Rockstar Games will Grand Theft Auto 6 nicht in eine Alltagssimulation verwandeln. Obwohl Vice City und der Bundesstaat Leonida mit zahlreichen glaubwürdigen Details ausgestattet werden, soll der Spielspaß stets Vorrang vor kompromisslosem Realismus haben.
Rob Nelson, Entwicklungsleiter und Co-Studioleiter von Rockstar North, hat diese Designphilosophie in einem am 5. Oktober 2026 veröffentlichten Originalinterview erläutert. Realistische Elemente seien für das Studio vor allem dann wertvoll, wenn sie die Verbindung zur Spielwelt, zur Handlung und zu den Figuren Jason Duval und Lucia Caminos stärken.
Realismus darf in GTA 6 nicht zur Arbeit werden
Nach Nelsons Worten beginnt jede Designentscheidung mit dem Ziel, das Publikum zu unterhalten. Ein glaubwürdiger Ablauf kann die Immersion erhöhen, zu viele verpflichtende Handgriffe würden eine Mechanik jedoch schnell mühsam machen.
Manchmal müssen sich Dinge realistisch anfühlen, um die Immersion zu unterstützen. In anderen Fällen müssen wir auf Realismus verzichten und uns für das entscheiden, was für die Spielenden am bequemsten ist. Zu viel Realismus kann ermüdend wirken, deshalb versuchen wir, die richtige Balance zu finden.
Diese Herangehensweise betrifft nicht nur einzelne Aktionen. Rockstar entscheidet auch bei der Gestaltung der offenen Welt, welche Aspekte der Realität einen spielerischen oder erzählerischen Zweck erfüllen. Details ohne Mehrwert können dagegen bewusst vereinfacht oder vollständig gestrichen werden.
Ein auffälliges Beispiel ist das Tanken von Fahrzeugen. Berichten von einer eingeladenen Präsentation bei Rockstar North zufolge verbrauchen Autos in GTA 6 Kraftstoff und können an Tankstellen aufgefüllt werden. Der eigentliche Vorgang soll als kurzes Quick-Time-Event umgesetzt sein und ungefähr zehn Sekunden dauern. Damit bleibt das System relevant, ohne jede Fahrt unnötig auszubremsen.
Rockstar strich ein aufwendiges Einkaufssystem
Wie weit Rockstar während der Entwicklung experimentiert hat, zeigt ein verworfenes Lebensmittelsystem. Jason und Lucia konnten zeitweise in Geschäften einkaufen, ihre Lebensmittel nach Hause bringen und damit den Kühlschrank ihres Unterschlupfs auffüllen.
Nelson erklärte im Famitsu-Interview, dass diese Version zu kompliziert geworden sei. Das Team vereinfachte den Ablauf deshalb, behielt aber die spielerisch wichtigen Bestandteile rund um Ernährung und körperliche Entwicklung bei.
Essen bleibt somit mehr als eine reine Rollenspielanimation. Mahlzeiten und Getränke können Werte beeinflussen, während Training die körperliche Verfassung der Hauptfiguren verbessert. Jason und Lucia können Muskeln aufbauen oder durch übermäßiges Essen zunehmen. Erfasst werden unter anderem Gesundheit, Kondition und Fitness.
Auch Fitnessstudios besitzen einen konkreten Nutzen. Beim Training muss die Belastung kontrolliert werden, da zu schnelle Bewegungen zusätzliche Kraft kosten. Die Übungen funktionieren damit als kleine Geschicklichkeitseinlagen und nicht lediglich als vorgefertigte Zwischensequenzen.
Vice City soll glaubwürdig statt vollständig realistisch wirken
Rockstar verfolgt damit einen Mittelweg zwischen Red Dead Redemption 2 und dem schnelleren Spieltempo der GTA-Reihe. Alltagshandlungen sollen Leonida lebendiger machen, dürfen Raubüberfälle, Verfolgungsjagden und die freie Erkundung aber nicht durch permanente Pflichten überlagern.
Die Entwickler wollen keine vollständige Simulation des Lebens in Vice City erschaffen. Entscheidend ist vielmehr, dass jede Mechanik die Welt, ihre Bewohner oder die Geschichte unterstützt. Grand Theft Auto 6 erscheint laut Rockstar Games am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X/S.
Öffnet in einem neuen Tab

Deine Meinung zählt
Wie siehst du das? Teile deine Gedanken mit der PlayCentral-Community.