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Bounty Bay Online: Das Ende einer langen Reise

Von Thomas Wallus - News vom 10.08.2012 08:17 Uhr

Erneut brechen in einer eingeschworenen Spielergemeinschaft unliebsame, unangenehme Tage an. Lästig schlägt die Vorstellung, über all die Jahre in einer nun zerberstenden Community aktiv gewesen zu sein, aufs Gemüt – und die Enttäuschung über die nicht selbst verschuldete Ziellinie macht zu schaffen. Nach mehr als fünf Jahren segeln die letzten Flotten in Bounty Bay Online gen Sonnenuntergang. Doch in diesem Fall treffen Verwunderung und Wehmut eine ganze Generation des Genres, welche die Ideen von Bounty Bay Online bewusst zu schätzen wusste und den positiven Beitrag zur Entwicklung der MMORPG-Landschaft schnell erkannte. Während letztmalig die Häfen verlassen werden, blicken wir daher zurück auf die Besonderheiten des Entdecker-Rollenspiels und würdigen die Ideen des ältesten Titels des mittlerweile mit Gameforge verschmelzenden Publishers Frogster.

Dabei gilt es sich zunächst kein falsches Bild zu zeichnen: Große Wellen der Begeisterung hat Bounty Bay Online im Laufe des halben Jahrzehnts mit Sicherheit nicht immer geschlagen. Sonst würde der Nachthimmel nicht über den historischen Schiffen der virtuellen Welt aufziehen. Es macht also einen Unterschied zu sagen, ob ein Spiel anhaltenden Erfolg vorweisen kann oder ob Konzepte eines MMORPGs Anklang finden. Denn nicht sämtliche Online-Rollenspieler binden sich in ihrer täglichen Spielerfahrung blind an eine Idee, sondern eben vordergründig an eine Umsetzung. Als Vorreiter und erster waschechter Titel im Setting von Freibeutern und Seefahrern war Bounty Bay Online paradoxerweise auch nie in der Position, den Nerv seiner Zielgruppe schärfstens zu treffen, denn den galt es durch die Live-Erfahrung nach Release erst final zu definieren.

Was man an Bounty Bay Online hingegen durchaus immer schätzen durfte, war das Gefühl der Freiheit. Genau diese Idee des Spielgefühls hoffen wir mit dem Ende des Serverbetriebs nicht mit begraben zu müssen. Im Dschungel des Fantasy-Hochbetriebs machte die historische Welt doch vieles anders, als man es gewohnt war, und setzte auf völlig andere Motive der Spielermotivation. So begeben wir uns gerne gedanklich letztmalig auf die Reise unserer ersten Erfahrungen mit Bounty Bay Online. Immerhin schien es schon 2007 etwas gewöhnungsbedürftig, das Manövrieren und den Kampfeinsatz eines Schiffes zu meistern, ehe man vom Tutorial zu den Gefechten an Land belehrt wurde. Neugierig landete man in Athen oder Alexandria, ließ sich bekanntmachen mit all den sich eröffnenden Möglichkeiten. Diese reichten vom Aufstieg zum einflussreichen Händler, über die Rolle des Erkunders bis hin zur Verkörperung des fiesen Piraten.

Den Eindruck einer linearen Welt mit immer gleicher Unterteilung in Städte und Vororte wusste Bounty Bay Online gekonnt durch sich unterscheidende Architekturen, Flora und Fauna zu überspielen. Während manch langwieriger Fahrt mit ausbleibendem Wind in den Segeln, ernährte man sich so vom Entdeckergeist der Renaissance. Auf dem Höhepunkt seiner charaktereigenen Laufbahn war man so schlussendlich bestens vernetzt auf den Weltmeeren, wusste, welche Materialien wo anzutreffen waren und wo angebaut werden konnten. Man war in Bounty Bay Online in der Tat nicht gezwungen, sich auf die Suche nach dem nächstbesten Gegner zu begeben. Wer mochte, traf sich in den Vororten zum gemeinsamen Holzfällen oder Steinabbau, bewirtschaftete Ackerland, genoss fast schon in Rollenspielmanier die unterdessen laufenden Unterhaltungen im Chat – auch wenn diese nach der Umstellung auf ein free2play-Modell ein Stück ihrer inhaltlichen Qualität verloren.

Traf einen aber doch einmal der Reiz, eine Waffe in die Hand zu nehmen, so beeindruckte Bounty Bay Online erneut mit dem schönen Gefühl der Freiheit. Hier hieß es Waffen und Skills fast abseits vorgegebener Pfade nach Herzenswunsch zu perfektionieren. Man lebte nicht vom Zwang, sich etwas vorschreiben zu lassen. Gleichzeitig durfte sich das Spiel nie Sandbox nennen. Umso unangenehmer stößt einem beim Stöbern in der spieleigenen Geschichte ein gewisses Update auf, das dem MMORPG frische Klassen beschehrte. Nach Beyond the Horizon traf man in den Metropolen der aufstrebenden Welt köngliche Offiziere und Wachen, gerne auch einen karibischen Piraten. Mit Sicherheit hatten solche Neuerungen einen von den Entwicklern wohl gewählten Sinn, doch in der Außenwirkung schien Bounty Bay Online seinen Freigeist zu verlieren. Diese Standardisierung, feste Klassen einzuführen, ließ vergessen, wie sehr sich das Online-Rollenspiel über den Freigeist der Spieler definierte.

Ganz im Schwärmen von diesem virtuellen Lebensgefühl braucht es nicht einmal zwingend ein näheres Eingehen auf die mit der Seefahrt verbundenen Features. Wer Bounty Bay Online nicht vorrangig des Kampfes wegen liebte, der schätzte die hohe See mit all ihren Reisenden vorrangig eher als Basis der Grenzenlosigkeit und als Mittel zum Transport dieses Gefühls. Im Spieleralltag und auf der Suche nach Abwechslung  war das Ganze ohne Frage ein nicht zu vergessender Faktor. Das Streben nach dem größten Schiff und die ständige Verbesserung ließen einen selbstverständlich immer wieder neue, kurzfristige Ziele stecken. Auch das PvP-System mit all seiner Action und auch taktischer Raffinesse wäre undenkbar gewesen – Bounty Bay Online hätte es ohne all diese Optionen schon Jahre früher vom Markt gezogen.

Doch man möge sich nichts vormachen. All das findet in seiner europäischen Version dieser Tage sein Ende. Wer dem Drang des Neuanfangs folgen möchte, der findet womöglich im internationalen Pendant Voyage Century Unterschlupf oder findet sich in den Weiten der wenigen weiteren Vertretern dieses Settings wieder. Aber das genügt uns auf lange Sicht nicht, denn auch diesen Online-Rollenspielen könnte auf kurz oder lang der gezogene Stecker drohen. Viel mehr ist zu fordern, dass Entwicklerstudios und Publisher den Geist hinter Bounty Bay Online nicht fallen lasen und sich für die Zukunft zu wappnen beginnen. Ein gesundes Alter von mehr als fünf Jahren trug Bounty Bay Online immerhin mit sich. Nicht zu glauben, welche neuen Möglichkeiten sich alleine auf technischer Ebene einem ernsthaft mit den entsprechenden Mitteln angestrebten Neuanfang im historischen Abenteurer-Setting eröffnen könnten. Bleibt nur zu wünschen, dass sich Investoren dieser Aufgabe stellen.

Denn sind wir doch einmal ehrlich: Welchen Nutzen versprechen sich die Verantwortlichen von immer neuen Produkten mit altbackenem Spieldesign im Fantasy-Overkill? Genügend große Publisher wissen um ihr einseitiges Produktportfolio, das als vielseitig verkauft wird. Eines Tages sollte man auf Basis solider finanzieller Rücklagen aber auch einmal den Schritt wagen, sich einen echten Namen aufzubauen statt ihn durch Quantität vorzutäuschen. Jede Welt findet ihre Spieler, doch es braucht die entsprechenden Welten.

Selbst von notwendigem Mut bei der Initiative zu mehr Vielfalt kann nicht zwingend gesprochen werden. Es scheint eher so, als habe sich die Industrie selbst ein falsches Bild geschaffen, das kaum Raum lässt für Produkte ohne Magier, Elfen und sonstige Stereotypen. Umso eher wächst aber der Hunger nach Abwechslung, insbesondere bei der Spielerschaft, die die Licht- und Schattenseiten des MMORPG-Genres über Jahre hinweg mit durchgemacht hat. Bestes aktuelles Beispiel ist The Secret World, bestes aktuelles Beispiel für das Versagen des Vertrauens auf große Namen oder bekannte Mechanismen hingegen Star Wars: The Old Republic. Nachlässig, wer glaubt er fände in diesen Zwängen sämtliches Potenzial zahlender Kundschaft, während im Abseits die Gruppe derer, die für wirklich gute Unterhaltung mehr zu zahlen bereit sind, wächst.

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