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gamescom 2019 - Ist die Spielemesse wirklich noch notwendig?

Von Markus Rohringer - Kolumne vom 14.08.2019 - 11:45 Uhr
gamescom 2019 Screenshot
© koelnmesse / gamescom

Nachdem die Standortfrage mit dem einstweiligen Verbleib der gamescom in Köln fürs Erste geklärt ist, steht zunehmend eine andere Frage im Raum: Braucht es die Gaming-Messe in Zeiten der kompletten Vernetzung noch? Und: Welches Konzept hat die größeren Zukunftschancen? Die gamescom als Consumer-Messe oder doch die E3 als Fachbesuchermesse? Eine Gedankenskizze, die zur Diskussion anregen soll.

Der falsche journalistische Anspruch

Zugegeben, die Frage nach der Sinnhaftigkeit der gamescom ist beinahe so alt wie die Messe selbst. Früher drehte sich die Diskussion aber vor allem um den journalistischen Mehrwert, sprich die Anzahl an echten Neuigkeiten, die auf der Messe präsentiert wurden. Dieser war aufgrund der zeitlichen Nähe zur E3, bei der in der Regel die großen Bomben platzten, nie sonderlich hoch.

Ginge es also nach diesem Anspruch, hätte es die gamescom vermutlich von Beginn an nicht gebraucht. Dennoch war es für europäische Medien in einer Zeit, in der Informationen gefühlt noch langsamer flossen, eine gute Gelegenheit, sich mit den kommenden Spielen und ihren Machern intensiv auseinanderzusetzen und Eindrücke zu liefern, zu denen sonst nicht jeder Zugang hatte.

Heutzutage hingegen kann man davon ausgehen, dass die eben gespielte Gameplay-Session spätestens zur gleichen Zeit in einem Stream zu sehen ist oder längst im Zuge der E3 zu Tode analysiert wurde. Und selbst wenn eine gute journalistische Aufbereitung immer noch Wertschätzung erfahren kann und sollte, so ist dennoch klar, dass in Zeiten, in denen Let’s Player die dominierenden Charaktere der Szene und Videos und Streams die vorherrschenden Medien darstellen, sich die Spielregeln geändert haben. Das soll kein trauriger Abgesang sein, sondern bloß eine nüchterne Feststellung der Tatsachen.

Signing Area, Autogrammstunde Saftiges Gnu
© Koelnmesse / gamescom

Der Zahn der Zeit nagt an beiden Spielemessen

Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Thema, das nur die gamescom betrifft. Ganz im Gegenteil. Eben weil die gamescom stets eine betonte Consumer-Messe war, die nie von bahnbrechenden News lebte, lassen sich leicht Argumente finden, weshalb die E3 als echte Fachbesucher- und somit Neuheiten-Messe möglicherweise noch viel stärker betroffen ist.

Der Trend hin zur Dezentralisierung der Aufmerksamkeit ist unübersehbar. Anstatt in der Masse unterzugehen, bleiben namhafte Publisher und Konsolenhersteller immer öfter fern und präsentieren im alleinigen Rampenlicht über Direktkanäle ihre Neuankündigungen. Das bedeutet freilich nicht, dass man den Messen völlig den Rücken gekehrt hat. Nintendo beispielsweise hatte in seiner Nintendo-Direct-Präsentation für die E3 2019 mit dem Nachfolger zu „Breath of the Wild“ einen ordentlichen Kracher im Gepäck. Es ist aber eben nur eine Gelegenheit von vielen im Jahr.

Dementsprechend wählerisch können die Publisher vorgehen. Es muss noch nicht einmal großes Marketing-Kalkül dahinterstecken, wenn es schlichtweg logischer ist, ein Spiel oder Produkt erst dann zu präsentieren, wenn es herzeigbar ist, anstatt zwanghaft für die Messe eine Demo zu basteln, die nur zusätzliche Ressourcen verschlingt.

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