Der technisch desolate Start von Cyberpunk 2077 hat das Vertrauen vieler Spieler nachhaltig beschädigt. Bei The Witcher 4 möchte CD Projekt RED eine Wiederholung verhindern und setzt deshalb bereits während der laufenden Entwicklung auf grundlegend veränderte Abläufe.
Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft die Konsolenversionen: Das kommende Rollenspiel läuft nach Angaben von Co-CEO Michał Nowakowski schon jetzt auf allen vorgesehenen Plattformen. Technische Probleme sollen dadurch deutlich früher erkannt und nicht erst kurz vor der Veröffentlichung behoben werden.
The Witcher 4 ist auf allen Zielplattformen spielbar
Auf welchen Plattformen läuft The Witcher 4 bereits? Laut Nowakowski lässt sich eine aktuelle Version des Rollenspiels im Studio auf PC, PlayStation 5 und Xbox Series X starten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass The Witcher 4 bereits fertig oder auf allen Systemen vollständig optimiert ist. Vielmehr entwickelt CD Projekt RED die unterschiedlichen Fassungen parallel und überprüft während der gesamten Produktion, ob neue Funktionen auf jeder Plattform korrekt laufen.
Damit verfolgt das Studio einen deutlich anderen Ansatz als bei Cyberpunk 2077. Dessen Entwicklung konzentrierte sich über lange Zeit vor allem auf leistungsstarke PCs. Intern sei man davon ausgegangen, die Grafik später ohne größere Schwierigkeiten an die damals aktuellen Konsolen anpassen zu können.
Diese Annahme erwies sich als folgenschwerer Irrtum. Besonders die Versionen für PlayStation 4 und Xbox One erschienen im Dezember 2020 mit erheblichen technischen Problemen. Sony entfernte Cyberpunk 2077 zwischenzeitlich sogar aus dem PlayStation Store und bot Käufern Rückerstattungen an.
Grafische Ambitionen wurden zum Problem
Nowakowski zufolge wollte CD Projekt RED mit Cyberpunk 2077 die Grenzen bei Grafik und filmischer Inszenierung verschieben. Der PC eignete sich dafür am besten, wodurch die Konsolenversionen während großer Teile der Entwicklung nicht gleichberechtigt behandelt wurden.
Ähnliche Schwierigkeiten habe es bereits bei The Witcher 3: Wild Hunt gegeben. Damals sei das Studio an einigen Stellen jedoch mit Glück davongekommen. Dieser Erfolg habe offenbar zu der falschen Sicherheit beigetragen, technische Rückstände auch bei Cyberpunk 2077 später noch aufholen zu können.
Bei The Witcher 4 will CD Projekt RED solche Risiken nicht mehr eingehen. Sobald eine neue Funktion oder ein technischer Bestandteil auf einer Plattform nicht ordnungsgemäß läuft, soll die weitere Arbeit unterbrochen werden, bis das Problem behoben ist.
Technische Mängel werden nicht mehr aufgeschoben
Auch die internen Meilensteine wurden neu organisiert. In der Vergangenheit ließ das Studio einzelne unerfüllte Anforderungen teilweise offen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.
Das Problem: Werden bei mehreren aufeinanderfolgenden Produktionsschritten jeweils kleinere Mängel verschoben, wächst daraus schnell ein erheblicher technischer Rückstand. Genau diesen Effekt möchte CD Projekt RED künftig verhindern.
Für The Witcher 4 gilt deshalb ein strengerer Prüfprozess. Ein Meilenstein soll erst dann als abgeschlossen gelten, wenn sämtliche dafür vorgesehenen technischen Anforderungen erfüllt sind. Kleinere Probleme einfach in eine spätere Entwicklungsphase mitzunehmen, ist nach der neuen Philosophie nicht mehr vorgesehen.
Dieser Ansatz benötigt zwar mehr Zeit, soll dafür aber einen stabileren Entwicklungsverlauf ermöglichen. Ob The Witcher 4 am Ende tatsächlich auf allen Plattformen technisch überzeugen kann, lässt sich in der aktuellen Produktionsphase noch nicht beurteilen. Die parallele Entwicklung der PC- und Konsolenversionen beseitigt jedoch eine der größten strukturellen Schwächen, die zum problematischen Start von Cyberpunk 2077 beigetragen hatten.
The Witcher 4 entsteht mit der Unreal Engine 5 und eröffnet eine neue Saga innerhalb der Rollenspielreihe. Im Mittelpunkt steht diesmal Ciri, während Geralt von Riva nicht mehr als Hauptfigur dient. Einen konkreten Veröffentlichungstermin hat CD Projekt RED bislang nicht genannt.

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