PLAYCENTRAL PREVIEW The Quiet Man

The Quiet Man: Ein Film, ein Spiel, oder beides auf einmal?

Von Yannick Arnon - Preview vom 01.09.2018 10:11 Uhr

Auch wir haben die E3-Präsentation von Square Enix in diesem Jahr verfolgt und sind nach der Enthüllung von The Quiet Man mit vielen Fragen zurückgelassen worden. Selbst nach einem Besuch bei Square Enix auf der diesjährigen gamescom haben wir in vielen Punkten noch keine Antwort bekommen, gewannen aber dafür einen Eindruck, was man mit dem Mix aus Actionspiel und Spielfilm bezwecken will.

Taten sprechen lauter als Worte

Auf den ersten Blick ist Dane ein typischer, westlicher Action-Protagonist. Ein männlicher Kaukasier in Straßenkleidung, geschätzt in seinen Zwanzigern. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied, welcher den Hauptcharakter von The Quiet Man ausmacht: Er ist taubstumm.

So beginnt auch die Präsentation eher unkonventiell als eine Art Roundtable-Diskussion, im Vorführraum warten bereits Kensei Fujinaga (Producer), Shuichito Hamada (Live-Action Team Leader) sowie Randy Redetzke und Ashley Welch von Human Head Studios. Auf dem Bildschirm läuft ein Loop aus Cutscenes und Gameplay, zu hören ist davon kein Ton.

The Quiet Man ist ein Hybrid aus Film und Videospiel, der Titel besteht zu 60% aus Live-Action-Sequenzen, von denen die längste ca. 8 Minuten dauert. Für die Koproduktion zwischen Square Enix und Human Head Studios hat man sich für eine an den Indie-Sektor ähnliche Denkweise entschieden, mit starkem Fokus auf das Grundkonzept. So erklärt Fujinaga-san, dass man vor allem eine Verbindung zwischen passivem und aktiven Entertainment, respektive Film und Spiel, schaffen wolle.

Aus der anfänglichen Idee des taubstummen Protagonisten kamen schließlich der Plot und das Design zusammen. An der Story war Joe Kelly, Teil des Autorenkollektivs Man of Action (Ben 10, Der ultimative Spider-Man, Generator Rex), maßgeblich beteiligt, ansonsten erfahren wir nur Häppchen zu der Handlung. Eine Dane nahestende Person ist von einem maskierten Schurken entführt worden und Dane muss sich auf der Suche nach Spuren durch die dunkelsten Ecken von New York City kämpfen.

Die Story ist auf sechs Kapitel aufgeteilt, die innerhalb einer Nacht spielen. Im Verlauf der Handlung wird Dane zu zunehmend brutaleren Mitteln greifen müssen, um an Antworten zu kommen. Hamada-san, der für die Realfilm-Sequenzen verantwortlich ist, hat bereits als Regisseur für die Yakuza-Serie sein Talent für Martial-Arts-Fights bewiesen. Auch für in Cutscenes verwendete Zeichensprache hat man mit Experten zusammengearbeitet, um sie originalgetreu darszustellen.

Die Soundkulisse besteht daher nicht aus Stille, sondern aus dumpfen Klängen, wie sie üblicherweise von tauben Menschen wahrgenommen werden. Auf die Frage, ob Dane bereits taubstumm geboren wurde, wollen die Entwickler keine Antwort geben. Während des Loops ist eine Flashback-Sequenz aus Danes Kindheit zu sehen, über deren Bedeutung für unsere Frage wir nur mutmaßen können. Wie auch den Rest der gezeigten Szenen, ganz ohne Ton und Untertitel.

Für die Kämpfe kommt ein Freeflow-System zum Einsatz, das bewusst simpel gehalten ist. Ganz ohne Tutorial, HUD oder Audio-Cues sollt ihr intuitiv Gegner vermöbeln können, Abwechslung sollen die Bosskämpfe versprechen. Aktuell gibt es nur einen Schwierigkeitsgrad, da man auf ein für Einsteiger zugängliches Erlebnis setzt. Die Länge der strikt linear ablaufenden Kampagne wird auf ca. drei Stunden geschätzt, dafür liegt der Preis entsprechend bei 14,99 Euro. Also etwa so viel, wie ein Film auf DVD bzw. Blu-ray.

Fazit

Eine Viertelstunde lang überlege ich, ob ich die Entwickler fragen soll, ob sie die Lautstärke auf dem Fernseher etwas aufdrehen können – bis mir klar wird, dass es sich dabei um Absicht handelt. Die genaue Einschätzung von The Quiet Man fällt zum jetzigen Zeitpunkt schwer. Zu viel über die Story ist noch im Dunkeln, ebensowenig konnten wir selbst spielen. In den Neunzigern gab es FMV-Spiele wie Sand am Meer, qualitativ überzeugen konnten nur die wenigsten.

Die Wahl eines taubstummen Protagonisten und die Auswirkungen dieser Entscheidung auf das Gameplay hat jedoch Potenzial. Bleibt abzuwarten, ob dies nur ein Gimmick ist oder über das gesamte Spiel überzeugen kann. Wer etwas für Kung-Fu-Filme übrig hat, sollte The Quiet Man im Auge behalten.

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