Ein vermeintlicher Leak zu Left 4 Dead 2 entpuppt sich 17 Jahre später als gezielte Aktion von Valve. Der Entwickler stellte den eigenen Cinematic-Trailer damals selbst ins Netz, nachdem die US-Altersfreigabe ESRB eine offizielle Veröffentlichung verhindert hatte. Das verriet der frühere Valve-Autor und Projektleiter Chet Faliszek nun in einem Video.
Der betreffende Trailer erschien 2009 wenige Wochen vor der Veröffentlichung von Left 4 Dead 2. Das aufwendig produzierte Video zeigt die vier Überlebenden Coach, Ellis, Nick und Rochelle im Kampf gegen die Infizierten. Später wurde es als Intro des fertigen Spiels verwendet.
Bislang galt die vorzeitige Veröffentlichung als gewöhnlicher Leak. Tatsächlich steckte jedoch offenbar das Entwicklerteam selbst dahinter.
Die ESRB wollte den Trailer nicht freigeben
Faliszek sprach in einem aktuellen Video eigentlich über Dialogzeilen, die während der Entwicklung von Left 4 Dead und dessen Nachfolger entfernt wurden. Dabei erinnerte er sich an die damaligen Auseinandersetzungen mit Altersfreigabestellen und Behörden.
Valve habe seinerzeit unter anderem mit der ESRB sowie Verantwortlichen in Australien und Deutschland über Gewaltdarstellungen und Schimpfwörter gestritten. Die Vorgaben betrafen nicht nur die Spiele selbst, sondern auch deren Vermarktung.
Für Trailer galten teilweise strengere Regeln als für ein fertiges Spiel mit entsprechender Altersfreigabe. Gewaltdarstellungen, Blut, drastische Szenen oder bestimmte Ausdrücke konnten deshalb dazu führen, dass ein Werbevideo nicht offiziell veröffentlicht werden durfte.
Genau das passierte offenbar mit dem Cinematic-Trailer von Left 4 Dead 2. Die ESRB verweigerte laut Faliszek die Freigabe. Valve entschied sich daraufhin für einen ungewöhnlichen Ausweg.
Aus einem verbotenen Trailer wurde ein inszenierter Leak
„Wir haben unseren Trailer vorzeitig geleakt, weil sie uns nicht erlaubt haben, ihn zu veröffentlichen“, erklärte Faliszek. Nach so vielen Jahren könne er das vermutlich zugeben, ohne noch Schwierigkeiten zu bekommen.
Das Team brachte das Video demnach selbst als vermeintlich nicht autorisierte Veröffentlichung ins Internet. Dort verbreitete es sich wie ein gewöhnlicher Leak, ohne dass Valve es offiziell als Werbematerial bereitstellen musste.
Die Strategie verschaffte dem Trailer zusätzliche Aufmerksamkeit. Gleichzeitig konnte Valve den Eindruck aufrechterhalten, das Material sei ohne Zustimmung des Unternehmens veröffentlicht worden.
Faliszek zufolge lässt sich der ursprüngliche Leak heute nur noch schwer finden. Das Material selbst ist jedoch keineswegs verloren: Es wurde später als Eröffnungssequenz in die Verkaufsversion von Left 4 Dead 2 übernommen.
Die Aussagen sind im Video von Chet Faliszek ab ungefähr Minute 13:50 zu hören.
Valve stritt auch über das bekannte Cover
Der Trailer war nicht der einzige Bestandteil des Marketings, der 2009 für Diskussionen sorgte. Auch das bekannte Cover mit einer verstümmelten Hand musste für verschiedene Märkte angepasst werden.
Die ursprüngliche Darstellung zeigte eine Hand, an der nur zwei Finger übrig geblieben waren – passend zur Zahl im Titel. Für die freigegebene Version wurden weitere Finger lediglich nach unten gebogen dargestellt, anstatt sie abgetrennt zu zeigen.
In Großbritannien musste das Motiv nochmals verändert werden. Die Ausrichtung der zwei ausgestreckten Finger konnte dort als beleidigende Geste verstanden werden.
Besonders weitreichende Folgen hatte die Gewaltdarstellung in Australien. Das Spiel erhielt zunächst keine Freigabe und erschien deshalb nur in einer stark entschärften Fassung. Deutschland bekam ebenfalls eine zensierte Version. Die ungeschnittene internationale Fassung wurde hierzulande erst Jahre später neu geprüft und schließlich freigegeben.
Der angebliche Leak war erfolgreich
Aus heutiger Sicht wirkt das damalige Video angesichts wesentlich drastischerer Spiele und Trailer vergleichsweise harmlos. 2009 reichten die gezeigten Kämpfe, Blutspuren und Angriffe der Infizierten jedoch aus, um eine reguläre Veröffentlichung zu verhindern.
Valve umging diese Entscheidung offenbar mit einer ebenso simplen wie riskanten Methode: Wenn der Trailer offiziell nicht erscheinen durfte, musste er eben scheinbar unbeabsichtigt ins Netz gelangen.
Damit ist nach 17 Jahren geklärt, wer hinter einem der bekanntesten vermeintlichen Valve-Leaks steckte: Valve selbst.
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