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Renfield: Nicolas Cage ist Graf Dracula (Filmkritik)

Von Heiner Gumprecht - News vom 17.05.2023 23:09 Uhr
Renfield: Nicolas Cage ist Graf Dracula (Filmkritik)
© Universal Studios.

Die uralte Legende von Graf Dracula und seinem Diener Renfield geht eigentlich immer. Seien es die Klassiker mit Bela Lugosi (schaurig und wegbereitend), moderne Varianten wie Bram Stoker´s Dracula (egal ob mit Jack Palance oder Gary Oldman) oder gerne auch alberner Unsinn wie Tot aber glücklich mit Leslie Nielsen. Der Mythos ist in jeder Variante einnehmend und faszinierend.

Wenn es also heißt, dass ausgerechnet Nicolas Cage, der Meister des Overactings, in die Rolle des blutsaugenden Adligen schlüpft, dann ist es egal, dass der Film eigentlich „Renfield“ heißt und sich um den namensgebenden Gehilfen von Dracula dreht, denn wir hören schon gar nicht mehr zu. Was kann an einem Film, wo Cage Vlad III. Draculea spielt schon verkehrt sein?

Nun, die Antwort schockt schlimmer als von einem Pfahl im Herzen geweckt zu werden und das ganze Mausoleum voll zu bluten. Die Horror-Komödie, die offiziell am 25. Mai 2023 in den deutschen Kinos anläuft, macht nämlich wenig aus ihren Stärken und kittet ganz viel Hohlraum mit einer äußerst öden Paste aus lieblosen Ideen. Aber alles der Reihe nach…

Renfield: Unsere spoilerfreie Kritik

Der neue Film von Regisseur Chris McKay würde gerne als direkte Fortsetzung von Ted Brownings Dracula von 1931 wahrgenommen werden und er gibt sich ziemlich große Mühe, diesen Bogen zu spannen. Dafür hat Nic Cage extra Szenen aus den alten Universal-Monster-Filmen nachgedreht, die Zuschauer*innen von Renfield passend in schwarz-weiß präsentiert werden.

Und genau hier liegt auch die größte Stärke des Films, denn man merkt Cage und auch Co-Star Nicholas Hoult, der den namensgebenden Protagonisten verkörpert, ihre Begeisterung beim Dreh an. Zudem ist der Twist, den klassischen Dracula in der modernen Welt wandeln zu lassen, recht verführerisch und sorgt immer mal wieder für interessante Momente.

Obendrauf wird das ganze Paket mit netten Kampfeinlagen und extremer Brutalität, die Hand in Hand mit absurder Komik im Blutregen Walzer tanzt, abgerundet, was theoretisch für ein kurzweiliges, humorvolles und teilweise auch gruseliger Erlebnis im Kino sorgen könnte. Wenn diese Parts nicht höchsten 20 bis 30 Minuten des Films ausmachen würden.

Renfield: Nicolas Cage ist Graf Dracula (Filmkritik)
© Universal Studios.

Die meiste Zeit versucht diese knapp eineinhalbstündige Horror-Komödie nämlich eine Geschichte zu erzählen, die nur hauchdünn ist, während Figuren beleuchtet werden, die nichts von Interesse zu bieten haben. Charaktere ohne Tiefgang und aber dafür mit einer Totalverweigerung in Sachen Charakterentwicklung stolpern von Szene zu Szene und dienen ihrem Zweck.

Viele Leerläufe, also Szenen, die kaum bis keinen Mehrwert für die Handlung haben und zudem nicht einmal sonderlich unterhaltsam sind, machen den Löwenanteil des Plots aus, der mit einem recht drögen und ebenso trägen Erzählstil zu Grabe getragen wird. Der Fokus auf einen Nebencharakter der Marke eingestaubte Klischeeschublade macht es noch schlimmer.

Statt sich auf die besondere Chemie zwischen Renfield und seinen Meister zu konzentrieren und die Entwicklung der Hauptfigur glaubhaft und unterhaltsam darzustellen, wird immer wieder eine Figur näher beleuchtet, die in Hollywood schon viel zu oft als Lückenfüller herhalten musste und dem Plot absolut nichts beizutragen hat. Stattdessen lenkt sie sogar davon ab.

Renfield: Nicolas Cage ist Graf Dracula (Filmkritik)
© Universal Studios.

Wäre es wenigstens so, dass der Film einfach nur aus Action und Humor bestehen würde, auch dann wäre der Besuch im Kino noch empfehlenswert, doch stattdessen müssen sich geneigte Kinobesucher*innen immer wieder durch unnötige, zähe Passagen quälen, die lediglich hier und dort durch beinharte Kampfszenen und leider nur gelegentlich treffsicheren Humor unterbrochen werden.

Um die Sache noch schwieriger zu machen, entspricht die Art, wie Nicolas Cage Dracula darstellt, so gar nicht der Ausarbeitung seiner Figur. Selbst wenn man seine Darbietung ironisch und als humorvollen Seitenhieb versteht, beißen sich Plot und Performance zu häufig, was es schwer macht, den eigentlich grandiosen Akt genießen zu können.

Pro:

  • Grundsätzlich nettes Konzept mit interessanten Eigenideen
  • Unterhaltsame Kampfeinlagen mit absurd humorvoller Brutalität
  • Nicolas Cage spielt mit Eifer und ansteckender Freude den Dracula
  • Nicholas Hoult als Renfield

Kontra:

  • Viele Leerläufe
  • Langweilig erzählter und ausgearbeiteter Plot
  • Awkwafina als Rebecca
  • Ausarbeitung von Dracula und Cages Schauspiel passen selten zusammen
  • Eindimensionale Figuren ohne Charakterentwicklung
  • Flaches, an den Haaren herbeigezogenes Finale

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„Renfield“ macht weder aus seiner interessanten Prämisse noch aus seinen motivierten Hauptdarstellern viel, stattdessen wird jede Menge Zeit mit einer generischen Nebengeschichte verplempert, wodurch der größte Teil von McKays Werk langweilig wird und sich schlimmer in die Länge zieht als ein Schlagabtausch zwischen Nielsens Dracula und Brooks‘ Van Helsing.

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Roter Magier des Lebens und grauer Jedi unter den Gruftis. Liebt alle Formen von Spielen, allen voran JRPGs und Pen and Paper. Cineast mit starken Gefühlen für den Mainstream und Dr. Nova der Philosophie. Ewiger One-Piece-Fanboy.
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