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Allgemein - Kinderlein kommet und gebet Geld aus

Von Christian Liebert - Kolumne vom 14.11.2013 - 17:39 Uhr
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„Das Geld deiner Eltern, nimm es und bestell dann..“ heißt es in einem mittelmäßigen Rap, den ich in meiner Jugend gefeiert habe. Über 10 Jahre später kommt mir diese Zeile wieder in den Kopf, als ich mich mit dem Urteil gegen den Karlsruher Free-2-Play-Publisher Gameforge auseinandersetzen muss. Ja ja, die lieben Kinder und das große Geld, da möchten die Anbieter von kostenlosen Onlinespielen gerne heran. So sieht es zumindest die Fernsehlandschaft, die mindestens ein Mal im Jahr einen hochkarätig positionierten Beitrag über die angeblichen „Abzock-Methoden“ von „Gratisspielen“ sendet und dabei jedes Mal für Verwirrung sorgt. Was ist denn eigentlich dran, an den verbrecherischen Vorwürfen und wie sehen es die Eltern? Sind die wirklich immer so unschuldig?

Ich muss schon immer ein wenig schmunzeln, wenn ich mir diese gut recherchierten Beiträge über Videospiele auf den einschlägigen deutschen TV-Sendern so anschaue. Mittlerweile macht es oft auch keinen Unterschied mehr, ob es sich dabei um einen Privatsender oder die hochgelobten Öffentlich-Rechtlichen handelt, die ja angeblich auch einen Bildungsauftrag erfüllen sollen. Schade nur, dass daraus meistens nichts wird und man schon in den eigenen Reihen versagt. So wird aus World of Warcraft gerne mal ein brutaler Shooter und auch die erfolgreiche MOBA bekommt eigens für die Sendung ein paar neue Features spendiert. Soll ja auch alles ins Bild passen, das man vermitteln will. Welches Bild eigentlich? Na das des Bösen natürlich. Videospiele im Allgemeinen und Onlinegames im Besonderen sind nämlich schlecht für uns. Dabei passt sich die Sichtweise des Fernsehens immer an aktuelle Gegebenheiten an. Früher machten uns brutale Killerspiele zu eiskalten Mördern und MMORPGs stahlen uns kostbare Lebenszeit. Heute ist das immer noch so, wobei die Gaming-Industrie in ihrer Dreistigkeit nun noch einen draufgelegt hat und auch unser Allerbestes will: nämlich unser Geld.

Nachdem man nun jahrelang versucht hat, seine Killerspiele-Dokus unterzubringen, dafür reichlich Kritik kassierte, versucht man es nun eben anders: Abzock-Methoden in „kostenlosen“ Games. Die sind nämlich gar nicht so kostenlos, sondern bitten ihre Spieler oft zur Kasse – für optionale Inhalte. Dass es sich hierbei um ein international etabliertes Bezahlmodell handelt, wird dabei schnell unter den Teppich gekehrt. Lieber zeigt man, wie wir unseres Geldes beraubt werden. Das kam bei den Zuschauern schon immer gut an, immerhin sind solche Räubermethoden ja ein Skandal. Zumindest dann, wenn man sie dazu macht und wie würde so was besser funktionieren, als mit Kindern?! Unsere Kleinen sind nämlich das Ziel solcher Betrüger und werden mit viel zu leichten Zahlungsmethoden angelockt. Der Fall ist ganz klar: Hier ist die nächste Generation Mafia am Werk. Drogen waren gestern, Free-2-Play-MMOs sind der neue Stoff.

Okay, zurück zur Realität. Habt ihr euch schon mal Gedanken darüber gemacht, wie ein 12-jähriges Mädchen an die Möglichkeit kommt, in einem Onlinedienst zu bezahlen? Die Top-Bezahlarten sind Paysafecards, die zwar an Jugendliche ausgegeben werden dürfen, aber die Eltern eigentlich wissen sollten über welche Summen ihre Kinder frei verfügen. Viele Händler lehnen die Ausgabe an Minderjährige auch generell ab, weil der Kaufvertrag schwebend und damit nicht bindend ist. PayPal, wofür man entweder eine Kreditkarte oder ein reguläres Girokonto benötigt (beides sollten Kinder wohl nicht besitzen, wenn die Eltern noch einigermaßen bei Verstand sind) oder SMS, was zwar auch mit Pre-Paid-Handys funktioniert, aber für Kinder von den Eltern gesperrt werden sollte. Nun noch mal die Frage: Wie sollen Kinder bitte für so einen Dienst bezahlen? Wenn man dann nämlich mal genauer hinhört, erfährt man, dass Töchterlein das Handy der Mutter oder Söhnchen Papas Geldkarte geklaut hat, um damit zu bezahlen. Für mich ein klarer Fall von verpasster Aufsichtspflicht der Eltern. Das Fernsehen sieht das aber nicht so, ganz im Gegenteil, die Schuld liegt hier ganz beim Anbieter. Was aus Sicht der Verbraucherschützer natürlich stimmen mag, mir aber dennoch übel aufschlägt, da ich noch in keiner Werbung gelesen habe: „Klau das Handy deiner Eltern und hohl dir die Boni!“.

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