PlayNation Test Die Säulen der Erde

Die Säulen der Erde - Ein Bestseller als Videospiel? Buch 1: Aus der Asche im Test

Von Julia Rother - Test vom 17.08.2017 - 11:24 Uhr
Die Säulen der Erde Screenshot

Eine zauberhafte Umsetzung

Die Charaktere sind liebenswert und schon nach kurzer Zeit fühlt es sich an, als würden wir sie bereits ewig kennen. Ihr Schicksal liegt uns am Herzen und umso bemühter sind wir dementsprechend, möglichst alles richtig zu machen. Hier spielt natürlich auch die Romanvorlage von Ken Follett eine wichtige Rolle, einen großen Anteil trägt aber auch die Umsetzung von Daedalic Entertainment. So wirken die Charaktere real und glaubwürdig und können mit einer unglaublich passenden und überzeugenden Synchronisation überzeugen. An manchen Stellen kommt zudem ein Erzähler zu Wort, was das Gefühl, ein interaktives Buch Stück für Stück zu entdecken, noch verstärkt.

Nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Kulissen sind liebevoll ausgestaltet, einige Screens sind sogar wirklich atemberaubend und kleine Kunstwerke. Für Abwechslung ist dabei immer gesorgt und so erkunden wir beispielsweise Wald, Kloster, Friedhof, Krypta, Mühle und Burg, wobei jede Umgebung mit allerlei Details zu überzeugen weiß.

Dazu passend ist auch die musikalische Untermalung, die nicht nur das mittelalterliche Setting unterstreicht, sondern auch die verschiedenen Situationen ergänzt und so eine tolle Atmosphäre kreiert. Vereinzelt ist die Lautstärke allerdings nicht ganz ausgepegelt und dröhnt so auf einmal deutlich zu laut aus unseren Boxen. Bugs treten dafür kaum auf, nur selten fehlen auf einmal die animierten Mundbewegungen, andere technische Probleme gibt es nicht.

Unser Test zu die Säulen der Erde.

Charmante Kleinigkeiten

Sehr angenehm sind weiterhin die verschiedenen Speicherstände, sodass wir schon jetzt verschiedene Wege ausprobieren und speichern können, um sie dann in der Zukunft in Buch 2 und Buch 3 zu integrieren.

Ein netter Zusatz sind außerdem die Trophäen, die nicht nur so charmante Namen wie „Petze“ tragen, sondern auch wirklich verdient werden wollen und uns nicht einfach für den alltäglichen Spielfortschritt hinterher geschmissen werden.

Auch wenn inhaltlich oft gar nichts groß Spektakuläres passiert, sitzen wir fast die gesamte Spielzeit gespannt vor dem Bildschirm, denn Daedalic Entertainment gelingt es, dass sich das, was hier vor sich geht, bedeutsamer anfühlt als es sich bei einem Videospiel eigentlich erklären ließe. An einigen Szenen im Kloster zieht sich der Plot zwar wie ein zäher Kaugummi und wir ärgern uns ein wenig, als wir später erst eine bestimmte Frage stellen müssen, um einen längst ausgesprochenen Auftrag auch offiziell bewältigen zu können, im Großen und Ganzen gibt es inhaltlich aber absolut nichts zu meckern.
Allerdings hätten wir uns doch etwas mehr Humor gewünscht. Zwar ist dieser nur an wenigen Stellen vorhanden, weiß dann aber doch vollkommen zu überzeugen. Gerne mehr davon!

Unser Test zu Die Säulen der Erde.

Die Charaktere übernehmen das Ruder

Die Säulen der Erde besteht aus genau der richtigen Mischung zwischen Gameplay und erzählerischen Elementen und nutzt kleine Rätsel, um den Spieler förmlich in die Geschichte einzusaugen und nicht, um die Spielzeit künstlich in die Länge zu ziehen. Die Vermittlung von Werten geschieht unaufdringlich und unaufgesetzt. So wird beispielsweise die Alltäglichkeit von sexuellen Übergriffen recht unemotional und ohne erhobenen Zeigefinger thematisiert, ohne der Tat an sich dabei das Abstoßende zu nehmen. Es ist nicht nötig, uns zu sagen, was wir fühlen sollen, das bewirken die Charaktere von ganz allein.

Und genau das macht Die Säulen der Erde so angenehm zu spielen, wirken Geschichte und Umsetzung doch harmonisch zusammen und greifen wie Zahnräder ineinander, um ein wirklich stimmiges Ergebnis zu erzielen. Wenn ein historischer Roman zum Videospiel wird, dann sollte es sich am Ende genauso anfühlen. Stimmig. Atmosphärisch. Packend. Wer da nicht gespannt auf die nächsten Kapitel ist...

Unser Test zu die Säulen der Erde.

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