PlayNation Test Call of Duty: Modern Warfare

Call of Duty: Modern Warfare - Mehr Realismus, mehr Umfang, aber auch mehr Spaß? - Test

Von Philipp Briel - Test vom 28.10.2019 - 11:34 Uhr
Call of Duty: Modern Warfare Screenshot
© Activision/ Infinity Ward

Mit „Call of Duty: Modern Warfare“ möchte sich Infinity Ward auf die glorreichen Zeiten der legendären Shooter-Reihe zurückbesinnen. Mit einer intensiven Kampagne, umfangreichem Koop-Modus und gigantischem Multiplayer soll der Titel den Genreolymp erklimmen, unser Test klärt, ob dies dem neuesten Serienteil gelingt.

Call of Duty: Modern Warfare – alleine beim Klang des Namens werden wohlige Erinnerungen wach, war es doch immerhin der gleichnamige vierte Serienteil, der die Reihe in die Moderne verfrachtete und für eine waschechte Revolution im Shooter-Genre sorgte. Ob der neueste Ableger ähnlich bahnbrechende Wege beschreitet?

Der große böse Wolf

Im Vergleich zum letztjährigen „Call of Duty: Black Ops 4“ wartet der aktuelle Serienteil endlich wieder mit einer vollwertigen Story-Kampagne auf, die sich auf die altbekannten Stärken fokussieren und gleichzeitig mit kontroversen Szenen punkten möchte.

Die in einem fiktiven Land im Nahen Osten angesiedelte Handlung erzählt von der Terrororganisation Al-Qatana, die Chemiewaffe gestohlen hat und mit einem Anschlag am Londoner Piccadilly Circus für weltweite Empörung sorgt.

Wir schlüpfen abwechselnd in die Haut von US-Soldat Alex und SAS-Agent Kyle Garrick, um die gefährlichen Waffen zu finden und Terrorführer Der Wolf dingfest zu machen. Dafür besuchen wir im Laufe der rund sechsstündigen Kampagne von „Call of Duty: Modern Warfare“ verschiedene Orte rund um den Erdball.

Unterstützt werden wir im fiktiven Staat Urzikstan von der Anführerin der Separatisten, Farah Karim und ihrem Bruder Hadir. Oft an unserer Seite ist Captain Price – ja, genau der Zigarre-rauchende Hutträger, der bereits in den ersten drei „Modern Warfare“-Teilen eine zentrale Rolle einnahm.

Dabei nimmt sich „Call of Duty: Modern Warfare“ die Zeit, gekonnt die Hintergründe seiner Nebencharaktere zu skizzieren. Da der neueste Ableger allerdings in einer alternativen Zeitlinie angesiedelt ist, fehlt von den anderen großen Namen der Vorgänger jegliche Spur – lediglich ganz am Ende erfahren wir, wie es um Soap oder Ghost steht.

© Activision/ Infinity Ward

Alte Stärken und Schwächen

Grundsätzlich macht die Kampagne von „Call of Duty: Modern Warfare“ aus spielerischer Sicht eine Menge richtig, leistet sich aber vor allem inhaltlich einige Patzer. Zum einen, weil die Geschichte ein patriotisches Schwarz-Weiß-Szenario aufzeichnet, in denen die Supermacht USA immer möglichst gut dasteht.

Allzu viel wollen wir aus Spoilergründen dazu allerdings nicht verraten, nur so viel: Die bösen Terroristen greifen Europa an – die USA und Großbritannien retten den Tag. Die bösen Russen unterdrücken Urzikstan, töten Frauen und Kinder – die USA retten den Tag. Im Verlauf der Kampagne macht die Supermacht zwar beileibe nicht alles richtig, doch jegliche Fehler der US-Regierung werden unter den Tisch gekehrt, um den Pathos möglichst aufrecht zu erhalten.

Gerade im Hinblick auf reale Geschehnisse in der Vergangenheit und Gegenwart wirkt das Ganze zu pathetisch und glattgebügelt. Abseits dessen wartet die Kampagne von „Call of Duty: Modern Warfare“ mit allem auf, was Fans der Serie erwarten dürften.

Es gibt bombastisch inszenierte Action, ruhige Schleichmomente, Verrat und ein packendes Finale, in dem mächtig die Post abgeht. Spielerisch und inszenatorisch setzt „Call of Duty: Modern Warfare“ dabei, nicht zuletzt dank des runderneuerten Grafikgerüstes, neue Maßstäbe.

© Activision/ Infinity Ward

Die Jagd nach dem Wolf in London gehört zu den actionreichsten Momenten des Storymodus. In ruhigen Momenten harren wir mit einem Scharfschützengewehr bewaffnet auf einem Dach in Urzikstan aus, um zusammen mit der Miliz die einfallenden Russen aufzuhalten. Oder wir schleichen uns nachts möglichst leise in das Versteck des Wolfs, um den Terrorführer dingfest zu machen.

Dabei schickt uns „Call of Duty: Modern Warfare“ oftmals wieder eine gegnerische Übermacht an den Hals, die selten sonderlich klug agiert, uns aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit allerdings vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden vor Probleme stellt.

© Activision/ Infinity Ward

Das geht an die Nieren

Wenn wir gerade einmal nicht aus allen Rohren feuern, dann markieren wir mit einem Laser Zielpositionen für Raketenbeschuss oder holen mit einer ferngesteuerten Drohne feindliche Hubschrauber vom Himmel. Abwechslung wird in den 14 Kampagnen-Missionen groß geschrieben.

Dabei profitiert „Call of Duty: Modern Warfare“ von einem noch intensiveren Spielgefühl, als es noch in den Vorgängern der Fall war. Oftmals verlagert der Shooter das Geschehen in enge Innenareale, in denen wir uns vorsichtig von Deckung zu Deckung vorarbeiten. Per Knopfdruck legen wir unsere Waffe an einem Schrank oder einer Häuserecke an und schielen vorsichtig hervor.

Da wir selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad nur wenige Treffer einstecken, bevor wir das Zeitliche segnen greift, müssen wir unser Vorgehen stets gut planen und regelmäßig Deckung suchen.

© Activision/ Infinity Ward

Eine Mission in der US-Botschaft von Urzikstan lässt uns beispielsweise die Assistentin des Botschafters durch ein (von Russen) infiltriertes Gebäude lotsen. Mithilfe der Überwachungskameras befehlen wir der Dame, hinter bestimmten Objekten Deckung zu suchen und weiter zum Ausgang zu schleichen, wenn die Wachen gerade nicht hinschauen – unglaublich spannend.

In anderen Momenten geht „Call of Duty: Modern Warfare“ mächtig an die Nieren und für manche sogar über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus. Von Vätern, die mit angelegtem Sprengstoffgürtel an die Vernunft ihrer Entführer appellieren über den Bombenangriff in London, bei dem schreiende Zivilisten im Sekundentakt erschossen werden bis zu einer Rückblenden-Mission, in der wir Farah und ihren Bruder als Kind spielen und den Tod ihrer beiden Eltern mit ansehen müssen – die Kampagne des neuesten Ablegers ist wirklich harter Tobak. Ob man das in der Form wirklich gebraucht hätte und ob das nicht sogar zu viel ist, muss jeder für sich entscheiden.

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