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Attack on Titan Final Season: Waren Erens Taten gerechtfertigt?

Von Sven Raabe - Special vom 02.05.2022 09:10 Uhr
Attack on Titan Staffel 4 Rumbling Eren gerecht
© Hajime Isayama, Kodansha/ATTACK ON TITAN Production Committee

Achtung, es folgen massive Spoiler: Vor wenigen Wochen gipfelte der 2. Part von Attack on Titan Final Season in seinem großen Finale. Darin nahm Erens Plan endlich konkrete Formen an und zeigte seine wahre Gestalt. Das Rumbling hat begonnen und es gibt kein Entkommen. Doch war diese Tat gerechtfertigt?

Spoiler Warnung

Erens Motivation ist nachvollziehbar

Genau dieses Ereignis, das Rumbling, wollen wir uns nun genauer ansehen. Es ist das Geschehen, auf das alles im Anime-Hit hinausläuft und hinauslaufen musste. Der Krieg zwischen unseren Hauptcharakteren und ihren Gegnern aus Marley, deren Truppen auf der Insel Paradis eingefallen sind, hat seinen Höhepunkt erreicht. Gleichzeitig erreicht Eren sein Ziel: Er erhält die Macht des Urtitanen.

Es ist der Anfang vom Ende der Welt, der anschließend hinaufzieht. In einer bedrohlichen Ansprache erklärt unsere Hauptfigur, er habe die Titanen, die in den Mauern Shiganshinas versiegelt waren, befreit. Diese nehmen nun Kurs auf das Festland, um Marley und alle anderen Feinde auszurotten. Hilflos müssen die übrigen Charaktere mit ansehen, wie die gewaltigen Monster zu ihrem Marsch aufbrechen.

Der Grund, aus dem Eren zu diesem drastischen Mittel greift, ist durchaus nachvollziehbar. Er und Ymir, die ihm die Macht über den Urtitanen gegeben hat, verstehen einander. Sie haben erkannt, dass es keinen Frieden geben kann, wenn der Kreislauf der Gewalt nicht endlich durchbrochen wird. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Genozid der Menschheit für sie das effektivste Mittel.

Zudem scheint die Meinung vieler Menschen über die Dämonen von der Insel festgefahren. Seit Jahrhunderten wurde ihnen beigebracht, auf Paradis würden Teufel leben, die eine Gefahr für die Welt darstellen würden. Dass es die Nachfahren der Leute sind, die für die einstigen Gräueltaten verantwortlich waren, ist egal. Auch wenn sie nicht direkt schuld sind, haben sie diese doch von ihren Ahnen geerbt.

Eren überzeugt Ymir, ihm die Macht des Urtitanen zu geben © Hajime Isayama, Kodansha/ATTACK ON TITAN Production Committee

Eren hat erkannt, dass es keinen echten Frieden geben kann, wenn die Menschen einander hassen. Deshalb wurde er absichtlich zu einem Übel, das die Menschheit nur mit vereinten Kräften auslöschen könnte. Alte Zweifel und Widrigkeiten müssen begraben werden, um den Feind aller Menschen zu besiegen. Unser Hauptcharakter nimmt somit den Tod von Millionen in Kauf, um seine Freunde und auf lange Sicht womöglich Milliarden zu retten. Durch die Ereignisse im Verlauf der 4 „Attack on Titan“-Staffeln verstehen wir, wieso Eren so denkt.

Eren sehnt sich nach Freiheit – für sich und seine Freunde

Das, wonach sich Eren sehnt, ist Freiheit. Seit Armin ihm in ihrer Kindheit ein Buch über die Welt außerhalb der Mauern zeigte, wurde ihm jedoch klar, dass er gefangen ist. Während sein Freund mit leuchtenden Augen von den Wundern der Natur träumte, sah unsere Hauptfigur nur jene, die ihm seiner Freiheit berauben wollten: Der König, die Titanen sowie Marley und die übrigen Menschen auf der anderen Seite des Meeres, die sie unterdrückten und die ihm und seinen Freunden den Tod wünschten.

Eren spricht mit seinem Vater © Hajime Isayama, Kodansha/ATTACK ON TITAN Production Committee

Zunächst will er deshalb alle Titanen ausrotten, doch als die Erinnerungen der vorherigen Träger des Attackierenden Titanen in Eren erwachen, merkt er, dass er zu kurz gedacht hat. Er hat sein zukünftiges Ich gesehen und Visionen einer Zukunft erhalten, für die ein Ereignis wir das Rumbling die einzige Lösung darstellt. Um Freiheit zu erlangen, müssen aus seiner Sicht die übrigen Menschen ausgelöscht werden.

Eines der zentralen Themen in „Attack on Titan“, wenn nicht gar das zentrale Thema des Anime-Epos, ist, ähnlich wie auch in „One Piece“, das Streben nach Freiheit. Anders als Ruffy ist Eren allerdings kein gutherziger Charakter und bei genauer Betrachtung war er nie einer. Er wurde in eine Welt hineingeboren und von einer Welt geformt, die keinen Helden brauchte, sondern das genaue Gegenteil.

Eren und seine Freunde erreichen endlich das Meer © Hajime Isayama, Kodansha/ATTACK ON TITAN Production Committee

Sollte er einmal einen ähnlichen Traum wie Armin gehabt haben, dann ist dieser bereits vor langer Zeit gestorben. Mittlerweile wird Eren von Hass und Wut angetrieben, die ihn zerfressen – so sehr, dass es schmerzt. Die Menschheit selbst, die ganze Welt, ist der Feind, der um jeden Preis verschwinden muss. Als er an der Seite von Armin und Mikasa das Meer erblickt, erkennt er erst, wie unerreichbar ihre Freiheit wirklich ist.

Die Welt ist ein grausamer Ort

Eren handelt letztendlich seiner Natur entsprechend. Bereits in jungen Jahren hatte er keine Scheu davor, extreme Gewalt anzuwenden, um ihm wichtige Personen zu beschützen. Im Laufe der Jahre und aufgrund der zahlreichen Entwicklungen in „Attack on Titan“ hat er neue Wege gefunden, um seinen Zorn und seine Aggression rauszulassen – um eine Seite auszuleben, die schon immer da war. Die Welt ist ein grausamer Ort, an dem niemand unschuldig ist, und er musste grausam sein, um darin zu überleben.

Das Rumbling hat begonnen © Hajime Isayama, Kodansha/ATTACK ON TITAN Production Committee

Von einem moralischen Standpunkt aus betrachtet, sind Erens Taten im Rahmen des Rumblings unverzeihlich. Er verdammt Millionen Menschen zum Tode und löscht am Ende 80 Prozent der Erdbevölkerung aus. Darüber hinaus weiß er nicht, wie ein Großteil der Menschheit tatsächlich über die Leute auf der Insel Paradis denkt. Wir erleben die Geschichte, auch wenn wir zwischen verschiedenen Ländern und Epochen springen, am Ende des Tages aus einer sehr limitierten Perspektive. Nicht jede Meinung erhält Gehör.

Was richtig oder falsch ist, lässt sich deshalb kaum noch sagen. Zeichnete die Geschichte am Anfang noch ein Bild mit sehr deutlichen Kontrasten, verschwimmen diese letztendlich immer mehr zu einer grauen Masse. Bei all den Graustufen, die uns die Reihe zeigt, scheint niemand wirklich unschuldig zu sein. Gerade deshalb ist es so extrem spannend, sich zu fragen, ob Erens Taten im Rahmen des Rumblings gerechtfertigt waren. Das liegt auch daran, dass in Eren trotz seiner grausamen Natur noch einen Funken Menschlichkeit zu haben scheint, der weiß, etwas Unverzeihliches getan zu haben.

Eren erklärt der Menschheit den Krieg © Hajime Isayama, Kodansha/ATTACK ON TITAN Production Committee

Diesen letzten Rest des Guten, das er einst hatte, musste Eren jedoch tief in sich vergraben. So tief, dass er seine Freunde und die gesamte Welt gegen sich aufbringen konnte, um die Menschheit zu retten, indem er sie (fast) vernichtet. Vielleicht hätte es einen besseren, vielleicht sogar einen friedlicheren Weg gegeben, wenn er und seine Freunde nur härter daran geglaubt und dafür gearbeitet hätten. Diese Möglichkeit macht all die Ereignisse und das Endergebnis umso tragischer.

Es ist ein Punkt, über den „Attack on Titan“-Fans bereits seit Jahren streiten und vermutlich noch lange streiten werden. Spätestens, wenn 2023 der abschließende 3. Part der Final Season veröffentlicht wird. Eren wird letztendlich zu dem, was er einst bekämpfen wollte. Er weigert sich, die Welt zu akzeptieren und bleibt bis zum Ende gefangen. Waren Erens Taten nun gerechtfertigt? Nein, für Genozid kann es keine Rechtfertigung geben. Selbst wenn Erens Motivation, sich selbst und jene, die er liebt, befreien zu wollen, nachvollziehbar ist, so ist sein Handeln doch falsch.

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Jetzt seid ihr dran: Was ist eure Meinung zu Erens Taten und dem Rumblin in „Attack on Titan“? Verratet es uns gerne unten in den Kommentaren.

Anime-Liebhaber, Dragon Ball-Fan auf Super-Saiyajin Blue-Level, Videospiel-Enthusiast mit einem Hang zu Action-Adventures und abgedrehten Hack'n'Slays. Außerdem Sith-Lord (oder vielleicht doch Jedi?) mit einer Schwäche für DC- und Marvel-Adaptionen.
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