PLAYCENTRAL PREVIEW Aion

Aion: Aion 3.0: Günstiger Wind für Auftrieb und Aufstieg

Von Thomas Wallus - Preview vom 28.05.2012 08:52 Uhr

Es ist das gewohnte MMO-Phänomen: Im gefühlten Stundentakt rasseln kompliziert-unübersichtliche Versionsnummern durch die Ladebalken der Client-Patcher, während sich Spieler in Geduld üben und der Rest der Welt keinen Funken des Interesses an das standardisierte Prozedere verliert. Richtig aufgetrumpft wird schließlich ohnehin erst, sobald eine neue Ziffer vor dem Komma beziehungsweise Punkt erscheint – und genau dies gibt in den laufenden Wochen Anlass für eine neue Auseinandersetzung mit dem mittlerweile kostenfrei spielbaren Online-Rollenspiel Aion, das voller Freude die Einführung von Aion 3.0 erwartet. Zu Recht – denn an sich weiß die Liste der Neuerungen durchaus zu überzeugen und deutet auch nach außen von einem großen Schritt in Richtung wachsender Spielermöglichkeiten.

Gefahren abseits des Schleiers

Dabei präsentiert das Pensum an Neuerungen einen gewohnten Mix aus den üblichen, an einen solchen Fortschritt gestellten, Erwartungen und wahren Perlen der Innovations-Schätze. Zu Ersterem darf man mit Sicherheit die Einführung neuer Zonen zählen, obwohl diese ohne Frage bei den Spielern den Erkundungsdrang entfachen und zu den meist erwarteten Highlights zählen dürften. Im Falle des neuen Patches ist die Vorfreude auch durchaus angebracht, schließlich feiern gleich zwei Gebiete ihr Debüt. Beide finden sich in einem bisher unentdeckten Fleckchen Balaureas wieder.

Sarpan galt einst den Leidtragenden der großen Katastrophe als Hafen ihrer Flucht, nach der Ausbeutung der Ressourcen durch den Balaur-Schöpfer Tiamat sank allerdings das Interesse an dem fortan fast schon in die Vergessenheit geratenen neuen Zuhause der Flüchtlinge. Nachdem es allerdings zu einer erneuten Auseinandersetzung mit der nicht spielbaren Rasse der Balaur kam, folgte ein Kampf unter der Führung Kahruns, der im Sieg sein Ende fand und die Chance zu Errichtung einer prächtigen Stadt bei Sarpan bot. Gefahren und äußere Bedrohungen gibt es aber noch immer genügend, sodass Fans leicht zugänglichen Spielspaßes auf ihre Kosten kommen.

Ohne Rückzugsort ist Tiamat nach seiner Niederlage logischerweise nicht geblieben. Namensgebend herrschte er nun über seine Festung Tiamaranta, die durchzogen von verzerrten Realitäten ist und so förderliche Keimzelle für Tiamats Kräfte wurde. Wem es gelingt, den Wachen des Herrschers zu entgehen oder ihnen ein Ende zu setzen, den zieht es bis hin zum Auge von Tiamaranta, wo sich auch Elyos und Asmodier den Kämpfen stellen. Freuen darf man sich also nicht nur auf PvP, sondern auch auf viele neue und fordernde Monster, womit wir wieder beim Kern Aions, dem PvPvE, ankämen.

Dungeon-Rundumschlag für tagelanges Spielen

Ähnlich umfassend fällt der Dungeon-Nachschub aus, bei dessen Größe man leicht ins Staunen geraten kann. Dass sich hier eine mächtige Portion Endgame-Frische anbahnt, ist kaum zu verschweigen. Oftmals geht es dabei um die Auseinandersetzung mit düsteren Kreaturen, wie etwa in Tahmes, wo Spieler sich durch fünf Zonen prügeln und so bestenfalls die Wiederkehr des Drachen Raksha verhindern. Obwohl dies schon wieder nach gewohnter Dungeon-Kost klingt, machen andere Namen hier Hoffnung auf ständige Abwechslung im Spielgeschehen. Rentus-Basis lockt etwa mit Belagerungswaffen im Kampf gegen neun Bosse, Gameforge verspricht großen Einfluss auf die Spielumgebung. Der Behauptung, jede der Instanz bringe ihren eigenen Reiz mit, wird hier also genüge getan. Ebenso bestätigt sich der Eindruck beim Versteck des Sandmonsters, bei dessen Beschreibung insbesondere die Truppenstärke von 24 Spielern und der mutierte Riesen-Sandwurm Muada  im Rahmen der größten Instanz von Aion 3.0 aufhorchen lassen.

Wer sich an dieser Stelle in Anbetracht so vieler neuer Namen und Dungeons dem Aufkommen von Kopfschmerzen nicht weiter entziehen kann, der sei durch den Hinweis auf das Balaur-Luftschiff Dredgion auf schon länger bekannte Inhalte verwiesen. Hier haben die Monster an Kraft zugelegt, was wiederum bei manchen Gruppen virtueller Helden für erneute Kopfschmerzen sorgen könnte. Aufatmen lässt da wiederum die Palette an möglichen Belohnungen, die auch in Verbindung mit wiederholbaren Quests umfassend ausfällt. Hat man sich dann von den Strapazen erholt, sind auch die beiden letzten neuen Instanzen wieder eine einladende Alternative.

Völlig abschalten dürfen Elyos und Asmodier in der Solo-Instanz Aturam-Himmelsfestung, wo kein hetzender Gruppenleiter Druck ausübt und nur man selbst das Schicksal über Sieg und Niederlage in den Händen hält. Fast schon paradox im MMORPG-Geschäft sind da dann die lockenden Belohnungen. Rüstungsteile, Gürtel, Ohrringe und Waffen der Aturam-Himmelsfestung sind nur exklusiv dort erspielbar. Ein verkraftbarer Seitenhieb auf den Grundgedanken des Zusammenspiels, sofern man sich noch für den ab Stufe 57 zugänglichen Dungeon Ladiswald / Dorgel-Gut begeistern möchte. Für Aufsehen sorgt der merkwürdige Doppelname mit Sicherheit, die Erklärung liegt in der Zusammensetzung aus zwei größeren Abschnitten. Übrigens sollte allein das exklusive Flügelpaar des Dungeons für helle Euphorie sorgen, denn der feine Federschmuck ist die ideale Lösung für frischen Wind auf und unter dem eigenen Rücken.

Komplexes Housing mit unzähligen Möglichkeiten

Wo wir schon dabei sind, einen Gedanken an optische Highlights zu verlieren, lohnt sich die Auseinandersetzung mit einem der waschechten Höhepunkte von Aion 3.0 – dem Housing. Was hier allerdings beim ersten Hören auf ein einfach gestricktes System schließen lässt, birgt in Wahrheit ein hohes Maß an Komplexität und tief greifenden Inhalten, sodass die doch relativ späte Einführung rund vier Jahre nach koreanischem Release zu entschuldigen ist. Zu erahnen ist diese Vielschichtigkeit schon angesichts der Tatsache, dass zum Start des Features unmittelbar erste Auktionen anstehen und es hier um eine Menge Geld geht.

Über ein einfaches Apartment dürfen im Übrigen bereits Spieler der Stufe 21 lächeln, die ein solches nach Abschluss der entsprechenden Quest kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen. Mag man es lieber pompöser, führt kein Weg an Einzel- oder Nobelhäusern, Villen und Anwesen bis hin zum Palast vorbei. Wer auf solchen Reichtum nicht verzichten mag, der muss sich allerdings den oben genannten Auktionen stellen. Immerhin ist die Zahl der Immobilien begrenzt. So stehen in den Zonen Heiron, Inggison, Beluslan und Gelkmaros jeweils nur jeweils 15 Bauten bereit, davon stets zwei Anwesen, vier Häuser und neun Nobelhäuser. Sieht man sich hingegen in der Lage, auf dieses Pensum an Exklusivität in den eigentlichen Spielzonen zu verzichten, dann ist der Einzug in den Wohndistrikten Oriel und Pernon eine denkbar gute Alternative. Hier garantieren jeweils 500 Wohnmöglichkeiten soziales Städte-Flair und hier locken dann auch die seltenen, pompösen Paläste für Aufsehen. Von ihnen gibt es nämlich nur je vier in beiden Gebieten. Da müssen Interessenten schon eine ordentliche Summe auf den Tisch legen. Ob ein Haus abseits der Auktionen zum Verkauf stets, offenbaren übrigens Schilder auf dem Grundstück.

Häuser kaufen ist dabei aber nur die halbe Miete. Die wahre Kunst liegt nämlich in den Aufgaben des Hausbesitzers. Dieser muss nicht nur dafür sorgen, dass auch alle Gebühren rechtzeitig gezahlt werden können, er trägt auch die Bürde, für eine Fassade und ein Interieur zu sorgen, das nicht direkt zu einem peinlichen Gesichtsverlust führt. Die dekorativen Tätigkeiten von Apartment-Insassen beschränken sich auf das Schmücken der inneren vier Wände und das Platzieren der gewünschten Einrichtung. Welche Möglichkeiten hingegen Besitzer ihrer eigenen vier Wände haben, beweist insbesondere der Trailer zu 3.0 auf eindrucksvolle Art und Weise.

Hier kann man sich vor Alternativen zu Fassaden kaum retten, obendrauf steht es einem darüber hinaus auch frei, Briefkästen oder Laternen an ihren Platz zu dirigieren. All das natürlich nachdem man überhaupt die Form seines Heims zusammengestellt hat. Letztlich lassen sich selbst Pflanzen anbauen, um sie später zu ernten und weiterzuverarbeiten. Das Housing in Aion verspricht fast schon ein Sims zu sein, denn die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt und so dürfte kein Eigenheim dem anderen ähneln. Wer kreativ ist, bekommt hier garantiert auch die Möglichkeit, diese Eigenschaft zum Besten zu geben. Nicht nur weiterer Stauraum oder gepflanztes Grünzeugs bringen Vorteile, der besondere soziale Reiz liegt wohl im Zusammenleben mit den eigenen Freunden. Wenn man mal selbst keine Zeit hat, spielt sicher auch das eigene Hauspersonal den Alleinunterhalter für die Gäste.

Mobilitäts-Superlative im Flug-MMORPG

Das Ende der Fahnenstange ist beim Lesen der Patchnotes von Aion 3.0 nur schwer zu erreichen. Hat man sich über eine Neuerung zu Ende gefreut, liest man quasi bereits von der nächsten Überraschung. Für eine solche sorgen sicherlich auch die neu hinzustoßenden Reittiere, die von ins Setting passenden Fantasiewesen bis hin zu mechanischen Gleitern reichen. Man könnte meinen, in Anbetracht des Flug-Features kann ein Titel wie Aion getrost aufs Reiten verzichten. Doch die Möglichkeit, sich in die Lüfte zu erheben, hatte man noch nie überall, sodass den längeren Laufwegen endlich ein Ende bereitet wird. Die Feature-Liste umfasst zudem eine Menge Skills und Quests, die dem Erhöhen der Maximalstufe auf Level 60 geschuldet sind und auch aus der Einführung der neuen Zonen resultieren.

Ausblick: Das Genre verstanden

Schafft es eine umfassende Textwand, wie es die Patchnotes von Aion 3.0 sind, in einem den Wunsch zur Rückkehr in ein MMORPG zu wecken, dann kann bei der Konzeption der Entwickler nicht allzu viel schief gelaufen sein. Die Macher haben sich definitiv Gedanken gemacht – neue Zonen und mehr als eine Handvoll neuer Instanzen dürften reichen, um die Spieler weiterhin an das Online-Rollenspiel zu binden. Nach der Umstellung des Gebührenmodells stehen zudem glücklicherweise die Zeichen alles andere als auf Ausbeutung. Die Spieler sind den Verantwortlichen etwas wert, es folgen sehnlichst gewünschte Neuerungen wie etwa die Mounts. Im Housing selbst spiegelt sich wieder, was man gerne öfter sehen würde, nämlich das Verständnis für das Genre. Macht man die Einführung eines solchen sozialen und komplexen Features zum Hauptthema eines großen Updates, beweist dies, dass MMORPGs mehr als nur das Töten von Monstern und Absolvieren von Quests bedeuten. Online-Rollenspiel – das beutet zusammen sein, zusammenspielen – und es scheint als stünde Aion fortan mehr denn je hierfür.

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