PLAYCENTRAL TEST Disney Epic Mickey

Disney Epic Mickey: Micky Maus + Warren Spector = Epic?

Von Yannick Arnon - Test vom 19.01.2011 15:19 Uhr

Das Wort 'epic' bezeichnet in der Internetsprache im adjektivischen Gebrauch einen besonderen Grad von Coolness, einen Ehrfurcht gebietenden Moment. Also nicht gerade ein Begriff, den man unbedingt mit Micky Maus, der wohl bekanntesten Zeichentrickfigur überhaupt, in Verbindung bringen würde. Hier kommt Warren Spector ins Spiel, Mastermind hinter Spielen wie System Shock und Wing Commander. Das ebenfalls von ihm stammende Deus Ex wird von vielen Gamern als eins der besten Spiele aller Zeiten bezeichnet, vermag er Micky einen ähnlichen Kracher auf den Leib zu schneidern?

Willkommen im Wasteland!

Hand aufs Herz, wer erinnert sich noch an Oswald the Lucky Rabbit? Exakt, so ziemlich niemand. Als Walt Disney Micky Maus erfand, wurde seine vorherige Schöpfung, der Hase Oswald, auf das Abstellgleis verfrachtet und musste zusehen, wie Micky all den Ruhm und Erfolg für sich pachtete. Zumindest sieht er die Sache so, denn in Wirklichkeit haben lizenzrechtliche Schwierigkeiten Oswalds Karriere ein jähes Ende bereitet. Für eben diese vergessenen oder in Ungnade gefallenenen Figuren hat der Magier aus "Der Zauberlehrling" eine eigene Welt in Form einer Art Modellbau erschaffen, das Wasteland. Eines Tages entdeckt Micky in seinem Spiegel ein Portal in eine andere Welt, welches in den Wohnsitz des Zaubermeisters führt. Heimlich beobachtet Micky den alten Mann bei seiner Arbeit, bis dieser sich für ein Nickerchen zurückzieht. Neugierig beginnt Micky mit dem magischem Pinsel des Zauberers Schabernack mit dessen Werk zu treiben, bis sich aus dem besudelten Kunstwerk ein Glibbermonster erhebt. Mit Mühe und Not kann Micky sich aus seinen Klauen befreien und das Wesen in die Flucht schlagen, doch die Modellwelt wird dabei ruiniert. Hastig flieht der unfreiwillige Übeltäter nach Hause, nicht wissend, dass seine Taten ihn zu gegebener Zeit einholen werden. Etliche Jahre vergehen, bis schließlich Glibbermonster zurückkehrt und Micky aus seinem Schlafzimmer in das von ihm verunstaltete Wasteland entführt.

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Als Micky zu sich kommt, findet er sich in Fesseln vor. Er befindet sich im Labor eines verrückten Doktors, welcher eine teuflische Maschine auf ihn loslassen will. Mithilfe des Koboldes Gus kann er sich aus der Todesfalle befreien, während der Doktor selbst das Weite sucht. Gus übernimmt in Disney Micky Epic die Rolle des auf Dauer nervtötenden Sidekicks, der den Spieler ähnlich wie die Fee Navi in The Legend of Zelda: Ocarina of Time mit nützlichen Ratschlägen versorgt. Oswald ist auch da, doch er gibt ebenfalls Fersengeld. Hat er etwas zu verbergen? Auf dem Weg nach draußen bringt Gus den verwirrten Micky auf den aktuellen Stand der Dinge. Das Glibberphantom hat ihn in das Wasteland verschleppt, welches vor vielen Jahren durch eine Katastrophe mit Farbverdünner fast vollständig vernichtet wurde. Dem Mäuserich bleibt also nichts anderes übrig als sich der Bedrohung zu stellen, die er selbst erschaffen hat. Zum Glück hat er immer noch den magischen Pinsel im Gepäck, mit dessen Hilfe er sowohl Farbe als auch Verdünner spritzen kann. Mit Farbe lassen sich im Wasteland transparente Objekte wiederherstellen und manche Gegner wechseln nach einem Eimer Farbe die Fronten, während die Verdünnerflüssigkeit das Gegenteil bewirkt und die Schergen des Phantoms in ihre Bestandteile auflöst. Gezielt wird mit der Wiimote über einen Pointer auf dem Bildschirm, alternativ kann Micky auch durch Schütteln der Wii-Fernbedienung eine Wirbelattacke ausführen.

Erschaffen oder zerstören?

Im Kern ist Disney Micky Epic ein 3D-Jump & Run mit Adventure-Einlagen, gesteuert mit Wiimote und Nunchuk. In der Regel nimmt Micky Aufträge an, die ihn in neue Gebiete führen und in denen er für die Bewohner des Wastelands Gegenstände von Fundort A zu Person B transportiert. Dabei kann der Spieler an vielen Stellen Entscheidungen treffen, die unterschiedliche Konsequenzen zur Folge haben. Zwar wurde Mickys Verwandlung je nach Vorgehensweise des Spielers von den Entwicklern entfernt, dennoch ist die Entscheidungsfreiheit alles Andere als aufgesetzt. Denn es gibt in diesen Momenten kein richtig oder falsch, sondern es wird lediglich ein anderer Weg zum Ziel eingeschlagen. Ein Beispiel hierfür gibt es schon in den ersten Minuten nach Spielbeginn. Micky erreicht ein Katapult, auf dessen Schleuder ein Kobold in einem Käfig festgehalten wird. Ihr habt nun entweder die Wahl ein paar E-Tickets, die hiesige Währung, einzustreichen und somit das kleine Kerlchen seinem Schicksal zu überlassen, oder ihr befreit den Kobold, denn er könnte sich für seine Rettung erkenntlich zeigen. Die Belohnungen variieren zwischen verbalisierter Dankbarkeit, besonderen Gegenständen oder sogar Abkürzungen, sodass manche lästigen Aufgaben übersprungen werden können. Es lohnt sich ein offenes Ohr für die Wehwehchen der vergessenen Charaktere zu haben und einen kleinen Umweg zu gehen.

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Natürlich sind die Toon-Charaktere im Wasteland einem hilfsbereiten Micky aufgeschlossener als einem rücksichtslosen Eigenbrötler. Ein wichtiger Faktor hierbei ist die Verwendung von Farbe und Verdünner, die letztendlich den Spielstil bestimmt. Auch in dem Bosskämpfen stehen immer zwei Lösungswege zur Auswahl, dasselbe gilt für die vielen Rätsel. Angezeigt wird Mickys momentanes "Ansehen" durch die ihn umgebenden Wächter. Bis zu drei Stück dieser an Glühwürmchen erinnernden Wesen kann Micky einsammeln, indem er kontinuierlich Farbe oder Verdünner verspritzt. Deshalb kommen die Wächter auch in zwei verschiedenen Ausführungen, entsprechend der bevorzugten Ladung aus dem Pinsel. Sobald die kleinen Helfer angelockt wurden, kann man sie entweder auf Gegner hetzen oder sich von ihnen den Weg zum Ziel anzeigen lassen. Notwendig sind sie nur selten, in der Regel bleiben die Situationen überschaubar und der Spieler wird selten in die Ecke gedrängt. Wichtig ist nur die Versorgung an Farbe und Verdünner im Auge zu haben, passend zur Spielweise wird die Kapazität der jeweiligen Flüssigkeit aufgestockt. Der eigene Forscherdrang macht einiges an Motivation aus, alle Nase lang stolpert man über versteckte Goodies oder geheime Abschnitte.

Gut gebrüllt, Löwe

Im Vorfeld kündigte Warren Spector an, dass Disney Micky Epic das bestaussehendste Spiel auf der Wii werden würde. Diesem Versprechen kann man zwar nicht nachkommen, trotzdem verdient das Design-Team von Mickys neuestem Abenteuer ein großes Lob für ihre Arbeit. Das Wasteland ist wider Erwarten aufgrund der Disney-Thematik überraschend düster geraten. Es dominieren die dunklen Farbtöne, dazu haben die Locations durch die vielen Maschinenkonstruktionen und Zahnräder einen Hauch von Steampunk. Das künstlerische Highlight sind jedoch die an Mickys Filmklassiker angelehnten 2D-Abschnitte, die die einzelnen Hauptwelten miteinander verbinden. Hier wurden mit viel Liebe zum Detail Highlights von Mickys Leinwandkarriere zu zweidimensionalen Parcours umgebastelt, einige der gewählten Filmsets stammen aus Disneys frühesten Streifen und sind logischerweise in schwarz-weiß gehalten. Für die Zwischensequenzen werden sowohl Videos in der Spielengine als auch minimal animierte Cartoonstandbilder verwendet, was den Look des Spiels sehr gut trifft. Sprachausgabe gibt es nur selten zu hören, zum Großteil verständigen sich die Charaktere so ähnlich wie in Banjo-Kazooie mit unverständlichem Gebrabbel. Das ist nicht weiter tragisch, denn so können die Ohren ihre volle Aufmerksamkeit dem stimmigen Soundtrack widmen.

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Disney Micky Epic hätte das Zeug zum Top-Titel, wären dort nicht die kleinen und großen Patzer. Das größte Manko dürfte die Kamera sein, die euch nur selten einen geeigneten Überblick verschafft und zu oft mit dem Digikreuz neu justiert werden muss. Zudem schwenkt die Kamera nicht automatisch weiter, sobald der Cursor den Bildrand erreicht. Gleichzeitig zu zielen, die Perspektive zu wechseln und dabei Farbe zu verspritzen ist so gut wie unmöglich, an manchen Punkten lässt sich die Kamera überhaupt nicht bewegen. Wer öfters Plattformer spielt, stört sich außerdem an diversen Kleinigkeiten, z.B. daran, dass Micky sich in den 2D-Passagen beim Betätigen des Analogsticks nicht sofort in Bewegung setzt. Das alles trübt den Gesamteindruck nur geringfügig, denn abgesehen davon ist Disney Epic Micky ein exklusives Meisterwerk mit Eigencharakter, dessen Kauf man nicht bereuen dürfte.

86
Disney Epic Mickey im Test

Fazit und Wertung von Yannick Arnon

Weshalb bei uns im Titel die Wörter "Micky" und "Epic" verdreht worden sind, wissen vermutlich nur die Verantwortlichen bei Disney Interactive. Wie auch immer. Fakt ist, dass das Plattformer-Genre auf Nintendos weißem Wunderbaby bekanntlich von jemand anders dominiert wird – *hust* Mario *hust*. Spector und Junction Point haben trotzdem nicht gekniffen und Micky ins Rennen geschickt. Und obwohl mehr als nur ein "Deus Ex light" herauskam, kann er seinen Konkurrenten nicht übertrumpfen. Gerade das Gameplay wird von einigen Kinderkrankheiten geplagt, die bei einer solchen Großproduktion einfach nicht mehr vorkommen dürfen. Dazu hätte ich persönlich mir etwas mehr Mut seitens der Entwickler gewünscht, was die Freihand des Spielers und den Einfluss auf Micky betrifft.

Nur zu gerne hätte ich mit dem fiesen Scrapper-Micky das Wasteland unsicher gemacht, das Risiko aus dem Disney-Vorzeigestar einen potentiellen Bösewicht zu machen, wollte man nicht eingehen. Aber das geht schon in Ordnung, denn wenige andere Titel können ähnlich berühren wie Spectors neuester Streich. Die gesamte Aufmachung und vor allem der weitreichende Cast, welcher viele aus der Kindheit bekannte Gesichter beinhaltet, verstehen es einen auf einzigartige Art und Weise zu brühren. So viel Herz bekommt man nur selten in einem Videospiel geboten, hiermit sei auch die Extras-Sektion mit freischaltbaren Konzeptzeichnungen und Cartoons empfohlen. Disney Micky Epic mag zwar nicht "epic" sein, trotzdem ist es ein empfehlenswertes Jump & Run, mit dem auch Zocker jenseits der Volljährigkeit viel Spaß haben werden.

Pro

+detailverliebt
+2D-Abschnitte und RPG-Ansatz
+Nostalgie-Bonus
+viele Wege führen zum Ziel
+ca. 80 Jahre Trickfilm-Inspiration komprimiert auf einer Disc

Contra

-widerspenstige Kamera
-Disney-Fans können eher etwas mit dem Spiel anfangen
-eingeschränkte Charakterentfaltung

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