PlayNation Test DiRT Rally 2.0

DiRT Rally 2.0 - Test - Knallhart, dreckig und gemein!

Von Philipp Briel - Test vom 18.02.2019 - 14:11 Uhr
DiRT Rally 2.0 Screenshot
© Codemasters

Im Jahr 2015 kam das erste DiRT Rally einer waschechten Revolution gleich. In einer Zeit, in der die Spiele immer leichter werden, besinnt sich Entwickler Codemasters zurück zu den Wurzeln der legendären Rallye-Rennspielserie und lieferte eine beinharte Simulation ab. Jetzt schickt sich der Nachfolger DiRT Rally 2.0 an, die Stärken noch weiter auszubauen. Ob dieses Unterfangen gelungen ist, klärt unser Test.

Rein in die Action

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: DiRT Rally 2.0 macht genau da weiter, wo der gefeierte Vorgänger aufgehört hat und präsentiert sich als knackige Simulation, die sich vor allem an Genreprofis richtet. Mit einem Tutorial, einer Fahrschule oder anderen Optionen, mit dem Ritt auf der Rasierklinge warm zu werden, gibt sich das Rennspiel gar nicht erst ab.

Stattdessen geht es im „Mein Team“-Modus direkt ans Eingemachte. Hier haben wir die Wahl zwischen der klassischen Rallye-Karriere und der FIA World Rallycross Championship. Beide Karrieren sind voneinander losgelöst und können von uns wahlweise sogar abwechselnd angegangen werden, je nachdem, wonach uns gerade der Sinn steht.

Natürlich entscheiden wir uns zunächst für die klassische Rallye, die sich über insgesamt sechs Locations mit je sechs Etappen erstreckt. Diese fallen zwar mit Orten wie Spanien, Polen, Australien oder den USA sehr abwechslungsreich aus, allerdings glänzen die altehrwürdigen Schnee- und Eispisten zum Release gänzlich durch Abwesenheit. Sehr schade, denn so konzentriert sich DiRT Rally 2.0 fast ausschließlich auf Schotter- und Asphaltkurse, die allerding enorm abwechslungsreich daherkommen.

Das ist besonders ärgerlich, denn gerade als Liebhaber des Rally-Genres gehören Etappen in Schweden oder Monte Carlo einfach dazu. Da hilft es auch nur wenig, dass besagte Veranstaltungen im Rahmen der ersten Season nach Release nachgereicht werden sollen – dann jedoch ausschließlich für Besitzer des Season Pass oder der Deluxe Edition des Spiels, alle anderen bleiben außen vor.

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Dein DiRT Rally 2.0, wie es dir gefällt

Diesen Makel macht DiRT Rally 2.0 allerdings auf der Strecke problemlos wieder wett. Besonders erfreulich für Kenner des Vorgängers: das Spiel beginnt deutlich weniger frustrierend, als der vorangegangene Serienteil. Allerdings ohne dabei etwas von seinem grandiosen Fahrgefühl einzubüßen, im Gegenteil.

So gibt uns das Spiel zahlreiche Optionen und Fahrhilfen an die Hand, dank denen wir ein Rallye-Erlebnis genau nach unserem Geschmack kreieren. ABS, Traktionskontrolle und andere Fahrhilfen lassen sich in mehreren Stufen nach unserem Gusto anpassen. Wir können eine Unterstützung für Lenkung, Gaspedal oder Bremsen hinzuschalten und sogar die Totzonen anpassen. Kaum ein anderes Rennspiel auf dem Markt kann in seinem Fahrgefühl derart stark individualisiert werden.

Doch selbst mit aktiven Fahrhilfen bleibt DiRT Rally 2.0 auf der Strecke eine waschechte Simulation, Optionen wie eine Rückspulfunktion oder eine Ideallinie suchen wir vergebens. Setzen wir unseren Boliden kurz vor Ende einer knapp 15-minütigen Etappe vor den Baum, haben wir eben Pech gehabt.

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Ein knallharter Ansatz, der gefällt: immerhin gibt es auch im echten Rennsport keine Möglichkeit, einen Fahrfehler mal eben im Vorbeigehen wieder auszubügeln. Etwas ärgerlich jedoch, dass die Möglichkeit, den Wagen nach einem Fehler wieder zurückzusetzen, manchmal einfach ihren Dienst verweigert. Theoretisch reicht ein Tastendruck aus und schon befindet sich unsere Karosse wieder auf der Piste (Strafzeit inklusive). Während unseres Tests kam es allerdings nicht selten vor, dass eben diese Rücksetzfunktion einfach nicht funktionierte und wir mit unseren Weg selbst zurück auf den Kurs finden mussten. Sehr ärgerlich.

Kenner des Vorgängers werden sich freuen, dass die KI-Fahrer im Karrieremodus nicht ganz so gnadenlos unterwegs sind. Wir erinnern uns: Selbst ohne Fahrfehler fuhren wir im Vorgänger den Bestzeiten der Konkurrenz hinterher. Das ist in DiRT Rally 2.0 glücklicherweise anders. Selbst auf unseren ersten Etappen können wir einen beachtlichen Vorsprung herausholen, wenn wir die Strecke fehlerfrei meistern. Das kommt natürlich dem Spielspaß spürbar zugute.

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Friss meinen Staub

Spätestens auf der Strecke macht DiRT Rally 2.0 allerdings fast alles richtig. Das Fahrverhalten der knapp 50 Boliden ist über jeden Zweifel erhaben. Der Fuhrpark bietet eine bunte Mischung aus aktuellen Rallye-Rennwagen wie dem Ford Fiesta R5 oder dem Peugeot 208 R2, sowie einigen namhaften Klassikern des Sports wie dem Lancia Fulvia, Opel Kadett C GT/E oder Audi Sport quattro E2.

Zu Beginn der Karriere stehen uns allerdings nur wenige Fahrzeuge zur Wahl, weitere Rennwagen wollen erst mit unserem hart erarbeiteten Preisgeld gekauft werden. So wagen wir uns mit dem einsteigerfreundlichen Lancia Fulvia an die erste Rallye, die uns nach Spanien führt.

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Wir heizen vorbei an malerischen Schluchten, durchqueren ein idyllisches Bergdorf und driften um enge Haarnadelkurven, obwohl der wunderschöne Sonnenuntergang eigentlich zum Verweilen einlädt. Aus spielerischer Sicht macht DiRT Rally 2.0 eine Menge richtig: beim Fahrverhalten haben sich die Entwickler wieder einmal selbst übertroffen.

Vor allem, da die verschiedenen Untergründe spürbare Auswirkungen haben. DiRT Rally 2.0 will gefühlvoll behandelt werden, wer hier mit einem Bleifuß um die Kurven rast, wird vom Spiel unweigerlich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Hier geht es um das perfekte Zusammenspiel aus Gas, Bremse und Handbremse.

Auch die Physik wurde vollständig überarbeitet und präsentiert sich realistischer als je zuvor. Zudem dürfen wir frei an unserem Setup schrauben und auch die Wahl der richtigen Reifen für den jeweiligen Untergrund spielt eine wichtige Rolle.

Die wohl wichtigste Neuerung stellt allerdings die detailgetreue Oberflächenabnutzung dar, die enorme Auswirkungen auf das Gameplay hat: zum ersten Mal in einem Rallye-Rennspiel macht es einen spürbaren Unterschied, von welcher Startposition aus wir die Etappe angehen. Gehen wir als Erster an den Start, stellt uns die lockere Staubschicht auf der Piste vor eine besondere Herausforderung. Starten wir am Ende des Feldes, wurde die Etappe durch die anderen Fahrer bereits derart in Mitleidenschaft gezogen, dass wir es mit tiefen Furchen, Pfützen und Spurrinnen zu tun bekommen, die uns wertvolle Zeit kosten.

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Das sorgt dafür, dass sich ein und dieselbe Strecke immer anders anfühlt und mit einem frischen Spielgefühl aufwartet. Auf zufallsgenerierte Etappen verzichtet DiRT Rally 2.0 im Vergleich zu DiRT 4 allerdings.

Während diese Veränderungen an der Strecke in den langsameren Fahrzeugklassen kaum ins Gewicht fallen und sich Fahrfehler noch relativ leicht ausbügeln lassen, bringt uns bereits eine kurze Unaufmerksamkeit in den höheren Klassen um den Sieg. DiRT Rally 2.0 entfaltet einen unnachahmlichen Adrenalinrausch. Umso erhabener ist das Gefühl, nach einem knackigen Ritt auf einer über zehn Kilometer langen Strecke oben auf dem Podium zu stehen.

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