem Video keine Schadensbegrenzung betreiben wolle.
Kraemer spricht außerdem davon, dass möglicherweise noch weitere Dinge öffentlich würden, bei denen er Menschen verletzt habe. Gleichzeitig erklärt er, dass sich unter den gegen ihn erhobenen Vorwürfen seiner Ansicht nach auch Dinge befänden, die nicht stimmen würden. Auf Einzelheiten wolle er jedoch nicht eingehen.
„Aber es ist nicht der Punkt, wo ich mich als den Verletzten hinstellen soll.“
Stattdessen wolle er sich verabschieden.
JP Performance soll nicht weitergeführt werden
Besonders weitreichend ist Kraemers Aussage zur Zukunft seiner Unternehmen.
Er bedankt sich im Video ausdrücklich bei seinen Mitarbeitern und beschreibt, wie wichtig ihm seine Arbeit gewesen sei:
„Ich habe euch alle sehr geliebt. Ich habe geliebt, was ich tue. Sehr, vielleicht zu doll.“
Anschließend erklärt Kraemer zunächst, JP Performance nicht weiterführen zu wollen. Rund zweieinhalb Minuten nach Beginn des Statements erweitert er diese Aussage:
„Ich werde alle Unternehmungen schließen.“
Wie genau diese Schließungen organisatorisch umgesetzt werden sollen, ist derzeit allerdings noch offen.
Kraemer sagt selbst, dass er nun klären müsse, was mit bereits bestellten Waren, Gebäuden und den weiteren geschäftlichen Verpflichtungen geschehe.
„Ich muss gucken, wie ich das alles geregelt kriege, wie ich die Sachen, die wir bestellt haben, was man damit macht, was damit passiert, was mit den Gebäuden passiert.“
Damit handelt es sich aktuell zunächst um Kraemers angekündigte Entscheidung. Wann einzelne Unternehmen tatsächlich schließen, welche Gesellschaften konkret betroffen sind und wie es für die Mitarbeiter weitergeht, geht aus dem Video noch nicht hervor.
Erst gestern war die Zukunft der Betriebe noch anders dargestellt worden
Die neue Aussage ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Stand zuvor noch ein anderer war.
Nach Kraemers erster Ankündigung einer Auszeit sollten mehrere Betriebe in Dortmund zunächst weiterlaufen. Dazu gehörten unter anderem das PACE Automobil Museum sowie gastronomische Angebote aus Kraemers Unternehmensumfeld. Entsprechende Informationen hatte unter anderem t-online am 31. August veröffentlicht.
Mit dem neuen Statement vom 1. September geht Kraemer nun wesentlich weiter und spricht ausdrücklich von der Schließung seiner Unternehmungen.
Ob tatsächlich alle Betriebe vollständig eingestellt oder einzelne Geschäftsbereiche möglicherweise verkauft, übertragen oder anderweitig weitergeführt werden, bleibt abzuwarten.
BVB und Gönrgy hatten zuvor bereits Konsequenzen gezogen
Der Schritt folgt unmittelbar auf zunehmende wirtschaftliche Konsequenzen.
Die von MontanaBlack mitgegründete Getränkemarke Gönrgy hatte auf Instagram erklärt, die Zusammenarbeit mit Kraemer zu beenden. Die Marke distanzierte sich dabei ausdrücklich von Gewalt gegen Frauen sowie Gewalt generell.
Auch Borussia Dortmund reagierte. Die gemeinsame BVB-x-JP-Performance-Kollektion ist nicht mehr Bestandteil des Sortiments. Ein Vereinssprecher bestätigte, dass die Produkte auch auf der Website nicht mehr angeboten werden.
Damit hatte sich der wirtschaftliche Druck auf Kraemer bereits vor dem neuen Video deutlich erhöht.
Kraemer will sich nun um sich selbst kümmern
Gegen Ende des Videos spricht Kraemer davon, dass für ihn eine lange persönliche und berufliche Reise ende.
„So endet das.“
Er wolle sich nun intensiv um sich selbst kümmern und herausfinden, wie er mit seiner Situation umgehen könne.
Kurz vor Schluss bittet Kraemer außerdem um Vergebung:
„Wenn es irgendwo eine Chance gibt, mir zu verzeihen, dann bitte verzeiht mir.“
Danach erklärt er noch einmal ausdrücklich, dass er sich zurückziehen werde.
„Ich bin auch weg.“
Wie lange der Rückzug dauert und ob Kraemer tatsächlich dauerhaft nicht mehr öffentlich auftreten wird, lässt sich derzeit nicht beurteilen. Seine Formulierungen im aktuellen Video fallen allerdings deutlich endgültiger aus als in den vorherigen Statements.
Was passiert jetzt mit JP Performance, PACE und den Mitarbeitern?
Die größten offenen Fragen betreffen nun die praktische Umsetzung.
Kraemer nennt bislang keinen konkreten Zeitplan für die angekündigten Schließungen. Ebenso ist noch unklar, was mit Mitarbeitern, Warenbeständen, Immobilien und bestehenden Verträgen geschieht.
Das betrifft nicht nur JP Performance selbst, sondern potenziell auch weitere Unternehmen und Marken aus Kraemers Umfeld. Welche davon er mit seiner Formulierung „alle Unternehmungen“ konkret einschließt, erläutert er im Video nicht einzeln.
Entsprechend wäre es derzeit zu früh, einzelne Betriebe bereits als endgültig geschlossen zu bezeichnen.
Fest steht jedoch: JP Kraemer selbst kündigt an, JP Performance nicht weiterzuführen und seine Unternehmungen schließen zu wollen.
Das ist nach der angekündigten Therapie, dem Rückzug aus der Öffentlichkeit und dem Ende mehrerer Kooperationen die bislang weitreichendste Konsequenz, die Kraemer selbst öffentlich gezogen hat.
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