PlayNation Test The Walking Dead: Season 3

The Walking Dead: Season 3 - Zwischen Potential und Cutscenes: Episode 4 im Test

Von Julia Rother - Test vom 07.05.2017 - 12:00 Uhr
The Walking Dead: Season 3 Screenshot

Charaktere mit unausgeschöpftem Potential

Die Charaktere sind zwar tendenziell gut gestaltet, ihnen fehlt es an vielerlei Stellen aber an Tiefe. Obwohl die Mannen von Telltale Games offensichtlich versuchen, den bisher eher negativ und aggressiv-pöbelnden David doch noch menschlicher wirken zu lassen, bleibt er ein Unsympath, den wir nur aufgrund der Familienbande ertragen. Still und heimlich wünschen wir uns trotz aller Verwandtschaft eine Gelegenheit, ihn im friendly fire von hinten niederstrecken zu können. Gabe hatte in den vorherigen Episoden mehrmals seine Momente, die uns Gutes ahnen ließen, fällt aber dann doch immer wieder in die Rolle des bockigen Teenagers zurück. Schwägerin Kate ist dafür ein Charakter mit deutlich mehr glaubwürdigen Emotionen, vor allem aber auch Ecken und Kanten, der richtig ausgearbeitet sogar als Protagonist funktionieren würde. Leider wird sie aber auf ihre Rolle als Frau und damit potentielle Liebelei reduziert.

A New Frontier im Test.

Bleiben Javier und Clementine. Letztere ist immer wieder eine positive Überraschung, überzeugt aber eher in den kleinen Interaktionen, beispielsweise wenn sie Gabe subtil überzeugt, das Richtige zu tun oder sich um A.J. kümmert. Da sich alle The Walking Dead-Staffeln aber bisher immer um sie drehten, wollte das Team offenbar einen neuen Hauptcharakter etablieren und schenkte ihr weniger Aufmerksamkeit als aus der Sicht vieler Spieler klug gewesen wäre. Diese gilt nämlich voll Protagonist Javier, der zwar ganz sympathisch ist und ab und an überzeugt, aber die Fußstapfen seiner Vorgänger nicht annähernd ausfüllen kann. Als Sidekick hätte er sicherlich gut funktioniert, aber er schafft es einfach nicht die Story zu tragen.

Javier brilliert dafür in der Interaktion mit Kate und Clementine, was aber wie gesagt eher an den Frauen liegt, die genug Tiefe und Charakter vorweisen können. So bekommt Clementine während dieser Episode ihre Periode und wird von einem mindestens genauso überforderten Javier beraten und mit Hygieneprodukten ausgestattet. Eine liebenswerte Szene, die ein sehr authentisches Bild einer überforderten und unbeholfenen Vaterfigur zeichnet. Aber es ist einfach nicht genug, um uns wirklich begeistern zu können. Es wirkt, als habe Telltale Games sein Potential nicht annähernd ausgeschöpft und dadurch ein Produkt erschaffen, das zwar in Ordnung ist, aber nicht richtig zu überzeugen weiß, wie wir es von dem Entwickler eigentlich gewohnt sind.

Mehr interaktiver Film als Spiel

Allgemein scheint es, als habe sich Telltale Games zu sehr auf seine bisherige Stärke, nämlich die Story, verlassen. Mit etwa 75 Minuten Spielzeit ist die aktuelle Episode reichlich kurz und wenn man bedenkt, dass wir vielleicht zehn Prozent der Zeit aktiv herumlaufen, dafür sicherlich 30 Prozent der Zeit passiv zuschauen und der Rest mit interaktiven Zwischensequenzen und Quicktime-Events gefüllt wurde, fällt es schwer A New Frontier überhaupt als Spiel zu bezeichnen. Besonders die Quicktime-Events wirken sinnlos und scheinen mehr Alibi-Gameplay als alles andere zu sein.

Gut durchdacht ist dafür aber der Zeitdruck, der uns in drängenden Situationen zusätzlich unter Druck setzt und in Form eines roten Randes am Bildschirm visualisiert wird. Da wirkt eine Horde Walker gleich viel bedrohlicher, was das Spielgefühl deutlich authentischer macht und stärkt. Auch wenn unsere Entscheidungen wie gewohnt keinen großen Unterschied machen, ist es doch schön zu sehen, dass die Geschehnisse der vorherigen Staffeln in A New Frontier berücksichtigt werden. Wer in der Vergangenheit Kenny oder Jane den Rücken stärkte und nicht alleine blieb, wird hier mit Extra-Erinnerungen belohnt. Auch das Wiedersehen mit einem früheren Wegbegleiter ist möglich, hat bis jetzt aber keinen Einfluss auf die Entwicklung der Geschichte.

The Walking Dead im Test.

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